Schwäbisch Hall Verwarnung für eine Delegierte

Gastredner aus den eigenen Reihen vertreten die Meinung ihres Landes vor dem Wirtschafts- und Sozialrat. Die Delegierten hören dabei gespannt zu.
Gastredner aus den eigenen Reihen vertreten die Meinung ihres Landes vor dem Wirtschafts- und Sozialrat. Die Delegierten hören dabei gespannt zu.
Schwäbisch Hall / LUKAS BUBECK 25.07.2014
Am Schulzentrum Ost findet bereits zum 14. Mal die Projektwoche H-MUN statt. Schüler der Gymnasien aus dem Raum Hall werden dabei zu Diplomaten und simulieren Diskussionen der Vereinten Nationen.

Im Wirtschafts-und Sozialrat wird das Thema Homosexualität diskutiert. Die Vertreterin Südafrikas, Michaela Kucera, stellt einen Antrag zur Klärung eines Missverständnisses. Grund dafür ist ein für ihr Land nicht akzeptabler Beitrag des Gastredners Lukas Gwinner aus dem Iran. Mit überzeugender Stimme vertritt er die Meinung seines Landes: "Aufgrund der im Islam strengen Religionsvorschriften gegen homosexuelle Menschen dulden wir es nicht, da Homosexuelle keine Kinder bekommen und somit die Gesellschaft gefährden. Außerdem hat es massive Einwirkungen auf die Charakterbildung eines Menschen." Der Vorsitz unterbricht die Diskussion, weil er der Meinung ist, dass das Gespräch zu keinem Ergebnis führt.

Diese beispielhafte Szene aus den Vereinten Nationen ahmen die Schüler in ihrer Projektwoche nach. Viele Schüler der Haller Gymnasien sowie eine Delegation aus Breisach simulieren den Apparat der Vereinten Nationen (UN) und setzen sich dabei mit weltpolitischen Problemen auseinander. Die Abkürzung H-MUN steht für "Hall Model United Nation", dem Haller Modell der Vereinten Nationen. Das Thema lautet "Mit dem Schwert zum Frieden". Mit diesem aktuellen Problem hat die diesjährige Projektleitung mit Isabelle Offenbach, Fabian Hoffmann und Lukas Geier ein gesellschaftspolitisches Thema ausgewählt, das der Realität sehr nahe kommt. Der Generalsekretär, gespielt von Josias Old, ist hauptverantwortlich für die Verwaltung.

Dass sich bei dem im Jahr 2001 gegründeten Planspiel interessante und intensive Diskussionen auf einem hohen politischen Niveau abspielen, zeigen die Debatten in den einzelnen Gremien. In ihnen sitzt jeweils ein Vertreter eines Landes. Die Delegation eines Landes achtet dabei besonders darauf, dass sie in sich geschlossen auftritt, ihrem Kulturkreis treu bleibt und Meinungsverschiedenheiten innerhalb ihrer Gruppe zumindest nach außen hin nicht sichtbar macht. Ziel jeder Konferenz sind für alle Seiten akzeptable Resolutionen.

Um neue Denkanstöße zu bekommen, werden Gastredner aus den eigenen Reihen eingeladen, die ihre Meinung in den Gremien preisgeben und dadurch eine neue Diskussionsrunde eröffnen. Der Vorsitz der Generalversammlung leitet dabei die Verhandlungen und spricht, wenn notwendig, auch Verwarnungen aus. Eva Aigner, die eine der Vorsitzenden simuliert, verwarnt die südafrikanische Delegierte für eine Aussage. Die darf ihren Redebeitrag aber fortführen - ein Beispiel dafür, dass auch das Verhalten realitätsnah an die UN angepasst wird.

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