Vellberg Marketingkonzept für Urschildkröte

Bürgermeisterin Ute Zoll und Diplom-Geologe Matthias Güthler lassen sich vor der Hinweistafel zum Themenweg das Urschildkröteneis schmecken.
Bürgermeisterin Ute Zoll und Diplom-Geologe Matthias Güthler lassen sich vor der Hinweistafel zum Themenweg das Urschildkröteneis schmecken. © Foto: Sigrid Bauer
Vellberg / Sigrid Bauer 03.07.2018
Die Urschildkröte brachte Vellberg in die Medien. Die Stadt hat jetzt ein Marketingkonzept für das Fossil entwickelt.

Kernstück ist der sechs Kilometer lange Rundweg vom Städtle zum Steinbruch Schumann, dem Fundort der Urschildkröte, und zurück. Er beginnt gleich mit einem ungewöhnlichen Abschnitt: Durch einen unterirdischen Wehrgang unterhalb der Stadtmauer führt er hinunter zur alten Mühle, vorbei am Freibad und die Schönblickstraße hinauf zum Dürrsching. „Weil der Steinbruch für Besucher nicht zugänglich ist, haben wir uns gedacht, wir holen ihn einfach heraus“, erklärt Matthias Güthler, der den Themenweg konzipiert hat.

Regelmäßig Gesteinsnachschub

Seine Idee war es, am Spielplatz am Dürrsching eine Art überdachten Sandkasten zu bauen. Gefüllt wird er mit der fossilienreichen Gesteinsschicht, dem sogenannten Lettenkeuper. Kleine und große Hobbyfossilienjäger können dort mit Werkzeugen auf die Suche nach Versteinerungen gehen. Die Schicht liegt etwa 20 bis 30 Meter unter der Oberfläche und ist selbst nur etwa 30 Zentimeter hoch. „Man findet sofort etwas: Zähne, kleine Knochenstücke. Ich muss aber zugeben, dass ich sie zuerst nicht erkannt habe. Man muss einen Blick dafür entwickeln“, schildert Velllbergs Bürgermeisterin Ute Zoll. Das Gestein sei relativ weich und lasse sich gut spalten, so Güthler. Die Firma Schumann hat schon die erste Ladung bereitgestellt. Sie wird die Erlebnisstation an der Einfahrt zum Dürrsching regelmäßig mit „frischem“ Gestein auffüllen.

Von dort geht der Weg hinunter nach Eschenau, quert die Kreisstraße und führt über den Urschildkrötenweg zu einem Aussichtspunkt über den Steinbruch, wo Muschelkalk, eine mächtige Schicht direkt unter dem Lettenkeuper, abgebaut wird. Entlang des Themenwegs erzählen fünf Infotafeln spannende Geschichten rund um die Urschildkröte. Sie zeigen etwa, wie die Landschaft damals ausgesehen hat und welche anderen Tiere dort lebten. Auf dem Rückweg bieten sich oberhalb von Eschenau schöne Ausblicke auf das Bühlertal und die Limpurger Berge. Durch ein Waldstück geht es über den Dürrsching zurück ins Vellberger Städtle. „Ich finde, der Weg ist richtig gut geworden“, meint Güthler und Zoll stimmt ihm zu.

Eine besondere Überraschung erwartet Kinder, wenn sie den Themenweg geschafft und fünf Quizfragen, eine auf jeder Thementafel, beantwortet haben. Mit dem Lösungswort gehen sie dann zum Vellberger Eiscafé am Eingang des Städtles. Für die richtige Lösung und ein Foto, auf dem die kleinen Fosilienforscher an der Thementafel 5 zu sehen sind, gibt es pro Kind eine Kugel „Urschildkröteneis“, eine eigens kreierte Spezialität.

Steinbruch-Design im Flyer

Spitzfindige Ideen sind in den Flyer und die Tafeln zum Themenweg eingeflossen. Die Farbgebung soll die unterschiedlichen Schichten im Steinbruch zeigen. Der obere grüne Rand der Broschüre stellt die Oberfläche dar, unterhalb einer hellen, recht dicken Gesteinsschicht symbolisiert ein schmaler dunkler Streifen die Lettenkeuperschicht. Am unteren Rand des Flyers ist schließlich der für die Steinbruchbetreiber interessante Muschelkalk angedeutet.

Das zweite Urschildkrötenprojekt, für das ebenfalls Güthler verantwortlich ist, gibt es in seiner Endfassung ab Ende Juli im Heimatmuseum zu entdecken. „Auf einer zwei mal zwei Meter großen Wandtafel stellen wir die Urschildkröte vor. Eine Nachbildung des Fossils ist auf ein Pult montiert. Die Besucher können es von allen Seiten betrachten und auch anfassen“, so Güthler.

Das Highlight der Präsentation im Museum dürfte neben der Replik ein Touchscreen sein. Hier können sich die Besucher zu verschiedenen Themen rund um den Fund und den Steinbruch informieren. „Damit wollen wir ihnen Appetit auf den Themenweg machen. Da wird zum Beispiel gezeigt, wie der Muschelkalk abgebaut wird, von der Sprengung bis zur Bearbeitung im Schotterwerk, oder wie die einzelnen Teile eines Fossils wie bei einem Puzzle zu einem Schaustück zusammengesetzt werden“, erklärt der Diplom-Geologe.

Fördergelder von der EU

Offiziell werden die beiden Urschildkrötenprojekte am 12. Mai 2019 vorgestellt. Dann findet in Vellberg der „Tag des Leader-Aktionsgebiets Jagst-Region“ statt. Dabei präsentieren sich auch die anderen Leader-Projekte aus den 18 Gemeinden des Ostalbkreises und den neun Gemeinden des Kreises Hall. Vellberg bekommt aus dem Leader-Programm der EU und des Landes Baden-Württemberg rund 27 000 Euro Förderung. Die Gesamtkosten liegen bei etwa 55 000 Euro.

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