Landkreis Verkauf als einziger Ausweg - Haus Vohenstein verursacht 1,1 Millionen Euro Minus

Rettungssanitäter steigen in der Rettungswache an der Auwiese in ein Einsatzfahrzeug. Auch diese Sparte des DRK ist defizitär: die Notfallrettung mit minus 75328 Euro und Krankentransporte mit minus 117549 Euro.
Rettungssanitäter steigen in der Rettungswache an der Auwiese in ein Einsatzfahrzeug. Auch diese Sparte des DRK ist defizitär: die Notfallrettung mit minus 75328 Euro und Krankentransporte mit minus 117549 Euro. © Foto: Marc Weigert
THUMILAN SELVAKUMARAN 19.11.2013
Der DRK-Kreisverband legte am Freitag seinen Jahresabschluss für 2012 vor: Durch den Verkauf des Hauses Vohenstein für einen symbolischen Euro rutscht die Bilanz insgesamt auf ein Minus von 1,2 Million Euro.

Es sind keine rosigen Zeiten für den ehrenamtlichen Kreisvorsitzenden Dr. Karl Rosenhagen, erst Recht nicht für das Deutsche Rote Kreuz (DRK). Erst hatte der Verband den Skandal mit gefälschten Einsatzzeiten zu schultern (siehe Info), dann wurde öffentlich, dass das Haus Vohenstein in Westheim seit Jahren negative Zahlen schreibt.

Nun steht Rosenhagen an diesem Freitag vor rund 100 Mitgliedern in der Kochertalhalle, trägt nüchtern Zahlen vor und versucht das zu reparieren, was in den Jahren vor seiner Amtsübernahme 2012 verursacht wurde.

2007 begann der negative Trend im Pflegestift (13.000 Euro minus; 2009: 153.000 Euro minus). Grund sind laut Rosenhagen strukturelle Defizite, auch wegen der Anordnung der drei Einzelgebäude. "Es muss für jedes Haus eigenes Personal vorgehalten werden." Das wird von der Krankenkasse nicht bezahlt.

Gebäude wird formell mit 798,887 Euro abgeschrieben

Dienstpläne wurden umgestellt, "wir haben sehr in die Personalstruktur eingewirkt". Das Defizit konnte 2010 auf minus 39000 Euro reduziert werden, stieg dann aber 2011 auf minus 162.000 Euro an.

Zwei weitere Probleme: "Die Heimbauverordnung schreibt allen Trägern bis 2019 vor, in ihren Einrichtungen ausschließlich Einzelzimmer vorzuhalten." Die Brandschutzvorschriften forderten zudem eine Anlage mit Rauchmeldern in jedem Zimmer. Beides zusammen würde weit mehr als 200.000 Euro kosten. "Die Kosten waren so hoch, das wir sie nicht weiter stemmen konnten", sagt Erich Scholz, stellvertretender Kreisvorsitzender. Das DRK musste das Objekt letztlich dieses Jahr für einen symbolischen Euro verkaufen.

Wieso hatte das DRK nicht bereits Jahre zuvor reagiert? Ulrich Stückle, der bis 2012 Kreisvorsitzender war, räumte in einem Interview Management-Fehler des Kreisgeschäftsführers Rainer Gebhardt ein. Dieser ist seit März immer wieder krank geschrieben - just seit jener Zeit, als die Situation zu eskalieren drohte. Aber auch die Rolle von Stückle bleibt weiter ungeklärt, der die Verantwortung für die Kontrolle trug.

Den Verkauf in trockene Tücher brachte letztlich Rosenhagen. Das dieser Schritt dringend nötig war, zeigt das Defizit für 2012: Das Haus erwirtschaftete ein Minus von 314.000 Euro. Das Gebäude wird formell mit 798887 Euro abgeschrieben. Der neue Betreiber "Dienste für Menschen" (unter anderem Pflegestift Teurershof), will das Gebäude nun abreißen und neu errichten.

Für 2013 werde in der Bilanz noch ein Verlust für Vohenstein auftauchen, so Scholz. 2014, so versichert er, könne der Kreisverband schwarze Zahlen schreiben. Aber auch andere Geschäftsfelder des DRK sind noch defizitär, etwa die Krankentransporte mit 117.549 Euro und die Notfallrettung mit 75.328 Euro. "Das liegt unter anderem an Tarifänderungen für Mitarbeiter", meint Corinna Egner. Mit dem Bereichsausschuss - besetzt von DRK und Versicherungen - müssten neue Kostenmodelle ausgehandelt werden. Größtes Plus machen in der Bilanz Mitgliedsbeiträge aus: 254.503 Euro.

Rosenhagen und die Vorstandsriege werden mit einer Gegenstimme und einer Enthaltung entlastet. Der Kreisvorsitzende dankt den Mitgliedern und Ehrenamtlichen. Ein Name fehlt in seiner Rede: Rainer Gebhardt. Das dessen Position in Frage steht, ist kein Geheimnis. Es gab laut interner Kreisen aber noch keine Aussprache. Er ist weiterhin krank.

Gefälschte Statistiken