Schwäbisch Hall Verjüngungskur verordnet

Schwäbisch Hall / TOBIAS WÜRTH 29.11.2014
"Keine Fehler" bescheinigt der Bereich Revision der Arbeit der Eigenbetriebe. Andreas Großmann erteilt aber Verbesserungsvorschläge: Der Werkhof soll sich verjüngen, der Abwasserbereich genauer arbeiten.

Einige Angestellte träumen davon, die letzten Jahre vor der Rente gemütlich auslaufen zu lassen. Für Werkhofmitarbeiter ist das nicht möglich. Obwohl sie im Schnitt 50 Jahre alt sind, klingelt im Winter nachts der Wecker: Es geht zum Schneeräumen.

"Der Fachbereich Revision empfiehlt den Weg fortzuführen und in den kommenden Jahren weiterhin Nachwuchskräfte einzustellen und verstärkt auszubilden", steht in dem Prüfbericht, der am Montag den Stadträten vorgelegt wurde. Von 86 Werkhofmitarbeitern sind 71 im Freien unterwegs. Jeder Arbeiter ist für 438 Bürger tätig und betreut 121 Hektar - so lautet ein Rechenbeispiel. Je älter die Angestellten sind, umso häufiger fallen sie wegen Krankheit aus, sagt Andreas Großmann, Leiter der Revision. Oberbürgermeister Hermann-Josef Pelgrim sieht eine bedenkliche Grenze: "Bei einem Katastrophenfall müssen wir Leute haben, die rausfahren." Daher werden nun Schritt für Schritt neue Mitarbeiter eingestellt.

Solche und andere Details kommen zu Tage, wenn Andreas Großmann die Eigenbetriebe durchleuchtet. Er und sein Team sehen ihre Aufgabe nicht darin, einen Haken an die Jahresabschlüsse zu machen und mal ein paar Stichproben zu ziehen. Er begleitet die Arbeit der städtischen Eigenbetriebe vielmehr bereits im Vorfeld, beraten bei Ausschreibungen, analysieren Arbeitsabläufe. Großmann: "Wir sehen uns als Impulsgeber". Ganz fehlerfrei ist der oberste Hüter der Ausgaben in Hall aber auch nicht: Bei seiner Präsentation im Finanz- und Verwaltungsausschuss am Montag muss er einräumen, zwei Zahlenkolonnen falsch aufgelistet zu haben.

Nicht nur die Zahlen, auch seine Analysen werden gelesen. So auch von Walter Frank, CDU-Stadtrat und Handwerker. "Man kann doch keine Gewährleistung verfallen lassen", regt er sich auf. Zwei verschiedene Firmen haben Kanäle in den Jahren 2007 und 2008 saniert. Auftragsvolumen: knapp eine halbe Million Euro. Nur wenn eine detaillierte Mängelliste erstellt werde, könne eine Gewährleistungsfrist verlängert werden. Das wurde aber versäumt. Damit verliert Hall möglicherweise Geld, argumentiert Stadtrat Frank.

Das Problem sei erkannt, entgegnet Oberbürgermeister Pelgrim. Großmann pflichtet ihm bei: "Ich habe den Eindruck, dass es 2014 besser gelaufen ist." Der Bereich Abwasserbeseitigung leide unter einem schnellen Personalwechsel. Derzeit sind zwei Stellen frei: ein Abteilungsleiter Technik und ein Facharbeiter für die Kanäle.

Erfreuliches gebe es aus dem Abwasserbereich aber auch zu melden. Es wird mehr Geld eingenommen, als ausgegeben. Es könnte also sein, dass die Abwassergebühren auf lange Sicht gesenkt werden, falls sich der Trend bestätigt.

Auch positiv: Der Eigenbetrieb Touristik und Marketing (TM) kommt mit dem Zuschuss von knapp einer Million Euro aus, die er stets aus der Stadtkasse erhält.

Der Bericht der Revision deckt ein Kuriosum auf. Es gibt viele Menschen, die zum Beispiel zu Weihnachten Gutscheine für die Freilichtspiele verschenken. Doch so mancher Beglückte besucht das Theater auf der Großen Treppe gar nicht. Unter "Verbindlichkeiten" wird der Wert aller verkauften Gutscheine bei der TM verbucht. Von diesen Gutschein-Einlösemuffeln gibt es viele: In den vergangenen zwölf Jahren summiert sich der Wert nicht benutzter Gutscheine für die Freilichtspiele und andere Veranstaltungen auf 341849 Euro.

Die vier Eigenbetriebe der Stadt Schwäbisch Hall in Zahlen

Werkhof Im Jahr 2013 wurden 6,74 Millionen Euro eingenommen. Ausgaben: 6,65 Millionen Euro. Schuldenstand: 1,89 Millionen Euro.

Friedhöfe Es wurden 570000 Euro eingenommen und 933000 Euro ausgegeben. Der Schuldenstand beträgt 3,53 Millionen Euro.

Abwasser Die Einnahmen betragen 7,87 Millionen Euro. Die Ausgaben 7,29 Millionen Euro. Der Schuldenstand beträgt 41 Millionen Euro.

Touristik Der Eigenbetrieb hat 2013 einen Fehlbetrag von 949000 Euro, der aus der Kasse der Stadt ersetzt wird. Schuldenstand: 0 Euro.

SWP