Musik Gaildorfer Komponist - Uraufführung in Kunsthalle

Stefan Heucke ist in Gaildorf und Schorndorf aufgewachsen. Er ist freischaffender Komponist.
Stefan Heucke ist in Gaildorf und Schorndorf aufgewachsen. Er ist freischaffender Komponist. © Foto: Christoph Fein
Gaildorf/Hall / Ralf Snurawa 07.09.2018
Der Komponist Stefan Heucke stammt aus Gaildorf. Seine dritte Klaviersonate wird von Pinanistin Ana-Marija Markovina am Sonntag in der Haller Kunsthalle Würth uraufgeführt.

Gegenüber vom Gaildorfer Postamt waren am 24. Mai 1959 in der Kanzleistraße die Schreie eines Neugeborenen zu hören. Stefan Heucke hatte das Licht der Welt erblickt. Am Sonntag, 9. September, um 17 Uhr nähert sich der Komponist Heucke seinem Geburtsort wieder. Da wird im Rahmen des Hohenloher Kultursommers von der Pianistin Ana-Marija Markovina in der Kunsthalle Würth Heuckes dritte Klaviersonate erstmals aufgeführt.

Wo ihn das Leben hinführen würde, war damals noch nicht klar. Der Vater leitete das Postamt bis 1964, dann wurde er nach Schorndorf versetzt. Im Jahr darauf folgte ihm seine Familie nach.

Was Stefan Heucke aus Gaildorf in Erinnerung behalten hat? „Es ist ein lebendiger Teil meiner Vergangenheit“, denkt er zurück. Die Geburt seines kleineren Bruders sei ihm noch vor Augen, auch der Kindergarten und die dort wirkende Diakonisse Schwester Paula.

Doch in Schorndorf seien die Erinnerungen noch präsenter gewesen. Und dort habe seine musikalische Entwicklung begonnen. Davor gab es aber schon das musikliebende Elternhaus. Der Vater war ein begeisterter Musikliebhaber und habe Klavier gespielt.

Von Kindheit an gefördert

Von Schorndorf aus wurden dann auch Konzerte besucht oder Opernaufführungen. Dort habe er, so Heucke, auch den ersten Instrumentalunterricht erhalten: Blockflöte bei einer Tante. Violine und Klavier folgten an der Musikschule. Die Eltern hatten ihn immer gefördert.

Nach einem erneuten Umzug nach Böblingen, machte er in Stuttgart wegen des nur dort möglichen Musik-Leistungskurses sein Abitur. Ein privates Klavierstudium bei der Musikhochschulprofessorin Renate Werner – die früher in Michelbach an der Bilz am Aufbaugymnasium Musik unterrichtet hatte – schloss sich an: „Von ihr habe ich gelernt, wie Musik funktioniert.“ Sie war eine der wichtigen Personen in Heuckes musikalischer Entwicklung. Dann verschlug es ihn zum Studium nach Dortmund. Dort lernte Stefan Heucke seinen Freund, Partner – und Ehemann seit 34 Jahren – kennen, der in Bochum als Krankenhausseelsorger tätig war. Und so kam Heucke schließlich nach Bochum, im Jahr 1996.

Dort fühlt er sich aufgehoben: „Es ist der ideale Ort zum Leben.“ Er habe einen „wunderbaren Draht zu den Bochumer Symphonikern“. Es sei überhaupt eine „kulturell ganz lebendige Gegend mit ganz aufgeschlossenen Menschen“ und „viel besser als Köln oder Berlin“. An der Detmolder Musikhochschule nahm Heucke 13 Jahre lang einen Lehrauftrag für Musiktheorie wahr. Danach war er nur noch freischaffend als Komponist tätig. Mit dem Komponieren habe er schon im Alter von acht Jahren begonnen – und mit zehn Jahren habe er in der Schule verkündet: Er werde Komponist. Das hat er nun eingelöst. Dabei sieht er sich nicht in der Nachfolge der Darmstädter Schule oder als einer der Adepten von Helmut Lachenmann. Ihm ist das Anknüpfen an die Tradition, das Verhaftetsein darin wichtig.

Von Johann Sebastian Bach, Ludwig van Beethoven und Johannes Brahms habe er das Komponieren gelernt. Aber: „Franz Schubert ist für mich der wichtigste Komponist.“ Arnold Schönbergs Kompositionsweise sei für ihn ebenso wichtig gewesen: um zu einer Tonalität zu kommen, die durch die Zwölftonschule gegangen ist.

Auch habe er stilistisch bei Kompositionen der klassischen Moderne angesetzt: bei Béla Bartók, Paul Hindemith, Dmitri Schostakowitsch und Benjamin Britten sowie auch bei Hans Werner Henze, also einer Generation später.

Einer von Heuckes größten Fans und inzwischen ein guter Freund ist heute der ehemalige Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU). Für dessen Verabschiedung hatte Heucke die „Variationen mit Haydn“ op. 85 geschrieben, das Schwesterwerk zur Klaviersonate op. 86, die in Hall uraufgeführt wird.

Zahlreiche Kompositionsaufträge

Stefan Heucke wurde 1959 in Gaildorf geboren. In Stuttgart studierte er von 1978 bis 1982 bei Renate Werner Klavier. In Dortmund setzte er seine Studien an der Musikhochschule bei Arnulf von Arnim (Klavier) und Gerhart Schäfer (Komposition) fort. 1989 bis 2002 unterrichtete Heucke Musiktheorie an der Musikhochschule Detmold. Heucke erhält seit geraumer Zeit zahlreiche Kompositionsaufträge. Eine der größten neben seiner Oper „Das Frauenorchester von Auschwitz“ war zuletzt die „Deutsche Messe“. Weitere Informationen zum Komponisten im Internet unter www.heucke-stefan.de. snu

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