Geschichte Verborgene Schätze am Limes

Mainhardt / swp 03.07.2018
Dr. Bender berichtete im Römermuseum Mainhardt über die römischen Spuren in Lorch. Sie treffen dort auf die der Staufer.

Die Stadt Lorch spielte bei der Entwicklung des Stauferreichs eine große Rolle, betonte Dr. Bender. 1000 Jahre früher hatte dort das römische Imperium einen Außenposten errichtet. Die Lage des Ortes sei in mehrfacher Hinsicht bemerkenswert. Erstens endete etwas weiter nördlich die 80 Kilometer lange, schnurgerade Limeslinie, der Limes änderte dort seinen Nord-Süd-Verlauf in eine West-Ost-Richtung. Zweitens befand sich wenige Kilometer weiter östlich die Grenze zwischen den römischen Provinzen Germania Superior und Raetia. Und drittens schützte der Ort eine Stelle der strategisch wichtigen Straße durch das Remstal, die vom Neckar ins Nördlinger Ries führte und heute ungefähr mit der B 29 identisch ist. Die Rems war bis Lorch schiffbar und als Transportweg bedeutend, wobei die Boote flussaufwärts durch Menschen oder Tiere mühselig gezogen werden mussten. Treideln nennt man das. Das römische Kohortenkastell lag im Stadtgebiet und wurde zuletzt 1986/87 ausschnitthaft archäologisch untersucht. Es hatte eine fast quadratische Fläche von 2,4 Hektar. Die evangelische Stadtkirche befindet sich etwas nördlich des ehemaligen Stabsgebäudes des Kastells. Die Kastellmauer ist bis auf ein Turmfundament des Westtores abgetragen. Im Foyer des Rathauses sind zahlreiche römische Fundstücke ausgestellt. Markante Funde sind die Grabinschrift eines Keramikhändlers, eine Bronzeminiatur eines römischen Siegesdenkmals mit den erbeuteten Waffen des Gegners sowie „Lorchi“, der vier Zentimeter kleine Bär aus Bronze mit seiner ausladenden Handbewegung. Das römische Lorch könnte in Analogie zum österreichischen Lorch, dessen römischer Name bekannt ist, „Lauriacum“ genannt worden sein. Der heutige Klosterberg oberhalb der Rems wurde sicherlich schon von den Römern genutzt. Wahrscheinlich befand sich dort ein kleiner Tempel, dessen Gesims im Westbau der um 1090/1100 erbauten Klosterkirche als Türsturz vermauert wurde. 1879 wurde der Mittelteil des römischen Kalksteinblocks wegen Baufälligkeit entfernt und ersetzt. Das aus römischer Zeit stammende linke Ende zeigt die Buchstaben „IMP CAE“, Abkürzungen für „Imperator Caesar“. Kleine Tempel dieser Art, die Aedicula genannt werden, sind auch in Bad Cannstatt und in Faimingen östlich von Ulm nachgewiesen. Die Wiederverwendung des römischen Inschriftensteins beim Bau ihres Familienklosters zeigt das Selbstbewusstsein der Staufer.

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