Mangelnde Transparenz und hohe Geschäftsführer-Gehälter beanstandet der Bundesverband für freie Kammern (BFFK) in seinem Kammerbericht für 2015. Der Verband geht mit den Kammern ausgesprochen kritisch ins Gericht. Etliche Kammern hätten, so der Bundesverband, durch kreative Bilanzierung die Beute der letzten Jahre dauerhaft vor den eigenen Mitgliedern in Sicherheit gebracht.

Die IHK Heilbronn-Franken räumt ein, ihr Personal zwischen 2007 und 2014 um 24,5 Prozent aufgestockt zu haben. Allerdings seien ihr vom Gesetzgeber neue hoheitliche Aufgaben zugewiesen worden. Außerdem sei die Zahl der Mitgliedsunternehmen um 29 Prozent gestiegen. "Um das Serviceniveau weiterhin zu gewährleisten, wurde das Stammpersonal maßvoll aufgestockt", antwortet die Kammer auf eine Anfrage der Redaktion dieser Zeitung.

Die Kammer rechtfertigt auch, dass eine IHK-Vollzeitstelle in der Region 458 Mitgliedsbetriebe betreut. In manch anderen Kammern kümmert sich eine Vollzeitstelle teilweise um wesentlich mehr Unternehmen. Ein solcher Vergleich sei aber nicht sinnvoll, rechtfertigt sich die Kammer, da die IHK-Gebiete sowie Anforderungen und Aufgaben sehr unterschiedlich sein könnten.

Zum Ende des zuletzt veröffentlichten Geschäftsjahres (2014) hatte die IHK Heilbronn-Franken Rücklagen von 24,5 Millionen Euro. 8 Millionen davon sind in der Pflichtrücklage, die dafür vorgesehen ist Schwankungen im Ergebnis auszugleichen. Eine so genannte Liquiditätsrücklage in Höhe von 5,5 Millionen Euro sei 2015 aufgelöst worden, verrät die Kammer. 11 Millionen Euro würden in einer Rücklage liegen, aus der Pensionsverpflichtungen in Höhe von 5 Millionen Euro bedient werden. 3,5 Millionen Euro sind dort für das bereits fertiggestellte Parkhaus zurückgelegt, 2,5 Millionen Euro für die Gebäudeinstandhaltung.

Zehn Führungskräfte verdienen 1,3 Millionen Euro

Einzelne Geschäftsführergehälter gibt die IHK Heilbronn-Franken, eine Körperschaft des öffentlichen Rechts, nicht bekannt. Nachzulesen ist, dass sich die Gehälter der 10 Führungskräfte auf jährlich 133.2585 Euro summieren. Zum Vergleich: Die IHK Passau gibt die Zahl ihrer Führungskräfte ebenfalls mit 10 an. Deren Gehälter belaufen sich auf 983.510 Euro. Ebenso 10 Führungskräfte haben die Kammern Chemnitz (872.602 Euro), Dortmund (106.0800 Euro), Dresden (762.772 Euro) und Hanau (647.621 Euro).

Die IHK Heilbronn-Franken vertritt mehr als 52.000 Unternehmen - Mitgliedschaft ist Pflicht

BFFK Der Bundesverband für freie Kammern ist ein eingetragener Verein, der sich 1995 gegründet hat. Nach eigenen Angaben fordert er: ". . . eine Änderung der bestehenden Gesetze zur Regelung der Rechte von Kammern für Industrie, Handel und Handwerk und Berufsstände dahingehend, dass künftig die Mitgliedschaft in Kammern freiwillig ist, demokratische Wahlen stattfinden und die Kammertätigkeit auf genau bestimmte Aufgaben begrenzt wird."

IHK Die IHK Heilbronn-Franken hat nach eigenen Angaben rund 52.300 Mitgliedsunternehmen. Sie vertritt die Interessen aller Gewerbetreibenden und Unternehmen mit Ausnahme reiner Handwerksunternehmen, Landwirtschaften und Freiberuflern in der Region Heilbronn-Franken. Präsident der IHK Heilbronn-Franken ist Harald Unkelbach, Hauptgeschäftsführerin Elke Döring.

Beiträge Die Kammer finanziert sich im Wesentlichen aus den Beiträgen der Unternehmen, für die eine Pflicht zur Mitgliedschaft besteht. Beispiele: Kammerzugehörige mit mehr als 500 Arbeitnehmern bezahlen unabhängig von ihrem wirtschaftlichen Erfolg oder ihrer Rechtsform 22.000 Euro im Jahr. Einen Betrieb, der nicht die Rechtsform einer Kapitalgesellschaft hat und einen Gewinn bis höchstens 25.000 Euro erwirtschaftet, kostet die IHK-Mitgliedschaft jährlich 25 Euro. Beläuft sich der Gewinn auf mehr als 1 Million Euro für eine solche Gesellschaft, sind Mitgliedsbeiträge von jährlich 2700 Euro fällig. just