Schwäbisch Hall Verantwortung für den Frieden

Die Reservisten Johannes Maintok, Hermann Kurz und Sieghart Friedel salutieren bei der Kranzniederlegung. Daneben stehen Erste Bürgermeisterin Bettina Wilhelm und Friedhelm Schmidt vom Sozialverband VDK.
Die Reservisten Johannes Maintok, Hermann Kurz und Sieghart Friedel salutieren bei der Kranzniederlegung. Daneben stehen Erste Bürgermeisterin Bettina Wilhelm und Friedhelm Schmidt vom Sozialverband VDK. © Foto: Ufuk Arslan
Schwäbisch Hall / JOCHEN KORTE 18.11.2013
Das Gedenken an die Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft beim Volkstrauertag ist nicht nur etwas für die ältere Generation. Schüler beweisen auf dem Waldfriedhof, dass sie sich für Frieden einsetzen wollen.

Es sind gut 60 Frauen und Männer, die am Sonntag in der Kapelle auf dem Waldfriedhof zusammenkommen. Zum größten Teil sind es ältere Menschen, von denen einige den Zweiten Weltkrieg noch miterlebt haben dürften. Ganz vorn in der ersten Reihe sitzen zwölf Schüler der Klassen 10 b und d des Erasmus-Widmann-Gymnasiums mit ihrem Lehrer Matthias Imkampe. Sie haben sich im Religionsunterricht mit dem Thema Krieg und Frieden und dem Zweiten Weltkrieg beschäftigt.

Zum Einstieg sehen sie im Unterricht den Film "Die Brücke". Sieben Jugendliche verteidigen Ende des Zweiten Weltkrieges eine Brücke gegen alliierte Truppen. Nur einer überlebt. "Der Kampf war so unbedeutend, dass er später in keinem Heeresbericht auftauchte", erklärt Erste Bürgermeisterin Bettina Wilhelm in ihrer Rede. Bei den Jugendlichen zeigt der Film Wirkung. "Wir waren geflasht", sagt eine Schülerin. Sie waren wie in Trance, haben fünf Minuten in Stille verharrt. Bis sie das Klingeln eines Handys in die Gegenwart zurückholt.

"Sicherheit hängt auch vom eigenen Verhalten ab"

Nachdenken setzt ein. 60 Millionen Tote hat der Zweite Weltkrieg gefordert. Die jungen Leute wollen dazu beitragen, dass so etwas nicht mehr geschehen kann. Sie erkennen, wie bedeutend Frieden ist und wie wichtig es ist, ihn zu bewahren. Auf Nato und Europäische Union allein wollen sie sich nicht verlassen. "Unsere Sicherheit hängt nicht allein von diesen Bündnissen ab, sondern auch von unserem Verhalten", lautet ihre Erkenntnis. "Obwohl Frieden für uns heute selbstverständlich ist, ist es wichtig, das Thema Krieg nicht ganz aus unserem Leben zu streichen."

Erste Bürgermeisterin Bettina Wilhelm erinnert, dass der letzte Krieg in Europa, der in Bosnien, erst 18 Jahre vorbei ist. Nur 1000 Kilometer von Schwäbisch Hall entfernt seien tausende Menschen dem Krieg zum Opfer gefallen und hunderttausende vertrieben worden.

Auch heute sei die Welt nicht friedlich. Wilhelm nennt den Bürgerkrieg in Syrien, wo die Grenzen zwischen Gut und Böse fließend seien. Und die kriegerischen Auseinandersetzungen in Somalia. Sie geht auf die Reichspogromnacht vom 9. November 1938 ein, in der angesehene jüdische Mitbürger von ebensolchen Hallern angegriffen und vertrieben worden seien. Wilhelm schlägt einen Bogen zu der Taifun-Katastrophe auf den Philippinen. "Auch diese Menschen brauchen unsere Hilfe", so Wilhelm.

In wenigen Worten schildert Stadtrat Professor Reiner Blobel, wie seine Familie vom Zweiten Weltkrieg betroffen war. Sein Vater war eingezogen. Seine älteste Schwester war die größte Stütze der Mutter und halft den sieben Geschwistern. 1944 musste die Schwester zum Arbeitsdienst an die Ostfront. Am 12. April 1945 wurde das Lager aufgelöst. Auf dem Rückweg wurde ihr Zug von Tieffliegern angegriffen. Dabei ist sie ums Leben gekommen.

Die Stadtkapelle unter Leitung von Armin Scheibeck setzt bei der Gedenkfeier musikalische Akzente.

Info Auch in Hessental, Bibersfeld, Sittenhardt, Sulzdorf, Eltershofen und Gelbingen wird gestern beim Volkstrauertag der Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft gedacht.

Bedeutung des Volkstrauertages
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