Die Jonglage-Gruppe darf am Mittwoch schon mal ausprobieren, wie es sich anfühlt, vor den Mitschülern Kunststücke aufzuführen. Hoch konzentriert werfen sich zwei Jungen Ringe zu. „Stellt euch seitlich zum Publikum, damit man euch gut sieht“, ruft ihnen ihr Trainer vom Zirkus Zansiba zu. Gleichzeitig kontrolliert werfen und den anderen Ring sicher fangen, das verlangt Koordinationsgabe. Finn (9) verblüfft die Zuschauer, als er ein Stück Papier mir nichts dir nichts verschwinden lässt und es wieder herzaubert. „Du darfst den Trick niemandem verraten“, schärft ihm Heike Johannsen ein. Die Sozial- und Kulturpädagogin aus Lorenzenzimmern und ihre Schwester Julia aus Lörrach sind die treibende Kraft des Kinder- und Jugendzirkus’ Zansiba, mit dem sie durch Süddeutschland touren.

Kinder dürfen mitbestimmen

Am Montag haben sich die acht Zirkusleute, darunter Erlebnis- und Theaterpädagogen und Artisten, jeweils mit den Erst- und Zweit- sowie den Dritt- und Viertklässlern auf ein Thema für ihre Aufführung geeinigt: Dschungel und Unterwasserwelt. „Wir sind da ganz offen. Bei Jugendlichen hatten wir auch schon mal das Thema „Handywelt“, berichtet Johannsen. Die einzelnen Gruppen überlegten sich dann, was sie im Dschungel oder in der Unterwasserwelt darstellen wollen.

Schule Junge Artisten zeigen ihr Können

„Die Clowns sind Dschungelforscher und die Trapezgruppe will als Affen auftreten“, schildert sie. Jedes der 140 Kinder durfte jedes Angebot ausprobieren und sich dann eine Gruppe aussuchen. Kugellaufen, aber auch Theater, standen neben Boden- und Trapezakrobatik, Zaubern, Jonglage, Akrobatik am Vertikaltuch und Clownerie zur Auswahl.

„Die sind heute sehr lebhaft“, meint die Artistin, die die Boden­akrobaten im Gymnastikraum anleitet. Die etwa zehn Mädchen und Jungen kichern und lachen – sich zu einer Pyramide aufzubauen und sie drei Sekunden zu halten, ist fast unmöglich. „Wenn ihr so viel lacht, könnt ihr keine Körperspannung halten. Gestern hat es so gut geklappt“, motiviert Trainerin Colleen sie. Gerade in dieser Gruppe sei jeder Einzelne wichtig. Die Großen, Kräftigen genauso wie die Kleinen, Zierlichen.

Sie habe auch schon erlebt, wie schüchterne Kinder in der Trapez­gruppe aufgeblüht sind und ihr Talent offenbarten. Philipp Obal, den alle Fips nennen, ist für diese Gruppe verantwortlich. Bereits der Aufgang auf das etwa eineinhalb Meter über dem Boden schwingende Gerät ist nicht einfach, wenn der Akrobat dabei gut aussehen will. Zwei leichtgewichtigen Jungs fällt das nicht schwer. Der eine schwingt sich hoch, stellt sich auf und zieht sich ein Stück nach oben, sodass sich der zweite auf die Stange setzen kann. Dann kommt er mit den Füßen auf den Schultern des Freundes zu stehen. „Du musst dich aufrichten und gerade sitzen, dann geht es besser“, fordert Fips ihn auf. Richtig mutig ist ein Mädchen, als es mit Fips‘ Hilfe einen spektakulären Abgang von der Stange übt.

Während die eine Hälfte der Schüler ihren Auftritt einstudiert, werkeln die anderen mit den Lehrern am Bühnenbild, gestalten die Eintrittskarten und Flyer, üben sich im Schminken für den Auftritt oder gestalten eine Zirkuszeitung.

Rektor Markus Feldmann betreut die Redakteure. „Ich berichte über die Trapezgruppe“, erklärt Anna aus der 2a. Feldmann ist wie die Schüler begeistert von dem Projekt. „Hier lernen die Kinder praktisch nebenbei auch den Umgang mit dem Notebook und das Schreiben“, stellt er zufrieden fest.

Voller Stolz präsentieren zwei kleine Künstler ihren Beitrag für das Bühnenbild des Dschungelprojekts: ein Tapir. „Die Kinder haben so tolle Einfälle entwickelt. Sie haben Kartons mit Dschungeltieren bemalt. Irgendjemand kam auf die Idee, in den Karton reinzusteigen und die Tiere zu bewegen“, berichtet Lehrer Bertold Bengel. Ein zwei Meter langes Krokodil, ein furchteinflößender Leopard, ein bunter Papagei, ein Tucan und ein Elefant sind schon fast fertig.

Heute Vormittag heißt es dann in der Turnhalle „Manege frei“ für die Jongleure, Clowns und Artisten des Zirkus Zansiba.

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Finanziert hat die Schule das Zirkusprogramm unter anderem über Spenden von Bürgern an die Stadt, über den Förderverein der Schule, mit den Einnahmen der Aktion „Schüler laufen für Kinder“ und dem Fundraisingprojekt „Neue Masche“.

Der Verein Zansiba e.V. bietet seinen Kinder- und Jugendzirkus bei Schulprojekten, Klassenfahrten, Ferienprogrammen oder Camps an. Sitz des Vereins ist in 74541 Vellberg/Lorenzenzimmern, Kirchplatz 8 und in 79677 Böllen, Niederböllen 5. siba