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Das alte Pfarrhaus in St. Joseph wird abgerissen. Dort entsteht Platz für 22 Parkplätze. Die katholische Kirche will später ihr Gemeindehaus im bisherigen Kindergarten errichten.

Der Abrissbagger steht zwar still. Die Tage des alten Pfarrhauses an St. Joseph im Kurzen Graben in Hall sind trotzdem gezählt. Große Teile liegen zerbröselt auf einem Schutthaufen. Die Fläche ist eingezäunt und seit Montag mit einer schwarzen Folie umrandet. Es geht nicht darum, die Stelle vor neugierigen Blicken zu schützen, sondern Eidechsen den Zugang zu versperren, erklärt Architektin Sabine Kronmüller. Das Umweltzentrum hat einen vorläufigen Baustopp erwirkt, nachdem sechs der geschützten Tiere gesichtet wurden.

Das ist längst nicht die erste Unterbrechung beim Vorhaben der katholischen Kirchengemeinde St. Joseph. Aber von vorne: Die Gemeinde hat kein Gemeindehaus. Ein Saal war zwischenzeitlich in einem Stufenbau weiter oben am Hang integriert. Der Weg war für manche Besucher aber zu steil. Heute sind dort unter anderem die katholische Sozialstation, die Caritas und das Dekanat untergebracht.

Pläne verworfen

2014 war ein Architektenwettbewerb ausgelobt worden, mit dem Ziel, zwischen Kirche und Stufenbau ein neues Gemeinde- und Pfarrhaus zu errichten, das ebenerdig von der Kirche aus zugänglich sein sollte. Dass das alte Pfarrhaus abgerissen werden muss, war klar, da es „etwas vom Hang abgerutscht war“, so Dekan Thomas Hertlein, der auch leitender Pfarrer der Gesamtkirchengemeinde ist. Er vermutet, dass das Fundament beschädigt wurde, als in den 60ern Garagen in den Hang gebaut wurden.

20 Modelle gingen ins Rennen. Den ersten Platz belegte das Stuttgarter Architektenbüro Keller Daum. Umgesetzt wurde es aber nie. Hertlein begründet, dass der Aufwand zu groß gewesen wäre. „Das Erdgeschoss wäre vollständig im Erdreich gelegen.“ Es wären Unmengen an Aushub angefallen. Die Sicherung von Hang und dem Gebäude darüber hätte massig Geld verschlungen. Zudem müsse ohnehin das Kindergartengebäude direkt neben der Kirche saniert werden, weil die Anforderungen gestiegen seien, unter anderem wegen der Kleinkindbetreuung.

Die Kirchengemeinde hat daraufhin 2016 das ursprüngliche Vorhaben gestoppt und das unter anderem auf Kirchen und Gemeindehäuser spezialisierte Haller Architektenpaar Sabine und Rolf Kronmüller beauftragt. Nun soll das Gemeindehaus im heutigen Kindergarten Platz finden. „Dort war vor vielen Jahren bereits das Gemeindehaus untergebracht“, erinnert der Pfarrer. Zwischen Kirche und Stufenbau sind 22 Stellplätze geplant, um der Parkplatznot entgegenzutreten. Unter anderem seien die 50 Teilzeitbeschäftigten der Sozialstation auf Fahrzeuge angewiesen.

Stadt baut Kindergarten

Im Gegenzug plant die Stadt mit einem Kindergartenneubau auf der anderen Seite des Kurzen Graben, wo heute unter anderem ein Parkplatz ist. Eine Machbarkeitsstudie sei positiv verlaufen, so Hertlein. Allerdings fehle ein Grundsatzbeschluss des Gemeinderats und konkrete Planungen. Wenn alles reibungslos läuft, könnte der neue Kindergarten 2021 eröffnet werden. Der Plan: Die Kirche fungiert als Träger im städtischen Gebäude.

Sobald die Einrichtung fertig ist, kann der Umbau des bisherigen Kindergartens zum Gemeindehaus vollzogen werden. Angepeilt ist die Eröffnung 2023. Die Arbeiten werden umfangreich, so Rolf Kronmüller. Die barrierefreie Erschließung muss erstellt, dazu müssen Rettungswege und Brandschutz berücksichtigt werden. Insgesamt geht es um eine Nutzfläche von 776 Quadratmetern. Im Untergeschoss sind zwei Gruppenräume geplant, im Erdgeschoss Foyer, Küche, Lager und ein großer Gemeindesaal. Im ersten Stock könnten Dekanats-Verwaltung und Pfarramt untergebracht werden, im Dachgeschoss ein zusätzlicher Gruppenraum. Der Spielplatz des Kindergartens wird zum Gemeindehof. In die Feinplanung sei das Architekturbüro noch nicht eingestiegen. Es fehle das grüne Licht der Diözese. Ohnehin muss die Stadt erst den Kindergarten bauen.

Aktuell liegt der Fokus der Kirchengemeinde auf dem Abriss des alten Pfarrhauses. Plan war, im Juli den Platz geräumt zu haben und bis Herbst die Parkplätze zu bauen. Kosten: 374.500 Euro.

Umweltzentrum schreitet ein

Da aber ein Vertreter des Umweltzentrums die sechs Mauereidechsen auf der Abrissfläche entdeckt hat, sind die Arbeiten derzeit gestoppt. „Das ist ärgerlich“, so die Architektin Sabine Kronmüller. Denn bereits im Vorfeld sei ein artenschutzrechtliches Gutachten erstellt und für die Tiere Ausgleichsflächen in Form von Natursteinmauern errichtet worden, wo sie sich zurückziehen können. Die Tiere fühlten sich aber auch zwischen den Abrisssteinen wohl. „Wir tun alles, was wir können. Es muss aber vertretbar sein.“ Da es in dem Areal von Eidechsen nur so wimmelt, sei die Population eigentlich nicht gefährdet. Wann der Bau weitergeht, sei noch nicht klar.

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Kirchturm muss saniert werden

Nicht nur um die Kirche herum wird gearbeitet, auch am Glockenturm von St. Joseph steht eine Sanierung an, wie Architektin Sabine Kronmüller berichtet. Es sei aufgefallen, dass das Kreuz auf der Kirchturm-Spitze schief hing. Daraufhin sei der Kirchturm mit einer Hubsteige untersucht worden. Dachkonstruktion, Dacheindeckung und die Fassade müssten saniert werden, so Kronmüller. Das Kreuz sei aus Sicherheitsgründen abmontiert worden. Die eigentlichen Arbeiten werden aber wohl nicht vor 2021 beginnen. „Unser Antrag auf die Bewilligung von Zuschussmitteln für die Denkmalpflege wird erst nächstes Jahr beschieden“, so Kronmüller. Das sei der frühestmögliche Termin für eine Prüfung. Außerdem fehle noch die Freigabe der Diözese. thumi