Schwäbisch Hall Vater muss zwei Jahre in Haft

Schwäbisch Hall / ELEONORE HEYDEL 25.11.2014
Das Haller Amtsgericht hat einen 32-jährigen Palästinenser wegen Kindesentziehung zu zwei Jahren Haft verurteilt. Der Mann war 2009 mit seiner Tochter nach Gaza-Stadt geflogen, ist aber alleine zurückgereist.

August 2009: Angeblich sollte es nur eine Urlaubsreise sein. Das erste Ziel, das der heute 32-jährige Ingenieur mit seiner vierjährigen, nicht ehelich geborenen Tochter Anni (Name geändert) anstrebte, war Ägypten. Als die Grenze zum Gazastreifen kurzfristig geöffnet wurde, reiste er mit dem Kind in seine Heimat ein.

Annis Mutter war in Frankfurt geblieben. Ihre Beziehung zu dem Palästinenser war schon zwei Jahre zuvor zerbrochen. Auch ihre in einer Moschee nach islamischem Recht geschlossene "Ehe" galt nicht mehr. Die heute 32-jährige Frau war mit einer kleinen Abfindung vom Angeklagten "verstoßen" worden. Die für Mitte August 2009 geplante Rückreise von Vater und Tochter platzte, weil die Grenze nach Ägypten geschlossen blieb. Als einen Monat später die Schlagbäume kurz geöffnet wurden, reiste der Ingenieur alleine aus dem Gazastreifen aus. Die Großmutter soll das Mädchen in der Nacht zuvor vor ihm versteckt haben.

Nach dieser dramatischen Wendung ging Annis Mutter sofort zur Polizei. Aber es sollte fünf Jahre dauern, bis es zu einer Strafverhandlung wegen Kindesentziehung kam. Mit dem Argument, seine eigene Mutter habe Anni vor der Abreise entführt, konnte der Ingenieur lange gegenüber den deutschen Behörden punkten.

Jetzt aber stellt Oberstaatsanwalt Peter Bracharz klar: Ohne seine Tochter hätte der Mann den Gazastreifen nicht verlassen dürfen. Mögliche Probleme mit seinem Arbeitgeber in Hohenlohe hätte er in Kauf nehmen müssen. Bracharz: "Er ist ausgereist und hat seine persönlichen Interessen vor die des Kindes und der Mutter gestellt!" Über weite Strecken der Verhandlung verteidigt sich der verheiratete Angeklagte, der auch am dritten Verhandlungstag im gepflegten Anzug mit Hemd und Krawatte erschienen ist, ausschweifend selber. Er beteuert, er habe das Kind weder entführt noch gar verschleppt. Als gläubiger Muslim war er vor Prozessbeginn auf Pilgerreise gen Mekka.

Richter Jens Brunkhorst verlässt sich in Fragen des islamischen Familienrechts auf sachkundigen Rat. Als gerichtlich bestellter Gutachter erläutert Professor Mathias Rohe (Erlangen) das Recht in Gaza. Danach sei der Angeklagte als Vater gleichzeitig der "Vormund" der kleinen Anni. Er sei befugt, das Kind herauszuholen. Annis 32-jährige Mutter kann das nicht.

Als Oberstaatsanwalt Bracharz eine Haftstrafe von 18 Monaten ohne Bewährung fordert, wirkt der Angeklagte getroffen. Opferanwalt Ulrich Warncke (Oberursel) ist dieses Strafmaß zu niedrig. Er fordert drei Jahre Haft, dazu ein Schmerzensgeld von 30000 Euro für die Mutter, und weitere 500 Euro monatlich, bis zu dem Tag, an dem Anni wieder in Deutschland ist.

Verteidiger Andreas Kugel hält eine Haftstrafe von einem Jahr auf Bewährung für genug. Der Anwalt lenkt den Blick auf etwas anderes: Nicht nur die Kindsmutter, auch der Angeklagte "entbehre" sein inzwischen fast zehnjähriges Kind. Unter Tränen sagt der Ingenieur in seinem Schlusswort: "Was zählt, ist meine Liebe zu meiner Tochter!"

Richter Brunkhorst geht über den Antrag des Oberstaatsanwaltes hinaus. Er verhängt wegen "Entziehung einer Minderjährigen" eine zweijährige Freiheitsstrafe ohne Bewährung. Der Angeklagte soll Annis Mutter ein Schmerzensgeld von 18000 Euro zahlen. Weitere Zahlungen für die Zukunft lässt der Richter offen. Die 32-Jährige hat schon im Vorfeld versichert, das Schmerzensgeld nicht für sich zu nehmen, sondern es für das Kind auf einem Sparkonto anzulegen.

Der Ingenieur kann in Berufung gehen. Er würde dadurch Zeit gewinnen. Er könnte auch neue Anstrengungen unternehmen, das Mädchen zurückzuholen.

Schrauber am Zweirad

Die Mitglieder der Gruppe kommen fast alle direkt aus Braunsbach oder Umgebung. Zum harten Kern gehören Heinz Wolf, Dieter Schüler, Erich Anzer, Werner Zügel, Helmut Stönner, Manfred Hörauf, Helmut Giebler, Dieter Hirsch, Rolf und Frank Pössnecker sowie Bernhard Hoffmann mit seinem Enkel Yannik. fär

SWP

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