Schwäbisch Hall / SONJA ALEXA SCHMITZ  Uhr
Er geht an Schulen und Altenheime, spielt mit Blinden und Behinderten. Er leidet an Zeitmangel, findet es verrückt, wie zwei Bälle an der Schnur sein Leben so einnehmen können. Uwe Mögel ist Poispieler.

Eine blaue, kleine Cordtasche: Sie kommt überall mit hin. Darin sind zwei Bälle. Einer rot und der andere blau, damit man sie besser unterscheiden kann, wenn beide Arme unterschiedliche Bewegungen machen. Die Bälle haben in den vergangenen fünf Jahren viele Plätze gesehen. Denn seit dieser Zeit ist Uwe Mögel viel unterwegs und packt sie aus, wenn er entspannen will, sich konzentrieren muss oder einfach Lust drauf hat. "Botschafter der Poi" nannte ihn seine Agentur. Er amüsiert sich über diesen Ausdruck. "Aber es trifft es ziemlich gut", gibt er zu.

Eigentlich fing sein Leben ganz anders an. Der geborene Waiblinger kam mit 16 Jahren nach Hall, studierte in Stuttgart Architektur, arbeitete an verschiedenen Haller Bauprojekten. Dann studierte er erneut: Internationales Projektmanagement. Wenn man ein Auge zukneift, lässt sich sagen: Genau das macht er jetzt. Er managt ein internationales Projekt.

1999 stieß er auf die Poi. Ein Ball an einer Schnur. Das war es eigentlich schon. Uwe Mögel hat auch Affen beobachtet, die Pflanzen aus der Erde gezogen haben und mit den Wurzeln als Gewicht gespielt haben. An Poi sind meist Bänder angebracht, weil die durch die Luft zischen und dem Spiel mehr Ästhetik geben. Die Poi, die der Haller entwickelt hat, können zudem in der Länge verstellt werden. Die Bänder können außerdem im Ball verstaut werden. Auch hat er ein spezielles System für die Fingerschlaufen entwickelt.

In seiner Wohnung hat er sein kleines Privatmuseum: ein langes Brett mit Jahreszahlen. Unter jeder Zahl hängt ein Paar Fingerschlaufen. Von Jahr zu Jahr hat er sie verbessern können. "Pack-Poi" heißt seine Marke, die er sich patentieren ließ und für die er nach Vertriebspartnern sucht. Noch lässt er die Poi in Behindertenwerkstätten anfertigen.

Uwe Mögel: „Jeder kann Poi spielen, nicht nur Artisten.“

Damit er seine Botschaft möglichst weit in die Welt bringen kann, ist er viel unterwegs. Jeder kann Poi spielen, sagt er, nicht nur Artisten. Also geht er los, in Altenheime, Kindergärten und Schulen. In Deutschland und Nachbarländern. 5000 Kilometer fuhr er in drei Wochen. Kinder zu begeistern ist kein Problem, ältere Menschen dagegen hätten ihm die Pois nicht eben aus der Hand gerissen. Skeptisch drehen sie los. Die Arme über den Kopf? Das geht nicht, sind sie überzeugt. Doch plötzlich wird etwas angeknipst, Lebensfreude erwacht, sie trauen sich, heben die Arme, immer höher, bis sie schließlich den Poi über ihren Kopf kreisen lassen. Und weil sie plötzlich der Übermut packt, bewegen sie auch noch rhythmisch die Füße dazu.

Eines Tages im Urlaub am Meer saß der 41-Jährige am Lagerfeuer und übte einen Bewegungsablauf, der einfach nicht klappen wollte. Er ging in Richtung Meer, es wurde immer finsterer, plötzlich klappte es. Da kam ihm die Idee, Poispielen auch Blinden beibringen zu wollen. Regelmäßig trifft er sich mit einer Haller Blindengruppe.

Uwe Mögel holt einen Brief hervor. Ein 73-jähriger Mann, erblindet und Epileptiker mit erheblichen Gesundheitsproblemen, schreibt, dass er sich jetzt einen Platz im Wald habe einrichten lassen zum Poispielen. Er schreibt, wie sehr es ihm spürbare Verbesserungen gebracht habe.

Mögels Arbeitstage sind lang. Der ehemalige Triathlet bedauert, dass er nicht mehr zu seinen sportlichen Hobbys kommt. Nostalgisch schaut er zu dem Poster an der Wand: ein Surfer. Aber wenn er Briefe wie diesen in der Hand hält, strahlt er. Das ist es, worum es ihm geht. Er möchte allen zeigen, was an diesen provozierend simplen Schnur-Bällen dran ist.

www.pack-poi.de