Fachforum Unterwegs in fremden Gefilden

Ehrengast Prof. Dr. Reinhold Würth, Vorsitzender des Stiftungsaufsichtsrates der Würth-Gruppe, erläutert den Teilnehmern des Fachforums seine Ansichten zur Digitalisierung.
Ehrengast Prof. Dr. Reinhold Würth, Vorsitzender des Stiftungsaufsichtsrates der Würth-Gruppe, erläutert den Teilnehmern des Fachforums seine Ansichten zur Digitalisierung. © Foto: Alisa Grün
Bad Mergentheim / Alisa Grün 23.06.2018

Rund 400 Teilnehmer aus 13 Ländern fanden in dieser Woche den Weg auf den Bad Mergentheimer Drillberg. Und das aus gutem Grund: Das zweite „Fachforum C-Teile-Management“ der Würth Industrie Service (WIS) stand auf dem Plan.

Die internationale Konferenz fand laut Martin Jauss, Geschäftsleitung Marketing und IT bei WIS, bereits zur Premiere im Vorjahr „sehr guten Zuspruch“. Und auch dieses Mal soll das Fachforum wieder Plattform zum Austausch über Industrie 4.0, Digitalisierung und Automation im Bereich C-Teile-Management sein. An zwei Tagen konnten die Teilnehmer unter anderem „das modernste Logistikzentrum für Industriebelieferung in Europa“ besichtigen und sich untereinander vernetzen.

Ganz oben auf der Agenda standen die Fachvorträge mit hochkarätigen Referenten aus den Bereichen Industrie, Handel, Wissenschaft und Beratung: So berichtete  unter anderem Dr. Dirk Haft, Vorstandsmitglied von Wittenstein, über die digitale Strategie des Unternehmens, das eng mit dem Bad Mergentheimer Logistikdienstleister zusammenarbeitet. Er ist sich sicher, dass die Herausforderung der Digitalisierung zukünftig sein wird, ein unternehmensweites, digitales Know-how aufzubauen. Denn das gesamte Potenzial des digitalen Fortschritts könne nur von allen Firmen gemeinsam gehoben werden.

Als Ehrengast geladen war Prof. Dr. Reinhold Würth, Vorsitzender des Stiftungsaufsichtsrats der Würth-Gruppe. Gleich zu Beginn machte der dem Publikum seinen  Standpunkt klar: „Digitalisierung ist nicht alles.“ Denn sein Grundsatz laute: „Die Wirtschaft wird nicht von den Robotern betrieben, sondern  von Menschen. Das wird auch in Zukunft so bleiben.“ Wichtig sind dem Unternehmer viel mehr motivierte Mitarbeiter. Denn ohne eine gewisse Motivation und Freude am Arbeitsplatz, an dem man bekanntlich nahezu die meiste Zeit seines Lebens verbringe, gehe Lebensqualität verloren. Das wirke sich auch auf das Wachstum des Unternehmens aus.

600 IT-Fachleute im Konzern

Dennoch beruhigt er die Teilnehmer des Fachforums: „Die Digitalisierung wird selbstverständlich weitergehen und wir marschieren mit unseren 600 IT-Fachleuten, die wir im engeren Konzern beschäftigen, schon vorne an der Spitze mit.“ Deshalb unterstütze er in diesem Bereich auch alle Entwicklungen. Würth merkt an: „Vergessen Sie nicht: Es sind nicht die Computer, sondern die Menschen; es ist deren Wohlwollen und Motivation; es ist deren Freude am Tun, was am Ende dafür sorgt, dass das Unternehmen erfolgreich ist.“

Martin Jauss und Wolfram Zeitler, Leiter Key Account Management bei WIS, stellen im Anschluss mit „CPS Mi Logistics“ die jüngste Entwicklung im Bereich Logistik 4.0 vor: Damit werden neben Standard- und Sonderteilen nun auch Würth-fremde Artikel in das C-Teile-Management integriert und in die Kanban-Belieferung aufgenommen. Das Konzept ermöglicht es Industriekunden, in einer einheitlichen C-Teile-Management-Lösung verschiedene Lieferanten zusammenzufassen und gleichzeitig den Service von WIS auch für Artikel außerhalb des Würth-Sortiments zu nutzen. Anwender können mit dieser Lösung ihre gesamte Lieferkette digitalisieren und transparenter gestalten. Die Abläufe sollen so einfach und schlank sein, dass Kunden beziehungsweise Produktionsmitarbeiter nicht mehr selbst bestellen müssen. Vielmehr erkennt das intelligente System eigenständig den genauen Bedarf an Material und meldet diesen voll automatisiert an WIS. So wird sich künftig die komplette Lieferkette weitgehend selbst steuern.

Gewaltige Investitionen

Immer wieder dringt ein leises Hämmern während der Fachvorträge in das Veranstaltungszelt. Das bleibt auch bei Teilnehmern und Referenten nicht unbemerkt. Rainer Bürkert, Geschäftsführer WIS, deutet bereits zu Beginn an: „Sie haben gesehen, die Bagger sind unterwegs.“ Fakt ist, dass mit der Einweihung des neuen Logistikzentrums im letzten Jahr die Anzahl der Palettenstellplätze auf 650 000 anstieg. Außerdem verzeichnete der Industriebelieferer im vergangenen Jahr einen Rekordumsatz von 504 Millionen Euro. Die Mitarbeiterzahl stieg auf etwa 1500 an. Auf dem ehemaligen Kasernengelände am Drillberg sind derzeit etwa 35 Hektar von insgesamt 122 überbaut. Für weitere 55 Hektar besteht bereits ein Bebauungsplan. Platz hat das Unternehmen. Und Jauss klärt auf: „Wir wollen bis Ende 2020 in unsere logistischen Fähigkeiten hier in Bad Mergentheim 130 Millionen Euro investieren.“ Neben einer geänderten Straßenführung und weiteren Warenein- und -ausgangsflächen sollen die Hochregallagerkapazitäten auf insgesamt eine Million Lagerplätze erweitert werden. Jauss sagt: „Sie sehen also: Für die Zukunft sind wir gewappnet.“

4,5

Prozent des Gesamtumsatzes des Würth-Konzerns machte Würth Industrie Service 2017. Für dieses Jahr rechnet WIS mit einem Umsatz von 565 Millionen Euro, 2019 sollen 600 Millionen Euro erreicht werden.

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