Braunsbach Unterstützung für Tschetschenen - Braunsbacher wollen Familie integrieren

 
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SONJA ALEXA SCHMITZ 07.10.2015
Seit gut einer Woche lebt eine Familie aus Tschetschenien im Zentrum Braunsbachs. Sie bleiben. Bürgermeister Frank Harsch sucht mit Bürgern nach Wegen, die sieben Personen zu integrieren.

Der Ort hat neue Mitbürger. Zwei Erwachsene und fünf Kinder im Alter von wenigen Monaten bis neun Jahren. Die Familie stammt aus Tschetschenien. "Den Grund ihrer Flucht will ich hier nicht nennen, aber glauben Sie mir, er ist Grund genug", so Bürgermeister Frank Harsch. Er hat in den Rosensteinsaal eingeladen, um mit den Braunsbachern die nächsten Schritte zu besprechen. Die Familie wird in Deutschland bleiben. Die Unterkunft, die gefunden wurde, ein Wohnhaus auf der Insel, ist die neue Heimat der Tschetschenen.

Der Bürgermeister macht den Unterschied zu den Orlacher Flüchtlingen deutlich. Ob die Orlacher bleiben können oder abgeschoben werden, ist noch unklar. Die Familie aus dem Nordkaukasus ist versorgt mit einer Grundausstattung. Küche und Möbel sind da. Wofür er die Braunsbacher gewinnen will, ist die Integration ins örtliche Leben. Er nennt drei Aufgaben: Erstens, es soll zu einem Kennenlernen kommen. Er schlägt einen Treff vor, ganz ungezwungen, an Stehtischen stehen, etwas trinken und knabbern. "Das soll keine Willkommensparty werden", so Harsch. Ein Zuhörer merkt an, dass man dazu unbedingt die direkten Nachbarn der Familie einladen soll. Und zwar nicht per formalem Brief, sondern persönlich. Harsch stimmt zu.

Zweiter Schritt ist, die Kinder, die bereits in Braunsbach in die Schule und den Kindergarten gehen, an die Hand zu nehmen und beispielsweise zum Fußballtraining mitzunehmen. Eine Frau wundert sich. Wenn die Familie doch ein wenig Deutsch spräche und das Einkommen eines Hartz-IV-Empfängers hätte, warum müsse man sich derart um sie kümmern? Dann seien sie doch eigentlich selbst für sich verantwortlich. "Es geht nur darum, die erste Hürde zu nehmen", sagt Frank Harsch.

Die dritte Hilfestellung: Der Familienvater soll in Arbeit gebracht werden. Man könne ihn, wie es der Gemeinde in der Vergangenheit schon zweimal geglückt ist, vielleicht in ein Arbeitsverhältnis bringen, das zur Hälfte vom Arbeitsamt finanziert wird.

Der Mann sei Fahrer und Händler in einem Holztransportunternehmen gewesen. Das weiß Harald Huber vom Freundeskreis Asyl. Er kennt die Familie, die zuvor in Ottendorf untergebracht war. Er informiert, dass die Familie sunnitisch ist, die Frau außer Haus ein Kopftuch trägt und die Familie fünf Mal am Tag betet. Das sollte man respektieren, wenn man in Kontakt treten möchte.

Die knapp 15 Personen, die an diesem Abend in den Saal gekommen sind, zeigen sich Flüchtlingen gegenüber offen. Man merkt, sie wollen helfen, wo Not ist. Allerdings merken sie auch, dass hier keine direkte Not mehr besteht und zeigen weniger Hilfsbereitschaft. Sie studieren die ausliegende Liste an notwendigen Dingen, die für die Orlacher Flüchtlinge gebraucht werden. Bei den Fragen zur Integration der Tschetschenen wirken sie zurückhaltender. Vor allem, als sie erfahren, dass der Mann einen BMW fährt. Der, wie sich herausstellt, aber einem Freund gehört.

Hartz IV-Empfängern werde auch nicht geholfen. Diesen Gedanken wirft auch der Bürgermeister auf. Sei's drum. Hier will er helfen. Das wollen auch die Braunsbacher, wenn auch zögerlich.