Als hätte er es geahnt. Ein Kormoran lässt sich auf einem Ast über dem Fluss an der Weilerwiese nieder. Vielleicht macht der Fischesser bald an einer Engstelle schneller Beute und profitiert damit von dem Förderbescheid, den Umweltminister Franz Untersteller im Gepäck hat und wenige Meter weiter überreicht.

Hilfe für Tiere

„Die Fische müssen wandern und ihre Laichorte finden“, begründet Untersteller den Geldregen aus Stuttgart. „Schritt für Schritt werden wir Projekte umsetzen, die das ermöglichen.“ Die Lösung lautet: Fischaufstiegshilfe. Zwar gibt es bereits eine kleine Fischtreppe, die von Wasser überspühlt ist, direkt neben dem Stadtwerke-Wasserkraftwerk am Dreimühlenwehr in Nähe des Kocherquartiers. Doch die neue Aufstiegshilfe soll eine viel bessere Variante werden.  Die Fischtreppe soll etwa 114 Meter lang und über sechs Meter breit werden, der Höhenunterschied zwischen den beiden Treppenenden beträgt knapp drei Meter. Das Land fördert die Aufstiegshilfe zu 85 Prozent. Das Geld kommt nicht etwa aus dem Landeshaushalt, sondern vom Wasserpfennig, also dem Entgelt, das vom Land auf die Entnahme von Grundwasser erhoben wird. „Wir haben daher jetzt die finanziellen Mittel dazu. Zu Walter Dörings Zeiten gab es das nicht“, betont Untersteller mit einem Seitenblick. Der ehemalige Landeswirtschaftsminister steht neben ihm in der Gruppe von 40 Teilnehmern bei der Übergabe des Förderbescheids. Döring lächelt den Seitenhieb weg und bemerkt anerkennend: 85 Prozent seien schon eine hohe Förderquote.

Denn für das Projekt, das eine förderfähige Summe von 2,28 Millionen Euro haben soll (Gesamtkosten: 2,6 Millionen Euro samt Ufererneuerung), gibt das Land 1.690.700 Euro dazu.

Fischtreppe am Dreimühlenwehr Umweltminister Franz Untersteller in Schwäbisch Hall

Baubürgermeister Peter Klink bedankt sich in seiner Begrüßung gestern vor Ort dafür. Er betont aber auch, dass der Kocher als Gewässer erster Ordnung im Zuständigkeitsbereich des Landes sei. Daher sei es umso erfreulicher, dass nun gemeinsam das Ziel aus dem Leitbild verwirklicht werden kann, die Stadt zum Kocher hin zu öffnen. Klink: „Wir werten den Fluss auf und machen ihn erlebbar.“ Denn nach der Promenade, die derzeit erneuert wird, seien die Fischtreppe und das Kocherufer dran.

Ein Pfad führt dann von der Weilerwiese zum Fluss. Dort entstünden locker angelegte Steinstufen und Aufenthaltsorte. Eine vier Meter  über den Fluss ragende Plattform auf Höhe des Solbads über der Fischtreppe könnte zur Attraktion werden. Klink: „Man kann den Fischen beim Reisen zuschauen.“

Fische schwimmen durch 24 Becken

Landschaftsarchitekt Thomas Kusche vom Büro Geiz und Partner aus Stuttgart macht die Dimensionen klar. Ein Teil des Wehrs werde trockengelegt, eine Baustraße mit 5000 Tonnen Schotter angelegt. Auf der fährt ein Baufahrzeug an, das den Untergrund auflockert. Er wird „rammbar“ gemacht lautet das Fachwort. Denn eine Ramme setzt dann eine Spundwand. Das ist eine Metallmauer  aus ineinandergreifenden Elementen. Die dient als Begrenzung der Fischtreppe, die eingebaut wird, nachdem das Wehr aufgeschnitten wurde. Am Ende erhalten die Fische 24 kleine Becken durch die sie nach und nach schwimmen können. Bis es soweit ist müssen sich die Wassertiere und auch der Kormoran, der solche Stellen gerne als Jagdansitz nutzt, gedulden. Baustart ist der Sommer 2020. Die Bauzeit wird mit zehn Monaten angesetzt.

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Derzeit erneuert die Firma Eichele aus Untergröningen die Promenade am Loughboroughweg fur gut 1 Million Euro. Die Strecke wird erhöht und das Solbad mit einem neuen Sichtschutzzaun versehen, dessen Kosten sich Stadtverwaltung und Stadtwerke als Badbetreiber teilen. Es entsteht ein Aussichtsdeck, das im Bereich des Wehrs vier Meter über den Fluss ragt.

Die Fischtreppe soll ab Sommer 2020 gebaut werden. Dazu müssen das Wasser umgeleitet, das Wehr aufgebrochen und Wände eingezogen werden. Die Bauzeit beträgt mindestens 10 Monate. Kosten: 2,6 Millionen Euro (samt Ufererneuerung).

Die Stadt Hall will das zugewachsene Ufer des Kochers vor der Weilerwiese auflockern, eine Flussinsel anlegen. Die sei nötig, um die Wasserströmung besser zu steuern und Sandablagerungen zu vermeiden.