Schwäbisch Hall Unterschiedliche Angaben zur Schließung der Kaufland-Filiale in der Johanniterstraße

Die Einfahrt zum Parkhaus Ritter. Dahinter liegt die Kaufland-Filiale, die Januar 2016 schließt.
Die Einfahrt zum Parkhaus Ritter. Dahinter liegt die Kaufland-Filiale, die Januar 2016 schließt. © Foto: Ufuk Arslan
Schwäbisch Hall / HARTMUT RUFFER 19.11.2014
Die Kaufland-Filiale in der Johanniterstraße wird im Januar 2016 geschlossen. Doch wer wann wen informiert hat: darüber gibt es - je nachdem, wen man befragt - unterschiedliche Meinungen.

Hat der Konzern nun die Mitarbeiter und den Verkaufsleiter über die Schließung der Kaufland-Filiale in der Johanniterstraße rechtzeitig informiert?

Nein, sagt die Gewerkschaft Verdi in einer Pressemitteilung. Diese Zeitung berichtete am 8. November von der geplanten Schließung Ende Januar 2016. Gewerkschaftssekretär Thomas Müßig schreibt: "Ahnungslose Mitarbeiter, die morgens nicht die Zeitung lasen, wurden erst von Kunden über das Ende ihrer Beschäftigung im Januar 2016 informiert."

Am vergangenen Mittwoch war Betriebsversammlung. Dabei ging es nach Angaben Müßigs sehr emotional zu. Der Verkaufsleiter Thomas Jäger habe nach eigenen Angaben über die endgültige Entscheidung, dass die Filiale geschlossen werde, auch erst über den Presseartikel erfahren, der ihm von einem Hausleiter zugefaxt wurde.

Das wiederum will der Konzern so nicht stehen lassen. Die Behauptung von Verdi sei falsch, heißt es in einer schriftlichen Stellungnahme der Kaufland Dienstleistung GmbH & Co. KG, die ihren Sitz in Neckarsulm hat. "Der Verkaufsleiter sowie die Mitarbeiter wurden im Juni bzw. Juli dieses Jahres über den Sachverhalt informiert."

Auf der Betriebsversammlung habe laut Verdi der Haller Verkaufsleiter Jäger gesagt, dass Kaufland durchaus Interesse hätte, die Geschäftstätigkeit weiterhin fortzusetzen, sollte die stadteigene GWG bereit sein, die Miete zu reduzieren. Indirekt bestätigt Kaufland das. Die Miete sei "beispielhaft" bei der Erläuterung der betriebswirtschaftlichen Belange eines Standortes erwähnt worden.

Eine Mietminderung sei nie ein Thema gewesen, so Wolf Gieseke, Geschäftsführer der Haller Grundstücks- und Wohnungsbaugesellschaft (GWG). In einem damals vertraulichen Gespräch im November 2013 sei der GWG vom Konzern mitgeteilt worden, dass dieser aus dem Mietvertrag aussteigen wolle. Kaufland sei die Verkaufsfläche zu klein, erinnert sich Gieseke. Zwar sei der Mietvertrag später bis Februar 2016 verlängert worden, doch "es gab keine Verhandlungen über die Miete", so Gieseke, der sich auch bei seinen Mitarbeitern informierte. Diese hätten ebenso diesbezüglich keine Gespräche mit Kaufland geführt.

Das Vertrauen der Mitarbeiter in das Unternehmen sei zerstört. "Die Belegschaft ist entschlossen, um ihre Arbeitsplätze zu kämpfen" wertet Müßig das Stimmungsbild. Er ist sich sicher, dass man Kaufland mit der Unterstützung von Verdi, Schwestergewerkschaften und befreundeten Organisationen gehörig unter Druck setzen könne.