Historie Unterirdischer Gang in Oberscheffach gibt Rätsel auf

Georg Rößler und seine Tochter Sybille stehen am Zugang des Rittergangs, der rechts in den Berg führt.
Georg Rößler und seine Tochter Sybille stehen am Zugang des Rittergangs, der rechts in den Berg führt. © Foto: Elisabeth Schweikert
Ilshofen / Elisabeth Schweikert 07.09.2018
„Es war ein Rittergang“, sagt Georg Rößler aus Oberscheffach. Der Gang soll von der Burg Hohenstein bis zu seinem Gasthaus geführt haben. Zahlreiche Burgen standen früher an der Bühler.

Kalt weht es aus dem Mauerloch. Nach dem Öffnen der Gittertüre führt ein sauber gemauerter Gewölbegang in den Berg. Es ist stockdunkel, im Licht der Smartphone-Lampe tappen wir durch den knapp zwei Meter hohen und etwa 1,3 Meter breiten Gang nach hinten. Eine einzelne Fledermaus hängt an der Decke. Nach etwa 25 Metern ist Schluss. Gesteinshaufen versperren den Weg, offenbar ist das Gewölbe eingebrochen.

Weg für die Raubritter

Der Gewölbegang, durch den Georg Rößler (83), Inhaber des Oberscheffacher Gasthauses Falken, führt, ist, so sagt die Legende im Ort, ein Rittergang. Er soll aus dem frühen Mittelalter stammen und ein Flucht- oder ein Geheimweg der Raubritter sein, die früher auf der Burg Hohenstein bei Neunbronn lebten. „Das hat auch so mein Groß- und mein Urgroßvater erzählt“, berichtet Rößler.

Der Stollen habe durch den Berg geführt. Die Verbindungsstellen bei der Otterbacher Klinge seien verschüttet. Sein Bekannter Emil Philipp, der als Bub auf dem Burgberg bei Hohenstein gespielt hat, berichtet von einem Spalt auf der Ruine, durch den er Kieselsteine geworfen hat. Die seien mit langem Poltern in die Tiefe gekullert. Auch dessen Vorfahren sagten, dass dort ein Gewölbegang sein müsse.

Was lässt sich in den Akten finden? „Unterirdische Gänge sollen laut Sagen bei vielen Burgen bestehen“, weiß Wolfgang Weirether, „aber in der Regel gibt es sie nicht.“ Der frühere Hauptamtsleiter des Haller Landratsamts befasst sich seit Jahrzehnten mit Burgen und arbeitet ehrenamtlich im Kreisarchiv.

Weirether vermutet, dass der Gang ein Eiskeller der früheren Brauerei war. Darauf angesprochen, wiegt Georg Rößler den Kopf. Er hält das für unwahrscheinlich, denn es gab einen Eiskeller, neben dem Stollen. Ein weiterer, in dem Eis von der Bühler für den Sommer gelagert wurde, war oben im Wald in den Hang eingebaut. „Das war ein großer Raum, die Wände und der Boden waren mit Eichenbohlen ausgekleidet.“

Burgen aus dem 11. Jahrhundert

Nun, was der Gang genau ist, wird wohl nur eine Untersuchung klären können. Ritterburgen indes gibt es zahlreiche an der Bühler. Warum in dem kurzen Abschnitt zwischen Vellberg und Wolpertshausen so viele Burgen entstanden sind, ist nicht bekannt, berichtet Kreisarchivarin Monika Kolb.

Viele der Burgen entstanden im 11. Jahrhundert und waren 200, 300 Jahre später bereits wieder verschwunden. „Das 11. und 12. Jahrhundert war die große Zeit des Burgenbaus“, weiß Weirether. Traditionell wurden Burgen an Geleitstraßen gebaut, dort mussten Reisende eine Gebühr bezahlen und sie wurden durch das Land geführt. Gebaut wurde auch, um den Herrschaftsanspruch zu dokumentieren.

Die Burgen entlang der Bühler

1 Etwa 1,8 Kilometer westlich von Haßfelden befindet sich ein Burgstall. Die Burgstelle liegt oberhalb der Einmündung in den Altenberger Grimmbach.

2 Circa einen Kilometer östlich von Untermünkheim-Schönenberg befindet sich am Rand des Kochenecks ein Burgstall. Diskutiert wird, ob die Befestigung ihr Entstehen der Fernstraße vom Rhein an die Donau verdankte, die bei Geislingen über eine Kocherfurt führte. Sie war möglicherweise ein Gegenstück zu einer Anlage auf dem Löwenberg auf der anderen Talseite (siehe Nr. 3).

3 Einen knappen Kilometer südsüdöstlich von Geislingen befindet sich eine mittelalterliche Burgstelle.

4 Südwestlich von Cröffelbach befand sich die Burg Bielriet. Der Verein Hohenlohe und Schwäbisch Hall-Touristik hat dort eine Infotafel aufgestellt.

5 Auf dem gegenüberliegenden Bergvorsprung, nördlich von Hopfach, stand einst die Burg der Herren von Brunnen. Eine Biegung weiter südlich stand ein weiterer Burgstall. Dort lebte Ritter Eberhard von Bühler (mehr dazu in einem weiteren Serienteil).

6 Am südöstlichen Rand von Ramsbach, in der Quellmulde des der Bühler zufließenden Rotbachs, stand eine kleine Wasserburg.

7 Nordöstlich von Altenhausen stand eine Wasserburg nahe der Quellmulde des Otterbachs. Dieser fließt in die Bühler.

8 Einen knappen Kilometer südwestlich von Reinsberg erhob sich die mittelalterliche Burg Reinsburg. Sie liegt zwischen Schmerachmündung und Cröffelbach.

9 Am südwestlichen Rand von Unterscheffach stand unterhalb der Kapelle in der Talaue die Burg der Herren von Scheffach. In dem Wiesengelände fließt noch die Quelle, welche die Wasserburg speiste.

10 Einen knappen Kilometer westlich von Steinbächle befindet sich der Burgstall Klingenfels. Die Herren dort gehörten ebenso wie auf Bielriet und der Stöckenburg zum Hochadel. Etwa einen Kilometer südlich, über der Mündung der Hoheteichklinge in das Schmerachtal, liegt eine Wehranlage, die einer vorgeschichtlichen Periode angehört.

11 Etwa zwei Kilometer süd­südöstlich von Reinsberg befindet sich auf dem Mündungswinkel von Schmerach und Bühler ein namenloser mittelalterlicher Burgstall.

12 Etwa 200 Meter unterhalb der Höfe von Hohenstadt befindet sich auf einem Felssporn über der Bühlerschleife der Burgstall „Hohenstein“. Die Burg und eine sich nach ihr benannte niederadelige Familie taucht erstmals 1334 auf.

13 Etwa 200 Meter oberhalb der Mühle Neunbronn befindet sich an der Abbruchkante der Ilshofener Ebene ein namenloser Burgstall.

14 Etwa 700 Meter nordnordöstlich von Anhausen befindet sich am Rand der Haller Ebene eine mittelalterliche Burgstelle.

15 Etwa 700 Meter nördlich der Höfe von Buch befindet sich ein namenloser mittelalterlicher Burgstall.

16 Nördlich von Vellberg erhebt sich ein Bergstock, der eine vorgeschichtliche Befestigung trug. Spätestens um 741 stand dort eine Martinskirche. Im letzten Viertel des 11. Jahrhunderts wurde die Höhenbefestigung unmodern, es wurde gegenüberliegend eine Adelsburg errichtet ­(siehe Nr. 106)

17  Die Burg Vellberg erhob sich an der Stelle des späteren Schlosses auf einer Bergzunge oberhalb der Bühlerschleife. Die Anfänge der Burg liegen im ausgehenden 11. Jahrhundert. Mit Konrad von Vellberg starb das Adelsgeschlecht 1592 im Mannesstamm aus. Heute ist der mittelalterliche Stadtkern ein lohnendes Ausflugsziel.

18 Knapp fünf Kilometer westlich von Oberspeltach beim ehemaligen Hof Neuberg befindet sich über einem Seitental zur Bühler ein ehemals als „Neuburg“ bezeichneter mittelalterlicher Burgstall.

19 Flussabwärts links der Bühler im Ortskern von Obersontheim steht das ehemalige limpurgische Schloss. Es ist aus einem mittelalterlichen Ortsadelssitz hervorgegangen. Heute inserieren die neuen Schlossherren als stimmungsvolles Haus für Hochzeiten.

20 Oberhalb von Bühlertann erhebt sich die Tannenburg über dem Bühlertal. Sie wurde von einem Ellwanger Benediktinerkloster um das 13. Jahrhundert  errichtet. Heute lebt die Familie Zipperer auf der Tannenburg und betreibt Bio-Landwirtschaft sowie eine Gästepension.

21 Am nördlichen Rand von Kottspiel, in der Bühleraue, stand früher eine Wasserburg.

22 Bülerzell-
Holenstein. Etwa 200 Meter oberhalb von Holenstein befindet sich auf einem Bergsporn ein namenloser Burgstall. Der Platz wird im Ort als „Altes Schloss“ bezeichnet.

Der nächste Teil der Serie befasst sich mit Wanderwegen an der Bühler.

Denkmalgeschütztes Anwesen

Das Gebäudeensemble des Gasthauses Falken in Oberscheffach ist denkmalgeschützt. Die 1843 gebaute Gaststätte samt Brauerei ist im Stil des Klassizismus gebaut worden. Noch älter ist die angebaute Scheune, sie stammt aus dem Jahr 1735 und wurde von Johann Michael Weinbrenner, dem Erbauer der Karlsruher Residenz, geplant.

Die Gaststätte wird von der Familie Rößler als Festsaal oder Partyraum vermietet. In dem sogenannten Rittergang leben sechs verschiedene Fledermausarten, im Januar wurden 27 Tiere gezählt. Zudem ist sie Heimstatt zahlreicher Spinnen. sel.

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