Bühlertann / Elisabeth Schweikert  Uhr
Beim politischen Aschermittwoch der FDP in Bühlertann sind fast doppelt so viele Gäste da wie sonst. Die Partei spricht zuversichtlich von Wahlerfolgen bei der Bundestagswahl.

Nico Weinmann, FDP-Landtagsabgeordneter aus Heilbronn, sagt am Mittwoch den Satz am Ende seiner Rede im Bühlertanner Bären leicht dahin: „Uns geht’s gut.“ Offen bleibt einen Moment, ob er die gesellschaftliche und wirtschaftliche Situation der Bundesbürger meint oder die Lage der Liberalen. Er meint Deutschland. Das wird klar, als er sagt: „Damit es weiter so bleibt, braucht es eine starke FDP, um die Versäumnisse der Regierung zu korrigieren.“

Die Liberalen, seit der letzten Bundestagswahl nicht mehr im Parlament vertreten, hätten eine schmerzhafte Rosskur hinter sich, gab Valentin Abel zu verstehen. Während der Rückbesinnung in dieser Zeit hätte die FDP ihre Kernkompetenzen wiederentdeckt: Bürgerrechte, soziale Gerechtigkeit, Bildung – die FDP sei „mehr als Steuerpolitik“. Der 26-jährige Betriebswirt aus Westernhausen im Hohenlohekreis wird bei der Bundestagswahl im September im Wahlkreis Schwäbisch Hall-Hohenlohe für die Liberalen kandidieren. Er sieht gute Chancen für die FDP. Im September werde die Partei ein Comeback feiern.

Rund 100 Gäste – 95 Prozent ältere Männer – sind gekommen, fast doppelt so viele wie in den Vorjahren. In der Traditionsgaststätte bietet der Saal weit mehr Besuchern Platz als im seitherigen Veranstaltungslokal. Valentin Abel, gekleidet im Business-Outfit,  hält seine Rede frei. Er läuft vor den Tischen hin und her, spricht die Gäste an, animiert zu Beginn und zum Ende seiner Rede mit erhobenem Weizenglas zum Trinken.  Immer wieder versuchen Stephen Brauer (FDP-Kreisvorsitzender) und einmal auch Walter Döring (früherer Wirtschaftsminister), mit kräftigem Beifall das Publikum zur Zustimmung zu mobilisieren. Es bleibt beim kurzen, freundlichen Applaus.

Während seiner gut halbstündigen Rede  bezichtigt Valentin Abel den Hoffnungsträger der SPD, Martin Schulz,  der Lüge:  Nicht 40 Prozent der Arbeitsplätze der Berufsanfänger seien befristet, sondern nur 14 Prozent. Die Schrödersche Agenda 2010 sei die beste Reform auf dem Arbeitsmarkt seit Jahrzehnten gewesen, durch sie seien 2,5 Millionen Deutsche wieder in einem Job. Mit „fake news, mit alternativen Fakten“ träte Schulz wie ein „Volkstribun“ auf und verspreche soziale Wohltaten, die nicht leistbar seien. Kritik auch an der CDU: „Wie soll ich über einen politischen Gegner spotten, wenn er gar nichts macht?“, fragte Abel rhetorisch. Deutlich grenzt er die FDP gegenüber der AfD ab.  Er erinnert daran, dass in den Gründungsjahren damalige AfD-Mitglieder wie Hans-Olaf Henkel (heute Mitglied der Partei Alfa), die Partei zur neuen FDP gestalten wollten.

Wie Valentin Abel sagt, gebe es keinen größeren Kontrast zur FDP als die AfD: Demokratie sei nicht verhandelbar, Protektionismus und Rassismus nicht mit den liberalen Werten vereinbar.

Auch Stephen Brauer grenzt die FDP von der AfD ab: „Lasst sie reden, sie reden sich um Kopf und Kragen.“ Er halte nichts von der Ausgrenzung Andersdenkender. Brauer warnte vor den „geistigen Brandstiftern“, stellte die AfD in eine Linie mit „Zündlern“ wie den US-Präsidenten Donald Trump, die Front-National-Chefin Marine Le Pen oder den türkischen Präsidenten Tayyip Erdogan. Allen diesen Politikern sei gemeinsam, dass sie die Angst der Bürger schürten: „Wir brauchen Macher oder Kümmerer anstelle von Brandstiftern.“

Die Wahlergebnisse der FDP im Wahlkreis

Seit 2005 hat die FDP  im Wahlkreis Schwäbisch Hall-Hohenlohe keinen Bundestagsabgeordneten mehr (bis dahin Ulrich Heinrich). Als Landtagsabgeordneter wurde 2006  Dr. Friedrich Bullinger gewählt und 2011 sowie 2016 bestätigt.

Ergebnisse Bundestagswahl im Wahlkreis: 2005 11,6%; 2009 18,9%; 2013 6,6% (bundesweit 4,8 % 2013)

Ergebnisse Landtagswahl im Wahlkreis: 2006 14,4%; 2011 8,4%; 2016 11,3% (landesweit 8,3% 2016)