Steuerverschwendung Neues Globe-Theater im Schwarzbuch des Bunds der Steuerzahler

Der Globe-Neubau inmitten des Herbstlaubes auf dem Haller Unterwöhrd. 
Der Globe-Neubau inmitten des Herbstlaubes auf dem Haller Unterwöhrd.  © Foto: Thumilan Selvakumaran
Schwäbisch Hall / Thumilan Selvakumaran 08.11.2018
Der Bund der Steuerzahler stellt Steuergeldverschwendung an den Pranger. In der diesjährigen Ausgabe des Schwarzbuches wird der Haller Globe-Neubau als Negativbeispiel genannt.

Der Flughafen BER in Berlin, der nach Jahren des Baus noch immer nicht fertig ist; die Elbphilharmonie in Hamburg, die deutlich mehr kostete als geplant; teure Straßen und Brücken, die kein Mensch braucht. Das sind allesamt Projekte, die eine Gemeinsamkeit haben. Sie wurden vom Bund der Steuerzahler ausgewählt und als Negativbeispiele im jährlich erscheinenden Schwarzbuch veröffentlicht.

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Zu diesem erlesenen Kreis der laut Steuerzahlerbund absurden Steuerverschwendungen gehört heuer auch die Stadt Schwäbisch Hall mit dem Globe-Neubau. „Kostenexplosion stoppen“ heißt es in der Ausgabe für 2018/2019, die diese Woche veröffentlicht wurde und in der unter anderem auf das Haller Bauprojekt eingegangen wird.

Von 5,2 auf mehr als 9 Millionen

Mit einer Kostenschätzung von 5,2 Millionen Euro sei 2016 ein Grundsatzbeschluss für den Bau erzielt worden. Die Kosten seien dann aber rasch auf 7,5 Millionen Euro und später auf 9 Millionen Euro gestiegen – auch, weil bei der ersten Planung Technikkosten nicht ausreichend berücksichtigt worden waren. Aktuell liegen die Kosten bei rund 9,5 Millionen Euro. Bemängelt wird zudem, dass es auch nach einer 50-prozentigen Vergabe der Gewerke 2017 zu Kostensteigerungen in Millionenhöhe kam. Der Bund der Steuerzahler meint: „Dieser Theaterneubau wird für den Steuerzahler ein Paukenschlag.

Die Stadtverwaltung erklärt indes, sie könne die Kritik nicht nachvollziehen, so Sprecherin Franziska Hof auf Nachfrage. Beim Globe handle es sich noch immer um einen der „kostengünstigsten Theaterneubauten im Land“. Es hätten zuvor aber zwei Faktoren wesentlich zur Kostensteigerung beigetragen. Zum einen die Weiterentwicklung von einem reinen Nachfolgebau des hölzernen Globe-Theaters zu einem ganzjährig bespielbaren Theater. Zum anderen steigende Preise aufgrund der starken Baukonjunktur. Hof spricht von „unvorhersehbarem Mehraufwand“, der auch die Kosten bereits vergebener Gewerke erhöhen könnte. Die Stadt habe als öffentlicher Auftraggeber dagegen keine Möglichkeit der preislichen Nachverhandlungen.

Fraktionen teilen Kritik

Anders als im Rathaus stimmen die Fraktionen des Gemeinderats, der letztlich das Vorhaben mitbeschlossen hat, der Kritik im Schwarzbuch in Teilen zu, so auch Helmut Kaiser, Chef der SPD. Seine Fraktion habe die „häppchenweise Erweiterung“ immer wieder kritisiert: Denn das Projekt sei von einem saisonalen Theater weiter gewachsen zu einem Bau, der nun das ganze Jahr über nutzbar werden soll – mit aufwendigerer und dadurch teurer Verschalung, Klimaanlage und Technik. „Das kann man durchaus problematisieren“, so Kaiser.

Vorsatz, dass die Verwaltung bewusst die Dimension verschwiegen hat, um einen Baubeschluss zu erreichen, will Kaiser aber nicht unterstellen. Die städtische Bauverwaltung sei aber fachfremd und plane nicht regelmäßig Theater. Da könnten schon Dinge wie technische Ausstattungen vergessen werden, die später zu Kostensteigerungen führten.

Schärfer formuliert Ludger Graf von Westerholt (CDU) die Kritik am Globe-Projekt. „Am Anfang wurde es kleingerechnet. Wir kommen uns als Gemeinderat komisch vor, weil uns kein reiner Wein eingeschenkt wurde.“ Es wäre besser gewesen, von Anfang an 10 Millionen Euro als Kosten zu benennen. Auch er sieht mangelnde Erfahrung im Theaterbau innerhalb des Haller Hochbauamts. „Bei Bauten, die aus der Norm fallen – das tut das Theater –, sollte man nichts Hausgemachtes wagen, sondern Sachverstand einholen.“

CDU ärgert sich über Kosten

Nun aber stehe der Bau, der im März eröffnet werden soll. Daran lasse sich nichts ändern. Auch gehe es der Stadt mit den Überschüssen, beispielsweise durch die Stadtwerke, gut. „Aber wir haben auch andere wichtige Bereiche, wo Geld benötigt wird.“ Westerholt nennt das Beispiel Kita-Gebühren und Parkplätze. „Daher ärgern uns die Ausgaben für das Globe ziemlich.“

Joachim Härtig von den Grünen kritisiert, dass Hall eigentlich genug Spielstätten hat. „Wir bauen gigantisch auf dem Karl-Kurz-Areal, auch der Neubau-Saal ist noch da.“ Die müssten allesamt erst mal bespielt werden.

Die Stadt sei einst mit einer „Light-Version“ für das Globe gestartet, es gab in einem nachgeschobenen Wettbewerb auch die Idee einer Kombinationsnutzung von bestehendem Globe samt Anbau und dem Neubau-Saal. Der Entschluss fiel letztlich für das heutige Modell. „Jetzt haben wir eine große, aber teure Lösung.“ Eine Verschwendung von Steuergeldern sieht Härtig allerdings nicht. „Die Stadt bekommt etwas dafür. Die Frage ist, ob man dies in der Form braucht.“

Thomas Preisendanz (FDP) erwidert: „Brauchen tut man es nicht direkt.“ Kultur sei eben Luxus, den man sich als Stadt gönnen sollte. „Kultur bringt uns weiter.“ Die Kritik der Kostenexplosion könne er nachvollziehen. Dafür gebe es Gründe. Hall bekomme aber für das Bezahlte eine Gegenleistung. „Ich sehe keinen negativen, sondern einen positiven Paukenschlag.“

Es müsse aber laut Preisen­danz gewährleistet sein, dass sowohl Globe als auch Karl-Kurz-Gebäude und die anderen Stätten professionell vermarktet werden und es zu keinen Leerständen kommt. Eine Konkurrenz sieht Preisen­danz nicht: In das eine passe Theater, in das andere Tagungen, Hochzeiten und Partys.

Einnahmen hoch

Hartmut Baumann von den Freien Wählern sieht den einfachen Steuerzahler als „nicht unmittelbar betroffen“. Das Projekt werde schließlich neben der Stadt auch vom Land bezuschusst, Spenden seien eingegangen. Im Gegenzug seien Einnahmen durch städtische Töchter groß. „Wo tut es den Hallern denn weh?“ Dass die Baukosten aber dermaßen gestiegen sind, so Baumann, das sei schon außergewöhnlich. Der FWV-Chef fügt aber an, dass eine Verbindung zu Kita- und Parkplatzgebühren „arg weit hergeholt“ sei.

Christian Doll, Intendant der Haller Freilichtspiele, denen das Gebäude gehören wird, ließ eine Anfrage der Redaktion unbeantwortet.

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