Wie schlimm die Diagnose einer psychischen Erkrankung für den Kranken, aber auch für seine Angehörigen ist, wissen Uschi Schneider-Eichbaum, Sonja Scherer und Wolfgang Schuster aus eigener Erfahrung. Und wie wichtig es ist, in dieser Situation über seine Sorgen und Ängste zu sprechen. „Psychische Erkrankungen sind ja immer noch ein großes Tabu“, sagt Schneider-Eichbaum, deren Sohn psychisch krank ist.

Hier setzt die neue Informations-, Beratungs- und Beschwerdestelle (IBB) in Trägerschaft des Landkreises an. Sie ist telefonisch erreichbar. Schneider-Eichbaum, Scherer und Schuster kennen sich aus im Dschungel an Angeboten, sei es, um den richtigen Arzt, die geeignete Therapie oder eine passende Selbsthilfegruppe zu finden. „Ich leite selbst eine Selbsthilfegruppe“, sagt Scherer. So eine Gruppe könne beispielsweise Patienten helfen, bis sie einen Therapieplatz haben. Es sei oft ein weiter Weg, bis Betroffene und Angehörige die Krankheit wirklich verstehen und akzeptieren, weiß Schneider-Eichbaum „Dabei können wir helfen“, meint sie. „Bei meiner Familie hat es vier Jahre gedauert, bis sie meine Krankheit akzeptiert hat“, erinnert sich Schuster, der in Crailsheim lebt und wie Scherer im Haller Café Samocca arbeitet.

Den Betroffenen Mut machen, ihnen zeigen, dass es Mittel und Wege für sie gibt, dass es möglich ist, zurück in den Job zu gehen, sie zu ermuntern, frühzeitig zum Arzt zu gehen, damit ein klinischer Aufenthalt erst gar nicht nötig wird, das ist Teil der Motivation der drei IBB-Ehrenamtlichen. „Viele Menschen haben Angst vor einer psychiatrischen Klinik, aber es gibt auch ambulante Möglichkeiten“, weiß Scherer.

Keinem werde Hilfe aufgezwungen, fachliche oder Hilfe von anderen Betroffenen werde nur vermittelt, wenn sie gewünscht ist, betont Martin Keller-Combé vom Sozialamt. „Das kann dann auch mal eine persönliche Begleitung zu einem Therapeuten sein“, so Keller-Combé. „Und wenn nur jemand zum Zuhören gebraucht wird, ist das auch okay. Aber die IBB ist kein Krisentelefon, dafür gibt es andere Stellen“, sagt der Sozialpädagoge, der die Stelle mit organisiert hat. Zukünftig wird er sich als Mitarbeiter des Landratsamts heraushalten, um die Unabhängigkeit der Beratung zu wahren.

Neben den drei Ehrenamtlichen, die eine ausführliche Schulung absolviert haben, gehören zur IBB-Stelle auch zwei Personen mit fachlichem Hintergrund. Sie stehen ebenfalls für Gespräche zur Verfügung. Auch die Patientenfürsprecherin ist der IBB-Stelle angegliedert. Sie versteht sich bei Beschwerden als Vermittlerin zwischen den Anliegen der Patienten und Angehörigen und den psychiatrischen Angeboten. Alle IBB-Mitarbeiter sind neutral, unabhängig, an keine Weisungen gebunden und unterliegen der Schweigepflicht. Es werden keine persönlichen Daten dokumentiert.

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Kontakt Die IBB-Stelle ist unter der Nummer 08 00 / 0 42 27 42 von Montag bis Freitag zwischen 9 und 18 Uhr erreichbar. Es ist ein Anrufbeantworter geschaltet. Der Bereitschaftsdienst ruft zurück. E-Mail-Kontakt: anlaufstelle@ibb-sha.de, weitere Infos unter www.ibb-sha.de. siba