Der Unfall, der sich am Abend des 9. Oktober 2019 an der Einmündung zur B 19 bei Großaltdorf ereignete, ist glimpflich ausgegangen. Der betrunkene Fahrer (37) hatte mit seinem Smart eine Mittelinsel überfahren und war gegen eine Bedarfsampel geschleudert. Er blieb unverletzt. Glimpflich kam er jetzt auch vor dem Haller Amtsgericht davon. Er wurde zu einer achtmonatigen Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt. Zu den Auflagen gehört die Teilnahme an einer Suchtberatung.

Der angeklagte Familienvater ist aus der Bahn geraten. 14 Jahre lang arbeitete er als Abteilungsleiter in einem Unterroter Unternehmen. Jetzt ist er – wie er selber sagt – „gar nichts“. Nachdem er betrunken am Steuer erwischt wurde, verlor er vor gut einem Jahr seine Fahrerlaubnis. Er sagt, er sei „ziemlich hoch“ verschuldet.

Der 37-Jährige kam ohne Verteidiger zur Verhandlung. Der modisch ge­kleidete und gestylt frisierte Mann kann oder will nicht sagen, was sich in den Stunden vor der Unfallfahrt ereignet hat. Sein Gedächtnis hat angeblich einen Totalausfall erlitten zwischen dem Trinkbeginn in einer Gaildorfer Gaststätte und der Rückkehr auf das heimische Sofa. Viele Fragen bleiben offen. Warum war er nach dem Gaildorfer Alkohol-Exzess mit seinem Smart bei Großaltdorf unterwegs, wenn er doch ganz im Süden des Landkreises wohnt? Wer brachte ihn direkt nach dem Unfall nach Hause?

37-Jähriger entfernte sich von der Unfallstelle

Ein 14-jähriges Mädchen aus Großaltdorf war abends kurz vor 20 Uhr als Erste an die Unfallstelle neben der B 19 geeilt. Sie war mit ihrer kleinen Schwester zu einem Spaziergang unterwegs. „Auf einmal habe ich einen riesigen Knall gehört“, berichtet die Schülerin als Zeugin. Er sei nicht verletzt, habe der Fahrer auf ihre Frage geantwortet. Die Schülerin erinnert sich: „Die Augen sahen glasig aus.“ Sie alarmierte die Polizei. Sie müsse nicht dort bleiben, gab man ihr zur Antwort, eine Streife werde kommen.

Das Mädchen sah im Weggehen, wie ein anderes Auto an die Unfallstelle fuhr. Als sie wenig später zurückkehrte, stand das demolierte Auto wie zuvor im Böschungsbereich. Der Fahrer war weg. Erst danach kam die Polizei. Die Beamten trafen den Flüchtigen gegen 21.30 Uhr in seiner Wohnung an. Er schlief tief auf dem Sofa. Sie weckten ihn, hörten seine verwaschene Aussprache und brachten ihn zur Blutprobe ins Haller Diak.

Unfallfahrer bekommt acht Monate auf Bewährung

Drei Stunden nach dem Unfall hatte der 37-Jährige fast drei Promille Alkohol im Blut. Vermutlich sei er „alkoholgewöhnt“, mutmaßt eine vom Gericht bestellte rechtsmedizinische Gutachterin. Er habe trotz des hohen Promillewertes nur „diskrete Ausfallerscheinungen“ gehabt. Ein Rausch habe nicht vorgelegen. Allenfalls an eine eingeschränkte „Steuerungsfähigkeit“ sei zu denken.

Oberstaatsanwalt Harald Freyer fordert wegen „fahrlässiger Straßenverkehrsgefährdung“, „Fahrens ohne Fahrerlaubnis“ und „unerlaubten Entfernens vom Unfallort“ eine Bewährungsstrafe von einem Jahr und vier Monaten. Dieser Strafvorschlag wird von Richter Jens Brunkhorst fast halbiert. Er entscheidet auf acht Monate mit Bewährung.

Der Angeklagte bekommt einen Bewährungshelfer. Unter dessen Anleitung soll er 150 Stunden gemeinnützige Arbeit ableisten. Außerdem soll der 37-Jährige an einer Suchtberatung teilnehmen. Frühestens in zwei Jahren kann er einen neuen Führerschein beantragen.