Mainhardter Wald Und jährlich grüßt der Räuber

Erste Spielszene in der Laukenmühle: Der Wirt (Wolfgang Truckenmüller) liest den neuen Anschlag des Fürsten vor, der alle zu mehr Abgaben und weiteren Frondiensten auffordert. Links Wulf von Wurmb als „Joggel“.
Erste Spielszene in der Laukenmühle: Der Wirt (Wolfgang Truckenmüller) liest den neuen Anschlag des Fürsten vor, der alle zu mehr Abgaben und weiteren Frondiensten auffordert. Links Wulf von Wurmb als „Joggel“. © Foto: Maya Peters
Mainhardt / Maya Peters 13.06.2018
„Aufstand im Mainhardter Wald“ wird im vierten Jahr auf der Spielwiese am Gögelhof inszeniert. Gut 90 Akteure wirken mit.

„Stellt euch drauf ein, dass wir für die Schlachtszene zwei Durchläufe brauchen“, betont Regisseurin Angelika Tröster in ihrer Ansprache vor der fast vollständig versammelten Mannschaft des Laienschauspiels Mainhardter Wald. Am Freitag, 15. Juni, ist Premiere vom „Aufstand im Mainhardter Wald“, im vierten Jahr in Folge.

Es sind allerlei Rollenneubesetzungen und auch Ausstattungselemente hinzugekommen – eine Kanone soll beispielsweise den Schlachtenlärm unterstützen. Neu ist auch der hölzerne Technikturm, auf dem bis vor wenigen Augenblicken der Vereinsvorsitzende Wolfgang Truckenmüller mit weiteren Helfern noch am Schrauben, Messen und Prüfen war. Der feste Bau wird zur Hauptprobe erstmals im Einsatz sein. Truckenmüller trägt bereits ein weißes Nachthemd mit Schlafmütze für seine Rolle als Wirt der Laukenmühle. Im Anschluss folgt der Gesamtdurchlauf des Erwachsenenstücks.

So, wie das Stationentheater des Laienschauspiels auf der Spielwiese am Gögelhof nicht starr sein kann und will, ist es auch das Theaterstück des Laienschauspiels nicht. Seit 15 Jahren führt der Verein gut recherchierte Lokalgeschichte auf. Erst elf Jahre lang die der „Räuber aus dem Mainhardter Wald“ und nun deren raue Vorgeschichte. Dabei wird am Originalschauplatz erzählt, warum die Bauern überhaupt zu Räubern wurden.

Zu krank, zu beschäftigt, zu groß

Allein dadurch, dass rund 90 Akteure beim Hauptstück mitwirken, gehören Veränderungen praktisch dazu. „Krankheitsbedingte Ausfälle, berufliche Veränderungen oder buchstäbliches Herauswachsen aus der Rolle“, zählt Regisseurin Angelika Tröster die typischen Herausforderungen der großen Truppe auf. So musste für die zu groß gewordenen Jugendlichen Nils Däuber und Tommy-Lee Jonson, die seit ihren Kindertagen dabei sind, wieder eine neue Aufgabe gefunden werden. Extra für sie wird die Schlacht intensiver geprobt – denn sie sind zu Jungmusketieren aufgestiegen.

Per Zufall auf die Bühne

Die Spielwiese ist voller Menschen, denen der Zufall auf die Bühne half. Einer von ihnen ist Wulf von Wurmb. Der 47-jährige Pfedelbacher hatte anfangs nur seine damals neunjährige Tochter Thea zu den Theaterproben begleitet. Irgendwann habe er eine einfache Rolle beim sogenannten Volk übernommen. „Ich war ja eh immer dabei“, schmunzelt er. Im Folgejahr habe einer der Haupträuber wenige Wochen vor den Aufführungen einen Bandscheibenvorfall erlitten, erzählt von Wurmb. Da er bei vielen Proben dabei war, wurde er gebeten, ihn zu ersetzen.

Beim aktuellen Stück ist er der „Joggel“. „Ich bin ein einfältiger, frömmelnder Knecht, der sich schwertut, beim Aufstand mitzumachen, sich aber von der Magd Anna überzeugen lässt“, charakterisiert er sich. Mit den Proben habe sich die Figur verändert. „Ich habe auch viel über die Volksfrömmigkeit nachgelesen“, berichtet Wulf von Wurmb von seinen Vorbereitungen.

Seine Tochter Thea von Wurmb hingegen wollte schon immer zum Theater. „Angefangen habe ich als Tagelöhnerkind“, blickt die 16-Jährige zurück. Im letzten Jahr ersetzte sie immer wieder mal bei den Proben Hauptdarstellerin Jenny Wieland als Maria – weil diese beruflich stark eingespannt war. Offenbar überzeugend. „Heuer teilen wir uns die Rolle“, fasst Thea den großen Sprung zur Zweitbesetzung der Hauptrolle zusammen.

„Sie ist als Maria sehr gut“, meint die Schülerin anerkennend über Wieland. So eine positive Konkurrenz sporne an. „Das jeweilige Stück lebt mit seinen Leuten“, findet Laienschauspielerin Hanna Goly. Allein dadurch, dass die Maria nun teils von Thea gespielt werde, ändere sich der Charakter der Figur. „Sie ist sehr jung, spielt sehr gut und doch ganz anders als die erste Maria.“

Mit den Rollen gewachsen

Gabi Trautwein hingegen ist eine Laienschauspielerin der ersten Stunde. „Meine Madita war damals erst drei Jahre alt“, erinnert sie sich zurück. Nun sei ihre Tochter 18 geworden. Beide sind mit ihren Rollen nicht verwachsen, sondern gewachsen. „Momentan bin ich die Magd Zusel“, lächelt sie. Sie liebe ihre „Theaterfamilie“.

Neu dabei im „Froschkönig“ ist Heiner Wolfart als Wassermannvater Plitsch-Platsch. „Er ist ein Kollege von mir“, verrät Laienschauspielerin Christine Däuber. Sie habe da dem Zufall etwas auf die Sprünge geholfen. „Es ist total schön, dass jedes Jahr auch viele unserer Zuschauer zurückkehren“, findet sie. Es gebe nicht nur treue Theaterspieler, sondern auch treue Theaterbesucher. „Es ist zwar immer das gleiche Stück, aber dennoch immer anders.“

Noch Restkarten für den „Froschkönig“

„Aufstand im Mainhardter Wald“ feiert am 15. Juni Premiere auf der Spielwiese am Gögelhof. Weitere Aufführungen am 16., 22., 23., 29. und 30. Juni. Einlass jeweils ab 19.15 Uhr, Spielbeginn ist um 20.10 Uhr. Das Stück ist bereits ausverkauft.

Das Kinderstück „Der Froschkönig“ feiert am Freitag, 22. Juni, um 10.30 Uhr auf der Spielwiese Premiere. Weitere Aufführungen sind an den Samstagen, 23. und 30. Juni, jeweils um 14.30 Uhr. Karten gibt’s an der Tageskasse oder unter www.laienschauspiel-mainhardt.de. may