Konzert Und es hat „Plop“ gemacht

Schwäbisch Hall / Hans Kumpf 13.01.2018
Die Altsaxofonistin und Flötistin Anna-Lena Schnabel bietet mit ihrem Quartett mehr als 100 Zuhörern in der Haller Hospitalkirche eine anspruchsvolle Musik.

Als Anna-Lena Schnabel im vergangenen Jahr bei der feierlichen Verleihung des Preises „Echo Jazz“ keine eigene Komposition spielen durfte, erfuhr sie großes Medieninteresse. Die in der Kategorie „Newcomer“ für ihre Debütplatte „Books, Bottles & Bamboo“ Geehrte sollte vor den Fernsehkameras nur den (auf der Scheibe interpretierten) Titel „Peace“ des Hard-Bop-Pianisten Horace Silver (1928-2014) vortragen. Große Aufregung in einer 3sat-Filmdokumentation, in Print­organen von „Die Zeit“ bis zur „Bild“ und den sogenannten sozialen Medien, wo der Jazz sonst nur ein Schattendasein fristet, waren die Folge.

Einerseits sollte man die Bedeutung der Galaveranstaltung „Echo Jazz“ nicht überschätzen, andererseits weiß die Jazzgemeinde, dass bei einem qualifizierten Künstler eine kreative Coverversion viel besser ausfallen kann, als das Original es je war.

Unbequeme Klänge

Die Multiinstrumentalistin Anna-Lena Schnabel, geboren 1989, acht Jahre lang jazzmäßig ausgebildet in Hamburg, hat nicht zuletzt durch den wuchtigen Widerhall der „Echo“-Affäre einen beträchtlichen Bekanntheitsgrad erlangt. Zu dem vom Jazzclub Hall und dem Haller Kulturbüro gemeinsam organisierten Konzert der Reihe „Jazztime“ fanden sich nun über hundert Besucher in der Hospitalkirche ein.

Freilich wurde da nicht immer bequeme Musik geboten. Erst die Zugabe im gemächlichen Dreivierteltakt, „Gute Nacht“, eine Komposition der Bandleiterin, vermochte etwas einzulullen. Der offizielle Programmteil hatte mit dem Stück „Flop“ geendet, das Anna-Lena Schnabel bei der hanseatischen Preisübergabe zu ihrem Leidwesen nicht darbieten konnte. Symptomatisch gerieten hier die tonhöhenlosen Schnalzlaute auf dem Saxofon, nachdem Florian Weber sich mal wieder ausgiebig im Flügelinneren zu schaffen gemacht und im Sinne von John Cage ein „präpariertes Klavier“ praktiziert hatte.

Bei dem kinderliedhaften „Toy“ brachte Weber, der im Oktober 2017 im Duo mit dem Trompeter Markus Stockhausen an gleicher Stelle mit dem Steinway-Flügel konventionell umging, ein simples Spielzeugklavier zum Einsatz, dem man eine stimmige Wohltemperiertheit keineswegs bescheinigen konnte. Zudem spielte der Tastenmann wiederholt auf der Melodica.

Wild losblöken

Raffinierte Akkorde, variable Metren und ausgetüftelte Arrangements beherrschten die Musik, die manchen Ohren im Saale als zu avantgardistisch erschien. Der Abend hatte begonnen mit dem klangmalerischen „Dying Swan Under The Bamboo Tree“, bei dem Anna-Lena Schnabel freitönerisch und glissandierend nur ins Saxofonmundstück blies, um später dann mit dem vollständigen Instrument wild loszublöken, als sei sie der „Schönklangzertrümmerer“ Peter Brötzmann in den 1960er-Jahren.

Unterdessen führte bei diesem Klagelied der Pianist Florian Weber tragische Chopin-Akkorde sowie schicksalshaft scheppernde und schnarrende Sounds aus. Anna-Lena Schnabel hat sich zwar wissenschaftlich intensiv mit Charlie Parker auseinandergesetzt, erinnerte in ihrem Spiel jetzt aber sporadisch an die Altisten Ornette Coleman und Paul Desmond. Und sie griff auch elegant zur Querflöte – mit einem zumeist tiefen Timbre.

Etwas im Hintergrund verblieben der aus Georgien stammende, in Norddeutschland lebende Kontrabassist Giorgi Kiknadze und der Schlagzeuger Björn Lücker, die beide mit viel Feingefühl zu Werke gingen und eine ideale Ergänzung zu den zwei Hauptakteuren Anna-Lena Schnabel und Florian Weber bildeten.

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