Schwäbisch Hall Umwerfendes Niveau

Michael Nuber spielt seinen Klavierpart mit viel Bewegung. Foto: Hans Kumpf
Michael Nuber spielt seinen Klavierpart mit viel Bewegung. Foto: Hans Kumpf
Schwäbisch Hall / RAINER ELLINGER 06.06.2014
Das 60. "Gnadentaler Mühlenkonzert" hat in der Haller Auferstehungskirche stattgefunden. Es offenbarte ein umwerfendes musikalisches Niveau, sowohl gestalterisch als auch vom Können her.

Dass hier eine jüngst zusammengesuchte Mannschaft nach nur einer einzigen Gesamtprobe das Konzert für Klavier und Orchester Es-Dur KV 271 von Mozart ohne Dirigenten mit solcher Perfektion spielt, mit solch rhythmischer Exaktheit des aufeinander Eingehens, das verblüfft. Der bei diesem Werk als Solist wirkende Pianist Michael Nuber geht den klagend-langsamen Mittelsatz und auch den höchst rasant gestalteten Finalsatz mit großer Einfühlung in die Eigenheiten des Ausdrucks an. Dabei legt er eine Variabilität des Tempos an den Tag, die das kleine Orchester - eigentlich nur ein Sextett mit vier Streichern, Horn und Oboe - kongenial aufgreift. Selten spürt man so deutlich, wie viel eigentlich durchaus Romantisches in der Musik Mozarts steckt. Die Handvoll Orchesterleute entwickelt einen großen, raumfüllenden Klang, spielt mit vitaler Expressivität.

Für den an klanghelle, metallisch brillante Klaviertöne gewöhnten Hörer ist der schmuck verzierte, kleine Konzertflügel gewöhnungsbedürftig. Strahlkraft entwickelt er allenfalls im Forte, sonst wirkt er stumpf im Klang. Der Solodarbietung des Pianisten, Claude Debussys "Reflets dans l Eau" ( Spiegelungen im Wasser) aus dem Kavierzyklus "Images" steht dieser weiche Klang ganz gut zu Gesicht, das Impressionistisch-träumerische gewinnt. Die solistische Zugabe hingegen, Debussys große Etude "Feuerwerk", spielt Nuber wahrhaft wie ein solches. Mit technischer Brillanz und Kraft, so dass auch dieser Flügel zu Glanz aufläuft.

Das weitere Programm wird fast ganz von Duo-Darbietungen beherrscht. Ganz hervorragend, mit großem dynamisch-expressivem Volumen spielt Hannah Baumann die Romanze A-Moll op. 94 Nr. 1 für Oboe und Klavier von Schumann.

Ein "Märchenbild" von Schumann für Viola gestaltet Tobias Teuffel empfindsam und ausdrucksstark. Der Haller Hanns-Martin Zimmermann steuert ein "morceau de lecture" von Gabriel Fauré bei, das in den höchsten Tönen einen innig romantischen Cantus besitzt. Zimmermann gestaltet das kurze Stück sehr liebevoll und tonschön. Bei der Elegie op. 24 für Cello und Klavier von Fauré streicht Arian Teuffel sein Cello mit Intensität. Vielleicht hätte er zwischen den langen Melodiebögen etwas tiefer atmen können. Auch bei Felix Mendelssohn-Bartholdys "Lied ohne Worte" D-Dur op. 9 erklingt eine mit intensivem Gefühl gesungene Streichermelodie. Bei allen Duos ist der Klavierpart in Händen von Michael Nuber, der allerdings gar zu zurückhaltend begleitet; von ihm gehen keine Impulse aus.

Manuel Stocks, der als erster Geiger im Mozartkonzert zeigt, was tonbildnerisch in ihm steckt, spielt Anton Dvoraks Sonatine G-Dur op. 100 für Violine und Klavier mit einer Vorsicht, mitunter Zaghaftigkeit, die man als Resonanz auf das Understatement des Klaviers deuten kann. Beim Zugabenstück "My funny Valentine" von Richard Rodgers für Streichorchester ergeht er sich dann - wie die anderen Streicher - in ungefesseltem Überschwang der Spätromantik.

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