Obersontheim Umweltzentrum kritisiert Baumfällaktion

Auf der Wiese nordöstlich des Friedhofs sollen sechs Baugrundstücke entstehen. Dafür wurden einige Bäume gefällt. 
Auf der Wiese nordöstlich des Friedhofs sollen sechs Baugrundstücke entstehen. Dafür wurden einige Bäume gefällt.  © Foto: Auf der Wiese nordöstlich des Friedhofs sollen sechs Baugrundstücke entstehen. Dafür wurden einige Bäume gefällt.  Foto: Sigrid Bauer
Obersontheim / Sigrid Bauer 07.06.2018
Die Gemeinde Obersontheim schafft Platz für das Pflegeheim und für Bauplätze im Bereich Schlossgärten.

Die Gemeinde hat Bäume und Sträucher auf Wiesen im Gewann Schlossgarten, wo das Pflegeheim gebaut wird und sechs Bauplätze entstehen sollen, im Februar dieses Jahres fällen lassen. Sie wollte sich damit an das Gebot halten, dass diese Arbeiten nur bis Ende Februar erlaubt sind, um nistende Vögel nicht zu stören. Andernfalls würden sich die Erschließungsarbeiten und damit der Bau des „dringend gewünschten Pflegeheims in Obersontheim“ um ein Jahr verschieben, so begründet die Gemeinde ihr Vorgehen. Allerdings war zu diesem Zeitpunkt der Bebauungsplan noch nicht beschlossen. Er wurde erst am 16. März für einen Monat öffentlich ausgelegt.

„Unsensibel“ nennt die Untere Naturschutzbehörde in ihrer Stellungnahme die vorzeitige Rodung der Bäume. Davon erfahren hat das Amt erst vom Haller Umweltzentrum. Die Behörde des Landratsamts empfiehlt dringend, zukünftige Verfahren vo­raus­schauender zu terminieren.

Martin Zorzi, Geschäftsführer des kreisweiten Umweltzentrums, ist sehr verärgert. Er fragt, wie er eine Stellungnahme zu dem Plan abgeben soll, wenn die Fläche schon teilweise gerodet ist. „Das Anhörungsverfahren hätte so geplant werden müssen, dass es vor dem 1. März beendet gewesen wäre“, stellt er klar.

Im Gegensatz zur Naturschutzbehörde hält Zorzi die artenschutzrechtliche Prüfung der für den Bau vorgesehenen Fläche für nicht vollständig. „Sie fokussiert nur bestimmte Arten und Artengruppen“, argumentiert er. Seiner Meinung nach wäre es erforderlich gewesen, auch auf Reptilien wie die Zauneidechse und Kleinsäuger wie die Haselmaus zu achten. Außerdem vermisst er Beobachtungen zu Wildbienen, für die es seiner Ansicht nach gute Bedingungen mit blütenreicher Vegetation gab. Die Baumhöhlen der gefällten Bäume hätten auf ihre Bedeutung für die nahe Fledermauskolonie hin untersucht werden müssen. Er kritisiert auch, dass im Bereich der späteren Einmündung auf die Gaildorfer Straße eine kapitale Esche nicht in die Planung integriert worden ist. Die Ausgleichsmaßnahmen für den Eingriff in die Natur – acht Nistkästen, die vor der Rodung in benachbarte Streuobstbäume gehängt werden sollten – hält er für völlig unzureichend.

Die Gemeinde sei der Empfehlung des Tiefbauingenieurs gefolgt, der die Fällung der Esche als erforderlich eingestuft hat, heißt es dazu vonseiten der Gemeindeverwaltung.

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