Wohnen Umweltzentrum kritisiert Baugebiet

Schwäbisch Hall / Tobias Würth 16.08.2018
Naturschützer bemängeln: 6,7 Hektar Fläche werden demnächst in den „Langäckern“ bei Bibersfeld verbraucht. Dem steht aber die Nachfrage nach Bauland gegenüber: 400 Anfragen gibt es.

„Per E-Mail – EILT!“, steht auf dem Text, der vom Umweltzentrum Schwäbisch Hall an alle Fraktionssprecher verschickt wird. Wenige Stunden bevor die letzte  Gemeinderatssatzung vor der Sommerpause beginnt, geht die Mail raus. Doch zu spät: Die Einwände der Umweltschützer werden bei der Sitzung nicht angesprochen. Die Stadträte geben ihr Okay für ein neues Baugebiet bei Bibersfeld.

Umweltzentrumsleiter Martin Zorzi argumentiert: In Bibersfeld gebe es 18 leer stehende Gebäude, sieben größere und acht kleinere Baulücken. Seine Schlussfolgerung: „Selbst wenn sich nach näherer Recherche nur ein Teil dieses Potenzials als praktisch entwickelbar erweisen würde, ließen sich dadurch circa 30 bis 50 Prozent des neuen Baugebietes vermeiden.“ Im Innenbereich Häuser zu bauen, sei sinnvoller als im Außenbereich Landschaft zu verbrauchen.

Späte Stellungnahme

Zorzi erläutert, warum die Stellungnahme so spät einging: „Infolge unserer augenblicklichen zeitaufwendigen ,Großprojekte’ (unter anderem Kartierung Jagstseitenbäche) hatten wir leider nicht mehr die Zeit, bei der Anhörung zur Öffentlichen Auslegung eine nochmalige Stellungnahme abzugeben.“

Dabei nimmt er das potenzielle Prüfergebnis seines Einwands schon vorweg: „Das wäre allerdings auch völlig zwecklos gewesen, weil schon unsere Forderungen und Anregungen aus der frühzeitigen Beteiligung keinerlei Berücksichtigung fanden.“ Und er legt noch einen drauf: „Wir müssen folglich für die Haller Bauverwaltung leider eine gewisse Verweigerungshaltung konstatieren, was das Vermeiden unnötigen Flächenverbrauchs angeht.“

Die Bauverwaltung antwortet auf Nachfrage: „Die Stadt Schwäbisch Hall hat alle potenziellen Baulücken untersuchen lassen. Dabei wurde festgestellt, dass nur wenige nutzbare vorhanden sind und weitere Wohnbauflächen im Außenbereich ausgewiesen werden müssen.“ Aus diesem Grund sei der Bebauungsplan „Langäcker“ aufgestellt worden, um den Bedarf an rund 170 Wohneinheiten auf 6,7 Hektar Baufläche zu decken. Insgesamt hoffen in Hall laut Auskunft der städtischen Haller Grundstücks- und Erschließungsgesellschaft 400 Bürger auf die Zuteilung eines Grundstücks. 240 Bauherren haben ihren Hut für die 113 Grundstücke bei Bibersfeld in den Ring geworfen. 80 Prozent des Neubaugebiets sind heute Ackerflächen.

Die Verwaltung argumentiert: Der ökologische Wert der Flächen wurde im Bebauungsplanverfahren ermittelt und deren Ersatz in den Ausgleichsflächen festgesetzt. Besondere Elemente, wie zum Beispiel der Birnbaum, den das Umweltzentrum im frühzeitigen Beteiligungsverfahren als „in hohem Maße erhaltungswürdig“ charakterisierte, bleiben erhalten.

Die Stadtverwaltung teilt mit: „In jeder wöchentlich stattfindenden Baurechtsrunde steht mindestens eine Nachverdichtung auf der Tagesordnung. Dabei wird immer versucht, unter Berücksichtigung des rechtlichen Rahmens und der Belange der Nachbarn, eine Lösung zu finden.“ Die Stadtplanung sei in enger Abstimmung mit der Liegenschaftsverwaltung, sodass für die Innenentwicklung geeignete Grundstücke für eine Bebauung gesichert und entwickelt werden können. Sie teilt mit: „Als größeres öffentliches Vorhaben ist hier das Bahnhofsareal zu nennen. Die kleineren Vorhaben werden direkt durch die Bauträger im ganzen Stadtgebiet und in den Ortsteilen umgesetzt.“

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