Sinfoniekonzert Umjubeltes Konzert der Würth-Philharmoniker

Patricia Kopatchinskaja spielt ihre Solopartie innig. Heinz Holliger dirigiert die Würth-Philharmoniker.
Patricia Kopatchinskaja spielt ihre Solopartie innig. Heinz Holliger dirigiert die Würth-Philharmoniker. © Foto: Würth/Ufuk Arslan
Künzelsau / Monika Everling 09.10.2018
Die Würth-Philharmoniker unter der Leitung von Heinz Holliger und die Geigerin Patricia Kopatchinskaja überzeugen – auch mit Schönbergs sperrigem Violinkonzert.

Ein gelungener Start in die zweite Saison: Die Würth-Philharmoniker, die vor gut einem Jahr anlässlich der Eröffnung des Künzelsauer Carmen-Würth-Forums gegründet wurden, treten mit wechselnden namhaften Orchesterleitern auf. Am vergangenen Mittwoch steht Heinz Holliger vor den Musikern.

An den Anfang stellt er eine Ouvertüre, deren Name selten in Konzertprogrammen erscheint: „Die Zauberharfe“ von Franz Schubert. Umso verblüffender ist, wie vertraut dieses klangfarbenreiche Werk wirkt. Das Programmheft liefert die Erklärung für die Diskrepanz zwischen unbekanntem Titel und bekannter Musik: Schubert hat die Ouvertüre für das Bühnenwerk „Rosamunde“ wiederverwendet – und als „Ouvertüre zu Rosamunde“ wird sie oft aufgeführt.

Schönes Oboen-Solo

Man kann vermuten, dass Heinz Holliger, der einst als Oboist berühmt wurde, diese Musik auch wegen des schönen Oboen-Solos mag, das den Solisten schon kurz nach den kräftigen Einleitungsakkorden in heiteren Melodien schwelgen lässt. Holliger dirigiert manchmal minimalistisch, zeitweise mit weit ausgreifenden Bewegungen und hin und wieder vehement. Damit und auch mit einem flotten Tempo animiert er die Musiker zu temperamentvollem Spiel.

Es folgt eine ganz andere Art von Musik: Arnold Schönbergs Violinkonzert op. 36. „Ich will, dass dieses Konzert schwierig ist“, hat Schönberg notiert, nachdem der Geiger Jascha Heifetz die Aufführung abgelehnt hatte, weil das Werk unspielbar sei. Für Patricia Kopatchinskaja ist es offenbar spielbar. Die weltweit umjubelte junge Frau, die gerne barfuß auftritt und auch in Gaisbach unter ihrem an die Barockzeit erinnernden lindgrünen Kleid weder Strümpfe noch Schuhe trägt, bewältigt die technischen Herausforderungen quasi spielend. Viele Doppelgriffe, zauberhaft leise hohe Töne, meisterhaftes Decrescendo (leiser werden), Klangeffekte wie Aufschlagen des Bogens auf die Saite – alles gelingt.

Bewundernswert ist, wie Dirigent, Orchester und Solistin aus der Zwölftonkomposition, die oft als verkopft bezeichnet wird, ein Stück spannende Musik machen. Sie haben gemeinsame Klang- und Tempovorstellungen, arbeiten kleine melodische Momente heraus. Das Stück verlangt auch dem Orchester einiges ab.
Wunderschön gelingen auch Duette von Geige und Xylofon. Die Solistin interagiert sehr viel mit den Orchestermusikern, dreht sich oft zu ihnen um, ist ganz drin in dieser Musik, die trotzdem auf viele Hörer sperrig wirkt. Dennoch, die mehr als 500 Zuhörer im fast voll besetzten Reinhold-Würth-Saal spenden nicht nur kräftigen Beifall, sondern auch Bravo-Rufe.

Mozart zur Versöhnung

„Auf Wunsch von Professor Würth spielen wir noch Schönes von Mozart“, erklärt Holliger. Er kann es sich aber nicht verkneifen, für die Werke des 20. Jahrhunderts deutlich Partei zu ergreifen: „Wer schreibt wie Schönberg, ist am meisten in der Geschichte verhaftet. Wer etwas Neoromantisches schreibt, hat keinen Sinn für Geschichte. Die Entwicklung darf niemals rückwärts gehen, sondern immer weiter“, ist seine Meinung.

Mozart also, der langsame Satz aus dem Violinkonzert D-Dur KV 218. Kopatchinskaja zeigt sehr starken Gestaltungswillen, für sie sind auch die kleinsten Tönchen wichtig, sie spielt das Werk zum Weinen schön. Das Publikum erklatscht sich eine zweite Zugabe und dazu kommt der Konzertmeister József Lendvay nach vorne und spielt mit Kopatchinskaja ein heiteres „Duo Pizzicato“ von Béla Bartók.

Den zweiten Konzertteil bestimmt die 3. Sinfonie von Franz Schubert. Auch dabei zeigen die Musiker in vielen Soli zum Beispiel von Klarinette und Flöte, von Oboe und Fagott Liebe zum Detail und beeindruckende Kontraste von feinen, leisen und opulent-kräftigen Stellen. Deshalb erhalten sie nochmals kräftigen anhaltenden Applaus. Und Holliger gibt den Zuhörern mit dem zweiten Satz dieser Sinfonie, der als Zugabe wiederholt wird, einen schönen Ohrwurm mit auf den Nachhauseweg.

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