Immer wieder bilden sich schon am Sonntagvormittag kleine Schlangen vor der Kasse des Schenkenseebads. Gerade kommen Chuanming Song und seine Frau Juan Xia mit zehn kleinen Mädchen an die Reihe. „Wir feiern den zehnten Geburtstag unserer Tochter Xiaduo heute im Bad“, erzählt Song. Seit 2013 lebt die Familie in Deutschland, vor zwei Jahren sind sie von Crailsheim nach Hall gezogen.  Und seitdem gehen sie auch regelmäßig ins Hallenbad – vor allem sonntags. Nachdem alle Geburtstagsgäste ihre Spindschlüssel bekommen haben, geht es zur Umkleide, wo ordentlich Betrieb herrscht.

„Ab 10.30 Uhr geht es sonntags bei uns so richtig los“, erzählt Daniel Muche. Der Fachangestellte für Bäderbetrieb hat heute Bereitschaftsdienst und führt den Reporter und den Fotografen durch das Bad. „Vor allem im Winter und bei schlechten Wetter haben wir an Sonntagen gut zu tun. Das sind schon die Großkampftage“ Es sei aber noch nicht vorgekommen, dass man niemanden mehr einlassen konnte. Ganz anders in der Sauna. „Bei der letzten Saunanacht mussten wir für anderthalb Stunden den Einlass beschränken“, erzählt Muche. Aber das mache den Hitzefreunden nichts aus, dann werde eben geduldig im Eingangsbereich gewartet.

Ein volles Kinderbecken

Besonders voll ist es an Sonntagen im Kinderbecken und am Piratenschiff. Zahlreiche Familien genießen das Nass. Fröhliches Kinderlachen erfüllt den Raum, es ist angenehm warm. „Wir kommen immer etwas früher, wenn es noch nicht so voll ist“, sagt Rolf Fruhen, der mit seinem Sohn und seinen zwei Töchtern von Crailsheim nach Hall ins Schenkenseebad gefahren ist. „Das Bad in Ansbach wäre für uns eine Alternative, aber hier gefällt es uns besser. Es ist auch alles so angenehm überschaubar.“

Auch für die Familie Wagner aus Löwenstein gehört der regelmäßige Besuch des Schenkenseebads einfach dazu. „Es ist ja auch nicht so weit“, sagt Markus Wagner. „Wir nehmen immer die Drei-Stunden-Karten. Aber in den drei Stunden kommen wir meist auch nicht aus dem Kinderbecken raus“, sagt er und lacht. Dann will die dreijährige Lena wieder die Aufmerksamkeit ihres Papas.

2800 Gäste an Spitzentagen

„Typisch an einem Sonntag sind zwischen 1500 und 2000 Besucher – inklusive Sauna. An Spitzentagen haben wir schon bis zu 2800 Besucher verzeichnet. Zum Beispiel am 30. Dezember“, sagt Jens Miermeister, Abteilungsleiter Bäder bei den Stadtwerken Schwäbisch Hall. In Jahren ohne Schließzeiten wegen Sanierungs- oder Modernisierungsarbeiten – wie in den vergangenen drei Jahren – zähle man insgesamt weit über 300 000 Besucher jährlich im Freizeitbad (ohne Sauna).

Am gestrigen Sonntag haben um 11.40 Uhr schon 473 Besucher Tickets gekauft, wie Muche beim Blick auf den Kassencomputer erfährt. „1500 werden es heute mindestens.“ Kein Wunder, draußen herrscht Schmuddelwetter. Viele tauschen das kalte Wasser aus den Wolken lieber mit dem Nass der Becken des Schenkenseebads. Natürlich sieht es auch ab und an ganz anders aus. Zum Beispiel am vergangenen Samstag. „Da war kaum was los. Kein Wunder, da konnte man ja noch Schlitten fahren“, sagt Muche, der zurzeit auch mit seiner Meisterarbeit beschäftigt ist.

22 Millionen Euro seit 1988

Die Stadtwerke wissen, was sie an ihrem Schenkenseebad haben. Daher wird auch immer wieder Geld in die Sanierung und Modernisierung des 1973 erbauten Bads gesteckt (siehe Kasten). „Seit 1988 sind Gesamtinvestitionen in Höhe von rund 22 Millionen Euro getätigt worden“, erklärt Miermeister.

Mittlerweile ist die Familie Song mit ihrer fröhlichen Geburtstagsgesellschaft im Bad angekommen. Der Ingenieur und seine Frau lassen die Kleinen nicht aus den Augen. „Nachher geht es nach Hause. Da gibt es Kuchen für alle und Geschenke für das Geburtstagskind“, sagt Song. Wenn das mal kein schöner Sonntag für Xiaduo und ihre Freundinnen ist.

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Auf dem Gelände „Schenkensee“ wird 1942 das Freibad eröffnet. 1973 wird das Hallenbad inklusive Sauna eingeweiht, das Gebäude ist mittlerweile von den Stadtwerken übernommen worden. Die Baukosten haben – inklusive der Renovierung des Freibads – 11,5 Millionen D-Mark verschlungen. 1988 folgt der Umbau des Hallenbads zum „Freizeitzentrum“ mit Mutter-Kind-Bereich, Wasserfall im Lehrschwimmbecken, Außenbecken, Wasserrutsche und moderner Sauna. Die Baukosten betragen 8,5 Millionen D-Mark. Der Bau der sogenannten „Black-Hole-Rutsche“ für 1,3 Millionen D-Mark folgt 2001. Zwischen 2003 und 2004 wird das Freibad für 3,6 Millionen Euro komplett saniert. 2005 dann wird das Hallenbad inklusive Saunabereich, neuer Eingangshalle und Restaurant für 4,6 Millionen Euro saniert und modernisiert. Ein neuer Kleinkindbereich samt Reifenrutsche folgt 2009, die Baukosten betragen 2,3 Millionen Euro. 2010 wird der Ruhebereich zum Fitnessstudio umgebaut und eine Kooperation mit Actic-Fitness eingegangen. 2012 entsteht im Freizeitbad ein neuer Ruhebereich, die Sauna und die Schlammwasseraufbereitungsanlage werden saniert, die Baukosten liegen bei 4,3 Millionen Euro. Der Fitness-Bereich wird 2015 für  1,2 Millionen Euro erweitert. 2016 wird ein Beckenumgang im Freizeitbad für rund 300 000 Euro saniert, eine weitere Umgangssanierung samt Erneuerung des Fluchtwegekonzepts für  rund 750 000 Euro folgen 2018. noa