Schwäbisch Hall Ufuk Arslans Kamera ist wieder da

Polizeihauptmeister Albrecht Zeh hält die wiedergefundene Kamera in Händen. Dank seiner Arbeit und der Hilfe von Zeugin Yvonne Cibura hat Fotograf Ufuk Arslan seine Kamera und auch sein Objektiv zurückbekommen.
Polizeihauptmeister Albrecht Zeh hält die wiedergefundene Kamera in Händen. Dank seiner Arbeit und der Hilfe von Zeugin Yvonne Cibura hat Fotograf Ufuk Arslan seine Kamera und auch sein Objektiv zurückbekommen. © Foto: Kerstin Vlcek
Schwäbisch Hall / Kerstin Vlcek 25.08.2018
Es waren unglaubliche Zufälle, durch die der Haller Fotograf seine Kamera verlor und wiederfand.

Wenn man so will, ist es eine kleine Sherlock-Holmes-Story mit Happy End: Ufuk Arslan hat seine Kamera samt Objektiv wieder. Seit knapp zwei Wochen gibt es in Schwäbisch Hall kaum ein anderes Thema, das die Haller mehr interessiert. „Täglich werde ich von mehreren Menschen gefragt, ob ich die Kamera denn schon zurückhätte“, erzählt Arslan.

Und ja, diese Woche war es dann so weit: In einer gemeinsamen Aktion haben er, die Zeugin Yvonne Cibura und Polizeihauptmeister Albrecht Zeh die Kamera wiederbeschaffen können. Von ihren Erlebnissen erzählen sie bei einem Treffen im Polizeirevier in Schwäbisch Hall.

Aber von Anfang: Am Montag, 6. August, ist Fotograf Ufuk Arslan bei einem Termin auf dem Sparkassenplatz in Hall. Die Hitze veranlasst ihn dazu, besagte Kamera auf einem Bistrotisch abzulegen. Dort vergisst er sie. Als sie ihm wieder einfällt, er zurückkehrt, um die Kamera zu holen, ist sie verschwunden – gestohlen.

„Ich hatte einen schwachen Moment“, sagt er dazu. Ein Telefonat mit dem Fundamt und auch dem Tourismusbüro bleiben erfolglos. Also entschließt er sich, einen Aufruf auf Facebook zu starten. Nicht nur, dass der Beitrag 753-mal geteilt wurde und 159 Kommentare erhalten hat. Bedeutender ist, dass sich auch Yvonne Cibura da­raufhin meldete.

Kunde steckt Kamera in eine Tüte

Sie ist Kassiererin bei einem Discounter in Hessental. An besagtem Montag, zwischen 16 und 17 Uhr, fällt ihr an der Kasse ein seltsam wirkender Mann im roten T-Shirt auf. „Er war auffällig im Verhalten, hat geschwitzt“, erzählt sie. „Ich habe ihn mit der Kamera gesehen und dachte sofort, das könnte Ufuks Kamera sein.“  Besonders seltsam: Er wollte nur eine Tüte kaufen. Um die Kamera zu verpacken. Und noch etwas Seltsames: Er verschwand danach im Maisfeld beim Discounter.

„Um 21.32 Uhr bin ich aus dem Geschäft raus und da springt der Mann dann gerade aus dem Maisfeld heraus und rennt fast in ein Auto. Das war sehr auffällig.“ Und dann liest sie den Aufruf von Ufuk Arslan auf Facebook und meldet sich bei ihm. Gemeinsam beschließen sie, sich am Donnerstag bei der
Polizei zu melden. Er erstattet Anzeige und Cibura sagt als Zeugin aus.

Nachforschungen beginnen

Da kommt Polizeihauptmeister Albrecht Zeh ins Spiel. Er nimmt die Aussagen auf und beginnt mit Nachforschungen. Er befragt den Mann von der Security, der ausnahmsweise an dem Tag ab 22 Uhr in der Discounter-Filiale Wache schiebt. „Um 4 Uhr kam der Mann wieder aus dem Maisfeld und hat bei der Security eine Zigarette geschnorrt. Er fragt auch nach einem Job“, erzählt Zeh.

Maisfeld kann nicht mit Drohne überflogen werden

Von der Zeugenaussage im Hinterkopf geblieben ist Zeh das Maisfeld. Der Mann muss doch irgendwo nächtigen, denkt er sich. „Ich habe Ufuk gefragt, ob er über das Feld nicht mal mit seiner Drohne drübergehen möchte, denn das Nachtlager müsste ja von oben sichtbar sein“, so Zeh. Das Problem: Das Feld ist zu nahe am Flugplatz, sodass die Drohne nicht starten kann. „Wenn ich genug Mann hätte, würden wir das Maisfeld durchsuchen“, sagt Zeh zu Arslan.

Da dem nicht so ist, nimmt der Fotograf es selbst in die Hand. Eine Stunde lang durchkämmt Arslan das Maisfeld „wie in einem Horrorfilm“ und findet eine kleine schwarze Ledertasche. Und ab da wird es kurios. In einer der Innentaschen ist ein USB-Stick. Mit seinem Fund fährt Arslan nach Hause, liest die Dateien auf dem Stick aus, kann es kaum glauben: Lebenslauf, Kopie des Personalausweises und Dokumente sind drauf. Sofort schickt er ein Bild von dem Verdächtigen an Yvonne Cibura und siehe da, er ist es.

Die Recherche geht weiter

Arslan bringt die Sachen zur Polizei und Zeh beginnt sofort zu recherchieren. „Da konnte ich mich als Ermittler ausleben“, erzählt der Polizist. „Zuerst waren wir völlig ansatzlos und dann kam langsam immer mehr dazu.“ Geboren wurde der Dieb 1959 im Osten. Er arbeitet gelegentlich im Pflegedienst. Zeh hat mit der Ex-Frau telefoniert und danach mit der Arbeitsagentur in Stuttgart.

Die teilt ihm mit, dass er im Großraum Stuttgart seine Arbeitsstelle hat. „Ich habe die Polizei vor Ort informiert und um 15 Uhr haben sie ihn tatsächlich angetroffen.“ Nach ein paar Ausreden, wie sein Gepäck sei im Zug gestohlen worden, habe er letztendlich gestanden. Die Kamera und das Objektiv hatte er aber nicht mehr bei sich. Das Objektiv hat er in einem Pfandleihhaus für 100 Euro versetzt. Die Kamera hat er dem Sohn des Wirts einer Weinstube in Sachsenheim bei Ludwigsburg geschenkt. Beides hat Ufuk Arslan nun zurückbekommen. „Der Fall ist lehrbuchmäßig abgelaufen. Die Zusammenarbeit mit den anderen Revieren lief Hand in Hand, Rad in Rad“, freut sich Albrecht Zeh über den Erfolg.

Auch Ufuk Arslan ist glücklich, dass er seine Sachen wiederhat. „Danke an Albrecht, dass er sich so viel Mühe gegeben hat und an Yvonne, dass sie als Zeugin ausgesagt hat“, betont er. Den Dieb, der es sich nicht nehmen ließ mit der Kamera Fotos vom Maisfeld und von Fliegern zu machen, erwartet nun eine Anzeige wegen Diebstahls.

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