Rallye Über Hohenlohes Fitzelesträßle düsen

Schwäbisch Hall / Corinna Janßen 10.09.2018
119 historische Fahrzeuge gehen bei der 14. Hohenloher ADAC Burgen- und Schlösserfahrt an den Start. Der Genussfaktor ist hoch.

Mercedes, Porsche, Fiat, Alfa Romeo, BMW, aber auch Ferrari, Austin, Buick und Motorräder – im Hof von Auto Koch in Hessental ist am Sonntagmorgen Automobil-Geschichte erlebbar. 119 Oldtimer, darunter auch ganz besonders rare Stücke, wurden zur 14. Hohenloher ADAC Burgen- und Schlösserfahrt gemeldet.

Otto Beck und seine Frau Rosi sind treue Teilnehmer. Ihr Schmuckstück, ein Mercedes 600, Baujahr 1965, zieht nicht nur wegen der stattlichen Länge von 5,54 Metern Blicke an. Der Oldtimer galt früher als Staatskarosse. „Könige und Königinnen wurden darin chauffiert“, weiß Fahrtleiter Christoph Holl. Becks Fahrzeug allerdings hatte sich ein Kunsthändler in Rothenburg gegönnt. Die Ausstattung ist überraschend vielfältig. Selbst Fensterheber fehlen nicht. „Allerdings sind diese hydraulisch“, berichtet Otto Beck.

Als erster an den Start

Mit der Startnummer eins darf er als erstes auf die Strecke. Der Motor des großen Fahrzeugs springt sofort an und nimmt zügig Fahrt auf. Es geht nach Sulzdorf. Am Straßenrand winken die ersten Zuschauer. Auf „Fitzelsträßle“, wie sie Holl im Vorfeld bezeichnet hat, geht es 140 Kilometer durch den Landkreis Schwäbisch Hall und den Ostalbkreis.

In Vellberg steht eine Wertungsprüfung an: Ein Tennisball soll mit dem hinteren linken Reifen überfahren werden. Holl hat Pech und erwischt ihn nicht. Dafür holt er im Obersontheimer Schloss wichtige Punkte: Er schätzt ganz genau, wie weit ein Tennisball vom Torbogen herabgelassen werden darf, um sein Fahrzeugdach nicht zu berühren. Der ehrenamtliche Helfer, einer von 40 an diesem Tag, schätzt: „Das wird heute wohl der Rekord.“

Bergauf, bergab geht es über schmale Straßen Richtung Abtsgmünd. Immer wieder winken Leute. Plötzlich ein lauter Knall. Otto Beck zuckt zusammen. „Was war das“, fragt er entsetzt. Seine Frau Rosi beruhigt ihn. „Nur ein Apfel, der aufs Dach gefallen ist.“ Holl steuert den Wagen an den Fahrbahnrand, steigt aus und überprüft die Karosse. Das wertvolle Fahrzeug hat keinen Schaden erlitten.

Im Rötenbachtal wartet eine Gleichmäßigkeitsprüfung. Die 2,3 Kilometer müssen in exakt vier Minuten und 41 Sekunden bewältigt werden. Ein ehrenamtlicher Helfer hebt den Daumen. „Gut gemacht“, lobt Rosi Beck ihren Otto. Beim Mittagessen in der Waldhalle in Stimpfach wird gefachsimpelt. Während sich die Männer ihren Benzingesprächen widmen, schwärmen ihre Partnerinnen von der schönen Strecke.

Ralf Fitting aus Kaiserslautern kommt schon lange mit Freunden zur Burgen- und Schlösserfahrt. „Es macht immer sehr viel Spaß“, berichtet der Fahrer eines Porsche 911 Turbo, Baujahr 1982. Ihr Ziel, den Marktplatz Schwäbisch Hall, erreichen die Teilnehmer am Nachmittag im Minutentakt. Zahlreiche Interessierte haben auf der Treppe von St. Michael Platz genommen und bewundern die Fahrzeuge, die von den Organisatoren Wolfgang Schulz und Christoph Holl vom Haller ­ADAC-Ortsclub im Detail vorgestellt werden.

Unbekannte Flecken

Werner Landgraf aus Hall fährt mit seinem US-Reimport Alfa Romeo Spider 1600, Baujahr 1965, ein. Wie es ihm gefallen habe? „Es war super. Wir waren auf Sträßchen unterwegs, die ich noch nie im Leben gesehen habe“, schwärmt er.

„So etwas bekommt man nicht alle Tage zu sehen“, freut sich Oldtimerfan Roland Feuchter aus Öhringen, der sich die Szene von der Treppe aus ansieht.

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