Schwäbisch Hall Türsteher schlägt Gast vor Disco zu Boden

Schwäbisch Hall / Eleonore Heydel 04.07.2018
Das Amtsgericht verurteilt einen Türsteher wegen gefährlicher Körperverletzung zu 4000 Euro Geldstrafe. Das Opfer erleidet eine schwere Kopfverletzung.

In einem umstrittenen Verfahren hat das Schwäbisch Haller Amtsgericht einen hiesigen Türsteher wegen gefährlicher Körperverletzung zu einer Geldstrafe von 4000 Euro verurteilt. Der Vorfall ereignete sich in der Nacht zum 12. August 2017 um zwei Uhr  vor der Diskothek Barfüßer in der Schwäbisch Haller Altstadt.

Mehrere Wochen im Diak

Der Betreiber der Diskothek hatte zuvor eine Gruppe bulgarischer Gäste wegen eines früher erteilten Hausverbots aus den Räumen verwiesen. Als die empörten Bulgaren vom Personal nach draußen gedrängt worden waren, kam es zu einer schweren Rangelei. In der aufgeheizten Situation ging ein 29-jähriger Bulgare nach einem Schlag des jetzt angeklagten Türstehers zu Boden. Der Mann erlitt unter anderem einen Schädelbasisbruch und wurde über mehrere Wochen im Haller Diakonie-Krankenhaus behandelt.

War es Notwehr?

In der mehrstündigen Verhandlung beteuerte der beschuldigte 26-jährige Türsteher, er habe lediglich einen Abwehrschlag ausgeführt: „Ich hab’ versucht, mich zu schützen!“ Jemand habe zuvor „Messer!“ gerufen und das angetrunkene Opfer sei auch deswegen hingefallen, weil die Straße nass gewesen sei.

Zeugen aus dem Umfeld des Türstehers bestätigten die Aussage. Auch der 51-jährige Discobetreiber schilderte diese Version, obwohl er bei seiner polizeilichen Vernehmung gleich nach dem Vorfall Einzelheiten nicht erwähnt hatte.

Das 29-jährige Opfer stellte dagegen den Türsteher als Angreifer dar. Der bulgarische Familienvater sagte, er und seine Freunde hätten kein Messer gehabt. Der Boden sei trocken gewesen, er sei nicht ausgerutscht. Seine Darstellung wurde gestützt von einem jungen Ingenieur aus Stuttgart. Der 25-jährige Zeuge hatte nach einem Besuch des Theaterkellers die nächtliche Ausei­nander­setzung zufällig miterlebt. Er hatte den Schlag des Türstehers und den Sturz des Bulgaren gesehen: „Der ist ganz steif geworden und nach hinten umgeflogen.“ Erst etwas später, als das Opfer am Boden gelegen habe, sei dessen Vater schreiend und drohend mit einem Küchenmesser in der Hand dazugekommen.

Opfer fordert Schmerzensgeld

Das Opfer und sein Anwalt fordern von dem Türsteher ein angemessenes Schmerzensgeld. Der Bulgare ist im Krankenhaus für zwei Wochen in ein künstliches Koma versetzt und zweimal operiert worden. In der Verhandlung wies er auf anhaltende Beschwerden am linken Auge hin.

Trotz dieser Verletzungen plädierte der Verteidiger des Türstehers auf einen Freispruch. Der Angeklagte habe in Notwehr gehandelt. Das Gericht sah aber keine Rechtfertigung für den Faustschlag. Es entschied auf eine gefährliche Körperverletzung in einem minder schweren Fall. Der Angeklagte wurde zu einer Geld­strafe von 100 Tagessätzen zu 40 Euro, also 4000 Euro verurteilt. Dieses Geld geht an den Staat. Das Opfer muss das Schmerzensgeld in einem neuen Verfahren selbst geltend machen.

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