Schwimmen TSG regelt Zugang zu Training neu, um Wartezeiten von zwei Jahren zu verhindern

Sport und Spaß beim Schwimmen der TSG. Die Abteilung zählt 300 Sportler. 150 Kinder werden bisher auf einer Warteliste geführt. Sie müssen nun beim Vorschwimmen Grundfähigkeiten beweisen. Archivfoto
Sport und Spaß beim Schwimmen der TSG. Die Abteilung zählt 300 Sportler. 150 Kinder werden bisher auf einer Warteliste geführt. Sie müssen nun beim Vorschwimmen Grundfähigkeiten beweisen. Archivfoto
TOBIAS WÜRTH 18.01.2014
150 Kinder stehen auf der Warteliste der TSG-Schwimmabteilung. Jetzt wird ein Vorschwimmen eingeführt, um den Nachwuchs zu sichten. Im Vorfeld gibts Kritik: Die Kleinsten würden "gnadenlos ausgesiebt".

Die Befürchtungen einer Frau, die namentlich nicht genannt werden will, sind groß: "Die Schwimmabteilung der TSG hat bislang Kinder unabhängig von ihrem Talent aufgenommen, was sich meiner Ansicht nach für einen gemeinnützigen, staatlich geförderten Verein auch gehört." Doch nun werde am 30. Januar erstmals ein Vorschwimmen veranstaltet. Die Kinder müssen beweisen, dass sie vom Einmeterbrett springen, durch einen Ring unter Wasser tauchen und 100 Meter ohne Pause schwimmen können.

Die Kritik: "Schon die Kleinsten müssen durch einen Talenttest gehen, werden gnadenlos ausgesiebt, aufgenommen wird nur, wer nicht nur schwimmen kann, sondern sich im Vergleich zu seinen Wettbewerbern besser darstellt." Was passiere mit übergewichtigen Kindern, die das Schwimmtraining am nötigsten haben?, fragt die Frau in einer Mail.

Alexander Schuster ist Vorsitzender vom TSG Schwimmen, einer Abteilung, die bereits seit 90 Jahren besteht. Er steht voll hinter dem neuen System, das er mit den insgesamt rund zehn Schwimmtrainern entwickelt hat. "Bisher kamen alle Interessenten auf eine Warteliste. Wenn Plätze frei wurden, wurde nachtelefoniert." Die Warteliste habe viele Nachteile. "Wirklich am Schwimmen Interessierte musste man vertrösten. Die mussten bis zu zwei Jahre warten." Eltern meldeten daraufhin ihre Kinder an, obwohl die noch nicht alt genug waren. Einige der Jüngsten mussten wieder weggeschickt werden, weil sie sich nicht mal selbstständig in der Kabine umziehen konnten.

Schuster stellt klar: "Wir waren noch nie ein Verein gewesen, der Kurse zum Schwimmenlernen gibt. Dazu sind wir gar nicht ausgebildet." Dafür gebe es andere Angebote - zum Beispiel die der TSG in Kooperation mit dem Schenkenseebad, den Sportunterricht in Schulen oder einen Profi-Schwimmlehrer. "Bei uns fangen die Kinder im Alter von sechs bis sieben Jahren mit dem Training an", erläutert der Sportler. Schon Siebenjährige würden um die Wette schwimmen. Die Zahl der Breitensportler sei aber größer als die der Wettkampfschwimmer. Insgesamt zählt die Abteilung 300 Mitglieder. Die wenigen Zeiten für die Vereine im Schenkenseebad würden voll ausgenutzt.

Die Trainer würden viele Vorteile im Vorschwimmen sehen. Zum einen würde klar, ob ein Kind, das vor zwei Jahren angemeldet wurde, überhaupt noch schwimmen will. "Es gibt viele Gespräche mit Eltern, die ihre Kinder zum Training schicken, die Kinder das aber gar nicht wollen." Zum anderen erhalten nun diejenigen eine Chance, die unbedingt mitmachen wollen.

Eine Auswahl fand schon immer statt: Ein Kind von der Warteliste komme erst zum Probetraining. Dort zeige sich, ob es den Anschluss schafft, besser beim Breitensport aufgehoben wäre, oder lieber ein Jahr später mit dem Training beginnen sollte. Schuster versichert, dass auch mit dem Vorschwimmen weiterhin der Zugang zu Breitensportgruppen möglich sei: "Es ist nicht so, dass wir brutal nach den Leistungskriterien gehen."

Der Abteilungsvorsitzende hat auch das Wohl des Vereins im Blick. Und der besteht aus Ehrenamtlichen. Die würden sich in der Realität aus den Schwimmern rekrutieren, die schon in ihrer Jugend voll dabei waren und nicht nur mal eine Saison reingeschnuppert hätten. Schuster: "Ich muss ehrlich sagen, wir wollen von dem hohen Andrang auch profitieren." Die gute Nachricht: Wirklich Motivierte bekämen nun ein Chance. "Und wenn grundlegende Talente nicht da sind und das Kind keinen Spaß hat, dann wäre auch im Sinn des Kindes vielleicht eine andere Sportart besser."

Daher hält die Abteilung Schwimmen daran fest: Es werde in Zukunft pro Jahr zwei Termine geben, an denen ein Vorschwimmen stattfindet, die werden im HT bekannt gegeben. Zu dem ersten Vorschwimmen Ende Januar wurden nur die Kinder und Jugendlichen eingeladen, die bisher auf der Warteliste standen.