Kirchberg Truckerstammtisch: Die gefährliche Müdigkeit

Ein Problem – vor allem an der Autobahn 6 – sind die fehlenden Parkplätze, auf denen Trucker wie auf dem Autohof Kirchberg ihre Ruhepausen einlegen können.
Ein Problem – vor allem an der Autobahn 6 – sind die fehlenden Parkplätze, auf denen Trucker wie auf dem Autohof Kirchberg ihre Ruhepausen einlegen können. © Foto: Oliver Färber
Kirchberg / Oliver Färber 06.07.2018
Der Truckerstammtisch auf dem Autohof in Kirchberg beschäftigt sich jeden Monat mit einem interessanten Thema: Diesmal sprach der erfahrene ehemalige Berufskraftfahrer Dieter Wahl über den Sekundenschlaf.

Dieter Wahl macht so einfach niemand was vor, wenn es darum geht, wie es auf deutschen Straßen zugeht. „Ich war jetzt 40 Jahre Kraftfahrer und bin seit Sonntag in Rente“, so stellt er sich am Mittwochabend beim Truckerstammtisch im Autohof Kirchberg vor. Er spricht über das, was seiner Meinung nach schon jedem einmal passiert sei: der Sekundenschlaf am Steuer.

„Das Hirn braucht einfach seinen Schlaf“, erklärt Wahl. Er selbst habe schon Erfahrungen damit gemacht. „Ich habe Glück gehabt, dass damals niemand etwas passiert ist“, sagt er. Sein 40-Tonner, der sei aber Schrott gewesen, weil er auf der Autobahn umgekippt ist.

Er stellt eine Rechnung an: Wer nur mit 80 Stundenkilometern unterwegs sei, lege pro Sekunde knapp 23 Meter zurück. „Und der Sekundenschlaf heißt nur so. Da sieht man mal, wie weit man in der Zeit kommt“, gibt er zu bedenken. Die Folge: Verletzte, Tote, hohe Sachschäden, stundenlang gesperrte Autobahnen und Staus.

Besonders gefährlich seien lange, monotone Fahrten. „Wie auf der A 6, wenn man lange Überholverbot hat“, nennt Wahl ein Beispiel. Wenn dann auch noch fehlender Schlaf hinzu komme, sei das eine explosive Mischung. Und das gelte – gerade jetzt in der anstehenden Urlaubszeit – nicht nur für Lasterfahrer. „Wenn der Vater abends von der Arbeit kommt und setzt sich danach ans Steuer, um über Stunden ans Urlaubsziel zu fahren“, spricht er ein ähnliches Szenario an. Und in diesem Falle komme noch das hinzu, was auch Lasterfahrer betrifft: Zwischen 2 und 5 Uhr kommt es wegen des Biorhythmus besonders zu Müdigkeitserscheinungen, weil der Körper nachts aufs Schlafen eingestellt sei.

„Was macht ein Lasterfahrer nachts, wenn er schon nach zwei Stunden bemerkt, dass er müde wird“, will ein Teilnehmer wissen. Wahl macht deutlich, dass außer Schlaf gar nichts nütze. „Einen Kaffee trinken, dann 20 Minuten schlafen und dann noch einen Kaffee“, empfiehlt er. Denn das Koffein brauche rund 20 Minuten bis es wirke – und mehr Schlaf sei nicht sinnvoll, weil man sonst in die Tiefschlafphase gerate. Damit könne man dann weitere zwei oder drei Stunden überbrücken.

Es tut sich am Truckerstammtisch ein Nebenthema auf: Wie sollen Fernfahrer sich ausruhen, wenn es an Parkplätzen fehlt? „Oder wenn sich Lasterfahrer die Parkgebühren auf Autohöfen nicht leisten können. Das sollte doch auf die Waren umgelegt werden. Dann kostet eben die Butter etwas mehr“, echauffiert sich ein Mann. Hinzu käme laut Wahl, dass es wegen der Lautstärke oder der Hitze in den Kabinen auch schwierig sei, entspannenden Schlaf zu finden. „Und wer teure Ladung hat, schläft sowie unruhig“, weiß der Fachmann.

Ganz einig ist man sich am Stammtisch auch nicht, was die aktuellen elektronischen Assistenzsysteme gegen Sekundenschlaf helfen. „Die sind nur so gut, wie der, der hinterm Steuer sitzt und sie bedient“, meint Wahl.

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Prozent der Reaktionsfähigkeit gehen während einer vierstündigen Dauerfahrt auf der Autobahn verloren. Besonders gefährlich sind Nachtfahrten zwischen 2 und 5 Uhr.

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