„Und eins! Zwei! Drei!“, rufen die behelmten Damen und Herren und katapultieren reichlich Erde in die Höhe. Mit dem Spatenstich am Samstagvormittag beginnt der Bau der neuen Übungshalle für den Haller Zirkus Compostelli. Spätestens im Herbst sollen darin Diabolos durch die Luft wirbeln, Saltos geprobt und am Trapez geklettert werden. „Ein Herzenswunsch geht für den Verein in Erfüllung“, sagt Zirkus-Vorstand Arnd Knapstein.

670.000 Euro kostet der Bau der Trainingshalle, die direkt neben die bestehende Turnhalle der Waldorfschule gebaut wird und einen Durchgang zu dieser erhält. Bisher teilen sich die 180 jungen Zirkusartisten die Turnhalle mit den Schülern. Deshalb können sie beispielsweise ihre Trapeze und Tücher nie hängen lasssen, weil zum Beispiel tags darauf in der Halle Volleyball gespielt wird. Auch hat der Verein inzwischen so viele Requisiten angehäuft, dass eine eigene Halle nötig war.

Die Stadt Hall fördert den Bau mit 200.000 Euro. „Das kommt nicht von ungefähr, sondern ist eine Anerkennung für die jahrzehntelange Arbeit des Zirkus’“, sagt Oberbürgermeister Hermann-Josef Pelgrim. „Die Freie Waldorfschule mitsamt dem Zirkus ist ein Zentrum, das Schule und Zivilgesellschaft integriert.“ Außerdem spendeten Firmen und Privatpersonen für den Bau. „100.000 Euro fehlen uns noch“, erzählt Knapstein.

Den Bau plant und begleitet das Architektenbüro Kuhn mit Wolfgang, Martin und Esther Kuhn. „Mir ist es wichtig, dass Gebäude kein Etikett benötigen, sondern dass man sofort sieht, für welchen Zweck sie geschaffen wurden“, erzählt Wolfgang Kuhn. Deshalb wird die zwölf auf zwölf Meter große Compostelli-Trainingshalle optisch an ein Zirkuszelt angelehnt, mit rotem Dach und einer Fahne obenauf.

Der Zirkus Compostelli besteht seit 1989. Damals fing er klein an, als Klassenprojekt der Waldorfschule. „Inzwischen ist der Zirkus jedoch ein eigenständiger Verein“, betont Knapstein. „Ein Drittel der Artisten kommt von außerhalb der Waldorfschule.“ Die Aufführungen des Zirkus Compostelli finden übrigens weiterhin im großen Zelt an der Breiteichstraße statt.

Was sonst noch auf dem Gelände der Freien Waldorfschule passiert


Im Sommer sollen die drei Kindergarten- und die zwei Krippengruppen der Waldorfschule aus dem Anwesen Bier in den Neubau (siehe Foto) umziehen. Eine weitere Gruppe, die in der Crailsheimer Straße untergebracht ist, bleibt dort. Jede Krippengruppe umfasst zehn, jede Kindergartengruppe 20 Kinder. „Die Kapazität bleibt also unverändert“, sagt Rudolf Siebert, technischer Leiter der Freien Waldorfschule. In einer Gruppe wird Ganztagesbetreuung möglich sein. Das Haller Architektenbüro Kuhn plant den Neubau. Dieser besteht aus fünf einzelnen Räumen und einem Gemeinschafts- beziehungsweise Eurythmie-Raum. „Der Neubau kostet zirka 1,6 Millionen Euro“, sagt Rudolf Siebert. Die Schule trägt die Kosten.

Auch ein Ateliergebäude entsteht für 450 000 Euro auf dem Gelände der Waldorfschule. Es soll ebenfalls im Sommer bezugsfertig sein. Darin sollen plastische Werke sowie Steinhauearbeiten entstehen, außerdem werden Kulissen gebaut und gemalt.

Nicht vor Herbst beginnen die Arbeiten für eine neue Sportwiese. Sie soll unter anderem eine 50-Meter-Laufbahn umfassen. Für diesen Zweck wird der Parkplatz (etwa in der Bildmitte) verschoben. buf