Kirche Tränen lachen und weinen

Pfarrerin Maike Ulrich in der Haller Lukaskirche, „ein besonders schöner Ort“, wie sie sagt. Nach 13 Jahren verlässt sie Schwäbisch Hall. Am morgigen Sonntag wird sie verabschiedet. Der Gottesdienst zum Gemeindefest beginnt um 10 Uhr.
Pfarrerin Maike Ulrich in der Haller Lukaskirche, „ein besonders schöner Ort“, wie sie sagt. Nach 13 Jahren verlässt sie Schwäbisch Hall. Am morgigen Sonntag wird sie verabschiedet. Der Gottesdienst zum Gemeindefest beginnt um 10 Uhr. © Foto: Sonja Alexa Schmitz
Schwäbisch Hall / Sonja Alexa Schmitz 21.07.2018

Gott, wir legen dir die Menschen ans Herz, um die wir uns in diesen Tagen sorgen.“ Diese Aufforderung zum Denken, Beten und Hoffen spricht Maike Ulrich an jedem Gottesdienst zu den Fürbitten aus. Es ist einer ihrer schönsten Momente, wenn die Gemeinde in gesammelter Stille beisammen ist. „Es ist tröstlich zu sehen, wie so viele Menschen gemeinsam auf etwas hoffen.“

Stille Momente, In-sich-Gehen mit geschlossenen Augen, eine sanfte Stimme, kurze persönliche Erlebnisse zur Predigt machen die Sonntage mit der Lukas-Pfarrerin aus. Typisch für die 55-Jährige ist ihre Singfreude. Sie legt vor, bringt der Gemeinde mit fester Stimme fremde Lieder bei, dirigiert innig und fröhlich Kanons. Die Gemeinde dankt es ihr mit starken Stimmen.

Sie wird einiges vermissen

Der Chor, das Chörle, die Posaunen, Marlene Wollmann an der Orgel und Kantor Jürgen Bauer, den von ihr so weltoffen und freundlich empfundenen Kirchengemeinderat, die alle und noch einige mehr wird sie vermissen an ihrem neuen Arbeitsplatz in Schwäbisch Gmünd.

Nach 15 Jahren in Hall wurde es Zeit. Sonst wäre mit dem Älterwerden vielleicht der Mut für einen Neuanfang gesunken, fürchtet Ulrich. Der Wechsel ist für Pfarrer vorgesehen. Der Ort bot sich ihr in einer Stellenanzeige an. Der Zeitpunkt, nachdem Tochter Luisa das Abitur gemacht hat, auch. Mit Gmünd ist sie wieder in ihrer Heimatregion. Ihre Mutter lebt dort. Aber das ist nicht der eigentliche Grund für die Entscheidung. „Die Gemeinde dort bricht in etwas Neues auf, genau wie ich. Das passt.“ Es ist ein Zusammenschluss von Gemeinden, genau wie die Lukasgemeinde. Das bisherige Gotteshaus wurde abgerissen. Der Raum, in dem Maike Ulrich Gottesdienste halten wird, ist die Sakristei einer katholischen Kirche.

Fünfmal im Jahr soll sie ökumenische Messen halten. Das erfüllt Ulrich gern. Überhaupt ist vieles im Entstehen im „Wohnbezirk Brücke“, ihrem neuen Umfeld. „Brücken bauen – das passt gut“, denkt sie laut nach. Verbindungen sollen erneuert werden, zwischen Kirche und Kitakindern, auch soll die Seniorenarbeit intensiviert werden.

Verbinden, das gefällt der gebürtigen Heubacherin. Auch in Lukas. Aktionen mit den Konfis, wo sie Marktbeschicker vom Lukas-Märktle besucht haben. Kartoffeln ausgebuddelt, Tomaten geerntet und Honig geschleudert haben, dann auf kreative Weise den Erntedankaltar geschmückt, das sind Bilder, die der Pfarrerin bleiben werden.

An manchen Tagen geht Maike Ulrich morgens in den Kirchenraum und zündet eine Kerze an. Dann betet sie für Menschen ihrer Gemeinde in Not. Und sie betet für sich, wünscht sich einen gelassenen Tag. Dieser wunderschöne Raum, die Kerzen in den Sand gesteckt, auch das sind Bilder, die ihr bleiben werden.

Das schwarz-türkisfarbene Damenrad mit dem Schmetterling am Lenker werden die Menschen auf der Tullauer Höhe nun bald nicht mehr herumsausen sehen. Darauf sitzt keine Pfarrerin mehr, farbenfroh gekleidet, mit freundlichem, innigen Lächeln, fröhlich winkend. Man wird sie auch am Starkholzbacher See vergeblich suchen, ihre geliebten Runden schwimmend. Manch einer wird ihre Witze vermissen, die sie gerne erzählt.

Morgen wird Maike Ulrich mit einem Gottesdienst und gleichzeitig zum Gemeindefest verabschiedet. Beginn ist um 10 Uhr. Das dürften bewegende Momente werden. Als sie beim Dankesfest im April allen ehrenamtlich Engagierten ihren Abschied verkündete, flossen schon hier und da Tränen. Feuchte Augen wird es noch eine Menge geben. Emotionen gehören dazu - in alle Richtungen. Vor allem wenn man von diesem Beruf durchdrungen ist, so wie Maike Ulrich es ist.

Info Die Lukasgemeinde feiert morgen, Sonntag, Gemeindefest. Es beginnt um 10 Uhr mit dem Gottesdienst, in dem Pfarrerin Maike Ulrich verabschiedet wird. Danach werden bis 20 Uhr Speisen und Getränke angeboten, es gibt eine Hüpfburg, Bastel- und Spielangebote und einen Flohmarkt.

Acht Jahre in Brasilien gelebt

Maike Ulrich ist in Heubach bei Schwäbisch Gmünd geboren und aufgewachsen. Sie studierte Theologie in Tübingen, Brasilien, Münster und Bochum. Ihr Vikariat machte sie in Obersontheim. Im Anschluss ging sie für acht Jahre nach Brasilien und war mit ihrem Mann Silvio Meincke verantwortlich für eine Gemeinde. Ihre Tochter Luisa wurde dort geboren. Vor 15 Jahren kamen sie nach Deutschland. Sie arbeitete als Dienstaushilfe für St. Michael und St. Katharina, bevor sie Pfarrerin der Lukasgemeinde wurde. Die 55-Jährige liebt Wandern, Radfahren, in Seen schwimmen, Boccia spielen und Witze.

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