Schwäbisch Hall Tod im Bauch des U-Boots „Schwäbisch Hall“

Fotos der „U 634“ sind rar. Auf dieser Aufnahme ist schemenhaft das Haller Stadtwappen auf dem Turm des Unterseeboots zu erkennen.
Fotos der „U 634“ sind rar. Auf dieser Aufnahme ist schemenhaft das Haller Stadtwappen auf dem Turm des Unterseeboots zu erkennen. © Foto: Stadtarchiv Schwäbisch Hall
Schwäbisch Hall / Thumilan Selvakumaran 30.08.2018
Vor 75 Jahren, am 30. August 1943, versenken zwei britische Kriegsschiffe das U-Boot „U 634“ im Atlantik. Alle 47 Besatzungsmitglieder sterben.

Leise gleiten die Wasserbomben in die Tiefe des Ozeans, bevor sie mit gewaltiger Kraft detonieren. Sie bringen allen 47 Besatzungsmitgliedern des U-Boots „U 634“ den Tod. So geschehen am 30. August 1943, also genau vor 75 Jahren. Das damals moderne Kriegsgerät der Nazis, Typ VII C, wurde erst ein Jahr zuvor von Blohm & Voss fertiggestellt und lief in Kiel vom Stapel. Es trug das Wappen der Stadt Schwäbisch Hall auf dem Turm. Nun liegen die Überreste in den Tiefen des Atlantiks, östlich der Azoren.

Geld von Max Kade missbraucht

Doch wie kommt es, dass ein U-Boot der Nationalsozialisten den Namen dieser Stadt trägt? Schwäbisch Hall hatte zuvor einen Teil der Baukosten für das 67,1 Meter lange und 6,2 Meter breite Unterseeboot übernommen. Eingefädelt wurde die Aktion vermutlich durch Eberhard Bosch. Er war Besatzungsmitglied des „U 634“ in der Funktion eines Leutnants zur See. Außerdem war er Sohn des Haller NSDAP-Kreisleiters Otto Bosch (siehe Info).

Offenbar wurden zur Finanzierung Haller Mittel missbraucht, heißt es im Buch „Geschichte einer Stadt“ der Haller Stadtarchivare Andreas Maisch und Daniel Stihler. Die vom Hospital verwalteten Spendengelder von Max Kade seien teilweise in den 1941 gestarteten U-Boot-Bau geflossen. Kade, einst Steinbacher Unternehmer, war in die USA ausgewandert. Der Stadt hatte er ein Vermögen hinterlassen.

„Es ist eine der vielen Absurditäten des Kriegs, dass das unter anderem aus Geldern eines US-Bürgers finanzierte U-Boot  ‚U 634’ mit dem Haller Stadtwappen am Turm ein amerikanisches Schiff versenkte“, schreiben die Autoren. 72 Besatzungsmitglieder des US-Frachters „SS Meriwether“ fielen der „U 634“ am 3. März 1942 zum Opfer. Die Deutschen versenkten das mit Munition und Reifen beladene Schiff, das mit dem Konvoi HX-227 westlich Islands unterwegs war.

Todbringendes Ende

Zuvor diente „Schwäbisch Hall“ laut dem Buch „Der U-Boot-Bau auf deutschen Werften“ bis 31. Januar 1943 der 5. U-Boot-Flottille in Kiel. Am 1. April 1943 wurde es der 9. Flottille in Brest als Frontboot zugeteilt. Am 12. Juni 1943 schoss das U-Boot ein britisches Flugboot ab.

Das todbringende Ende kam für die Besatzung der „Schwäbisch Hall“ am 30. August 1943. Das Kriegsgerät stand da unter Leitung des Kommandanten Eberhard Dahlhaus und der Wach­offiziere Eberhard Bosch und Otto Hester. Die beiden britischen Kriegsschiffe „Sloop Stork“ und „Korvette Stonecrop“ entdeckten das Unterseeboot, das auf bis zu 100 Meter Tiefe tauchen konnte. Die Wasserbomben besiegelten das Schicksal der deutschen Besatzung.

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Haller NSDAP-Kreisleiter Otto Bosch

Mit der „U 634“ ging auch der Sohn des Haller NSDAP-Kreisleiters Otto Bosch in der Tiefe unter. Der Kreisleiter war vor Kriegsbeginn Volksschulrektor in Hall. Aus „Überzeugung und innerer Begeisterung“ war Bosch in die NSDAP eingetreten, wie es im Buch „Geschichte einer Stadt“ heißt. 1932 stieg Bosch zum Kreisleiter auf und übte das Amt ab 1938 hauptamtlich aus. Erhard Eppler erinnerte sich an einen „ziemlich fülligen Herrn mit dem ganz ungermanischen Rundschädel“.

Viele Gräueltaten der Nationalsozialisten passierten in Hall während Boschs Amtszeit. Mitverantwortlich war er unter anderem für die Verlegung von 545 psychisch kranken und geistig behinderten Menschen aus dem Diak. Diese fielen unmittelbar danach der Euthanasie zum Opfer. Bosch wurde 1945 nach Kriegsende zu zwei Jahren Haft verurteilt und war später wieder als Lehrer tätig. thumi

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