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Schwäbisch Hall / -- 30.06.2018

Willkommen in Absurdistan: Je mehr Flüchtlingskinder das Schulzentrum West besuchen, umso weniger Lehrerstunden stehen für deren Betreuung zur Verfügung. Und je mehr behinderte Kinder dort sind, umso größere Klassen müssen gebildet werden. Wie bitte? Eigentlich müsste es doch für betreuungsintensive Kinder mehr Deputate der Pädagogen geben und nicht weniger.

Auf diese paradoxe Situation weist kürzlich Gemeinschaftsschulrektor Thomas Kuhn aus dem Haller Westen hin. „Wir haben knapp 50 Flüchtlingskinder am Schulzentrum. Das gibt es nirgends sonst in Hall. Für den Vorbereitungsunterricht erhalten wir pro Klasse 25 Lehrerstunden pro Woche.“

Neun Stunden fehlen

Das Dumme daran sei nur: „In der verbindlichen Ganztagsschule wird 34 Stunden pro Woche unterrichtet.“ Es entstehe eine Lücke von neun Stunden pro Woche, die nicht abgedeckt sind. Woher die Betreuungsstunden nehmen, wenn nicht klauen? Daran hat Kuhn sogar gedacht. „Ich habe die Statistik geändert und die Flüchtlingskinder als deutsche Kinder angegeben. Und schon habe ich drei volle Lehrer mehr“, berichtet er kürzlich auf einer Versammlung der SPD zur Bildung. Kuhn lässt es allerdings offen, ob er das wirklich getan hat.

Und damit nicht genug. Ähnlich Absurdes sei beim Thema Inklusion passiert. Der Zwang zur Sonderschule ist gefallen. Behinderte Kinder haben das Recht, auf die Schule ihrer Wahl zu gehen. In einem Jahr habe es 114 Anmeldungen für die fünfte Klasse der Gemeinschaftsschule gegeben. Hinzu kamen zwei Kinder von der Sonderschule. „Der Klassenteiler ist bei 28, allerdings werden die Sonderschüler nicht dazugezählt“, berichtet Kuhn. Mehr Sonderschüler bedeutet im Extremfall, dass es größere Klassen gibt. In seinem Fall habe das Schulamt nachgegeben und der Teilung von Klassen in kleinere Einheiten zugestimmt. Hintergrund dieser Regel ist, dass Inklusionskinder Betreuungslehrer mitbringen. „Allerdings sind das nur fünf Stunden pro Woche. Das ist viel zu wenig, wenn nur ein Inklusionskind in der Klasse ist“, argumentiert Kuhn. Falls Schwerpunkte mit mehreren behinderten Kindern pro Klasse zustande kommen, könnten diese Betreuungsprobleme entschärft werden.

Die Künzelsauer Schulamtsleiterin Ursula Jorden bestätigte, dass fürs Schulzentrum West eine Ausnahme gemacht wurde. Auch sie wünsche sich „ein klareres Denken bei der Zuteilung von Stunden“. Dafür ist aber das Ministerium zuständig.

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