Aus grauer Asche soll ein leuchtender Diamant werden. Einer der Ersten, der sein Pferd im neuen Tierkrematorium in Hall verbrennen ließ, will seinen treuen Begleiter in ein Schmuckstück verwandeln. Gestern wurde die in Deutschland einmalige Einrichtung eingeweiht. Seit Oktober werden dort Tiere kremiert.

„Das Verbrennen von Pferden ist erst nach einer Gesetzesänderung erlaubt“, berichtet Jochen Lutz, der zusammen mit seiner Frau Sandra das erste Pferde- und Heimtierkrematorium deutschlandweit betreibt. Zuvor landeten größere Lebewesen in der Tierkörperbeseitigungsanlage. „Das tat vielen Besitzern weh, wenn sie 25 Jahre lang eine Beziehung aufgebaut hatten“, sagt Jochen Lutz. Sie mussten mitansehen, wie ihr Liebling auf einen Lastwagen geladen wurde und pietätlos auf Nimmerwiedersehen verschwand.

Ort des Abschieds

Das Uttenhofener Unternehmerehepaar, das bereits das Hotel Smartino in Hessental und das Humankrematorium am Waldfriedhof betreibt, wollte das ändern. Neben dem Humankrematorium, aber davon völlig abgetrennt, steht nun der Holzbau. Seine halbtransparente Fassade lässt ihn filigran erscheinen. Tritt man durch die Tür, eröffnet sich der Empfangsraum. Urnen mit Tiermotiven, verzierte Schatullen, Schmuckstücke mit Platz für Asche: Die Kunden können aus vielen Varianten ihren Favoriten auswählen.

Schwäbisch Hall

Vom Foyer aus führen zwei Türen zu den Räumen des Abschieds. Dort wird das Haustier auf einen Wagen  gelegt. Der Besitzer kann sich ein letztes Mal von ihm verabschieden. „Er darf das Tier auch streicheln“, sagt Sandra Lutz. Das hört sich selbstverständlich an, ist aber das Ergebnis mehrstündiger Diskussionen mit dem Regierungspräsidium. Das ist auf Hygiene, Emissionsschutz und genaue Arbeitsabläufe bedacht.

Nach Wunsch kann der Kunde durch eine Glasscheibe bei der Ein­äscherung zuschauen. Er sieht, wie der tote Körper in einen der beiden gasbetriebenen Öfen geschoben wird. Später wird ihm die Asche in einer Urne ausgehändigt. Was er damit macht, bleibt dem Trauernden überlassen. Anders als es bei den sterblichen Resten von Menschen der Fall ist, gibt es keine Regeln für den Umgang mit Tierasche.

Einstellung ändert sich

„Eine Katze ist ein treuer Begleiter“, meint Sandra Lutz. Zu einem Pferd würden die Tierfreunde eine noch stärkere Beziehung aufbauen. Doch was ist, wenn der manchmal innigste Begleiter stirbt? Während es bei Todesfällen der Menschen festgelegte Rituale und Pfarrer gebe, die der Trauer einen Rahmen geben, fehle diese Hilfestellung bisher beim Tier. Im Tierkrematorium sollen die Trauernden vom Abholen des Körpers über die Einäscherung bis hin zur Trauerbewältigung begleitet werden. „Sagen Sie mal bei der Arbeit: Ich brauche morgen Urlaub wegen des Tods meines Hamsters. Das stößt auf Unverständnis“, erzählt Sandra Lutz. Diese Haltung könnte sich ändern. „Vor 20 Jahren noch gab es Schäferhunde, die draußen frei herumliefen. Heute leben praktisch alle Hunde im Haus.“

Feuer im Haller Krematorium Das Krematorium brennt am Abend des 13. März 2019

Das Ehepaar Lutz lobt Reinhard Häberlein vom Eigenbetrieb Friedhöfe, der zusammen mit Stadträten die Kommune bei der Feier  vertritt. Mitte 2018 soll ein Tierfriedhof eröffnet werden. Was sich die Krematoriumsbetreiber und viele Tierfreunde wünschen, formuliert Sandra Lutz in ihrer Rede: „Wir wollen die gemeinschaftliche Urnenbestattung von Mensch und Tier.“ Die könnte auf einem separaten Friedhofsteil möglich werden. Allerdings ist das – im Gegensatz zu Hessen und Thüringen – in Baden-Württemberg nicht erlaubt.“

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Preise von 50 bis 3500 Euro für die Einäscherung


Die Gebühren für die Feuerbestattung sind im Schwäbisch Haller Pferdekrematorium „dank & treu“ nach Gewicht gestaffelt. Ein Hamster kostet 50 Euro, ein Hund rund 300 Euro, ein Pony 1500 und ein großes Pferd 3500 Euro.

Die Nachfrage scheint groß zu sein. Seit 25. Oktober wurden 200 Haustiere und sechs Pferde verbrannt. Um die Nachfrage zu bedienen, wurden drei Vollzeitkräfte eingestellt. Das Ehepaar Lutz hat 2,5 Millionen Euro in das Gebäude und die Technik investiert.

Acht Stunden dauert es, ein Pferd vollständig zu verbrennen. Rund 25 Kilogramm Asche bleiben übrig. Die Temperatur im Ofen beträgt 850 Grad.

Das Abholen der Tierkörper gehört zu den Serviceangeboten des Krematoriums dazu. Dafür wurde eigens ein Anhänger angeschafft und mit einem Spezialschlitten eine sanfte Methode des Abtransports entwickelt. tob