Ein Handwerker verspachtelt eine Tür, eine Gipswolke wabert durch einen Flur, zwei Fensterputzer sorgen im Gemeinschaftsraum für einen freien Blick. „Wir sind jetzt in der heißen Phase“, räumt Kai Bodamer (51) ein.

Er ist Geschäftsführer und einer von drei Gesellschaftern von iLive (ausgesprochen: „Ei-Liv“, was auf Deutsch „ich wohne/lebe“ heißt). „In zwei Wochen sind wir fertig“, sagt er. Am 1. ­Oktober ziehen die ersten Be­wohner ein. Die 106 Mini-Apartments seien bereits alle möbliert. Eines dient Interessenten als Showroom.

Küche, Bad, Wohnraum auf wenigen Quadratmetern – Putzservice per App

Türe auf. Links die Küchenzeile mit Backofen und großem Kühlschrank. Rechts das Schuhregal samt weiteren Ablageflächen und Handyladestation. Ein Bad mit stufenlos begehbarer Dusche sowie der Wohn- und Schlafraum samt Balkon gehören zu dem Mikroapartment.

Eine Art Heinzelmännchen-­Service kann per App vom Smartphone aus angefordert werden. Sammelt sich Dreck im Zimmer, kommt auf Wunsch der Putzservice. Sollen die Hemden gewaschen und gebügelt werden, aktiviert der Bewohner diesen Service am Handy. Ob Gästebett, das Car-Sharing-Auto in der Tiefgarage, die Musikanlage im Gemeinschaftsraum oder die große Küche mit Esstisch im Erdgeschoss: Diese kostenpflichtigen Extras stehen den Hausbewohnern zur Verfügung.

Mikroapartments in Schwäbisch Hall I-Life-Mietshaus in der Ellwanger Straße

Kostenlos kann man an der Playstation zocken, Billard spielen, einen Staubsauger ausleihen und die Gemeinschaftsflächen nutzen. Ein kombiniertes Sportfeld für Fußball und Basketball sowie Tische und Stühle samt einer Bar befinden sich auf dem Flachdach des fünfstöckigen Bauwerks. Unten sind Fitness- und Aufenthaltsraum untergebracht.

Doch der bis ins Detail durchdachte Service geht noch weiter. Bewohner können per Smartphone-App die gewünschte Anzahl an Messern und Gabeln, Bettbezügen und Handtüchern anfordern. Die Gegenstände werden vor dem Einzug in die Wohnung geliefert.

Ein Mikroapartment kostet 110.000 Euro

Doch wie viel kostet diese bequeme Wunderwelt des modernen Lebens? Sowohl Investoren als auch Mieter müssen den einen oder anderen Euro mehr bezahlen, um auf dieses Komfortlevel zu kommen. Circa 110.000 Euro (4500 bis 4900 Euro pro Quadratmeter) haben Geldgeber für eine Wohnung bezahlt. Sie sind im Grundbuch eingetragen, haben sich aber verpflichtet, Vermarktung und Betrieb der iLive zu überlasen.

Die Investoren seien schnell zusammengekommen, berichtet Bodamer. Kommt es zu Mietausfällen, würden die auf alle Eigentümer umgelegt. „Doch wir haben deutschlandweit 99,7 Prozent der Einheiten vermietet“, versichert Bodamer. ILive betreibt 25 Objekte. Jedes Jahr kommen fünf dazu. Investoren sichern sich gleich mehrere Wohnungen. Große Firmen mieten sich über Jahre Wohnraumkapazitäten.

385 Euro und rund 120 Euro Nebenkosten pro Monat bezahlt ein Mieter. Darin enthalten sind der Internetanschluss, die Möbel, die Wartungskosten für den Aufzug und vieles mehr.

Der Erfolg scheint dem komfortablen Hochpreis-Konzept recht zu geben. Bereits vor Fertigstellung in zwei Wochen seien 70 Prozent der Wohneinheiten an Auszubildende, Studenten und Trainees sowie ein kleinerer, vorher festgelegter, Prozentsatz an Geschäftsleute vermietet.

Um die Bewohner miteinander in Kontakt zu bringen, veranstaltet die Hausverwaltung Ski-Ausflüge, Grillabende und Kochkurse. Über eine eigene Internet-­Com­munity können sie sich – falls sie wollen – zu Lauftreffs oder einem Feierabend­bier auf der Dachterrasse verabreden. Viele würden so schnell Kontakte in einer neuen Stadt knüpfen.

Die Schilderungen von Kai Bodamer hören sich wie die Utopie einer neuen Wohn- und Lebensform an. Der Architekt versichert: „Das funktioniert super. Wir stehen für unsere große Klappe, die wir im Vorfeld haben, auch hinterher gerade.“

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