Schwäbisch Hall Tim Breitkreuz aus Übrigshausen berichtet über seine Expedition in den Nordirak

KERSTIN VLCEK 10.10.2015
Jung, politisch engagiert und nicht konfliktscheu: So gibt sich der 21-jährige Student Tim Breitkreuz aus Übrigshausen, wenn er über seine Nahost-Reise und seine Zukunftspläne spricht.

"Ein bisschen mulmig war mir schon", gesteht Tim Breitkreuz, beim Gedanken an die Exkursion in den Nordirak, genauer gesagt in die autonome Region Kurdistan. Der 21-Jährige ist diesen März gemeinsam mit 14 anderen Studenten aus Deutschland und der Schweiz in das Konfliktgebiet gereist. Wie man auf so eine Idee kommt? "Ich habe mich schon vor meinem Abitur viel mit Politik und Konflikten beschäftigt. Jetzt wollte ich mir endlich mal ein Bild vor Ort machen", sagt der aus Übrigshausen Stammende. Es gab keine Eingewöhnungsphase. Alles war neu und ungewohnt. "Einfach mit dem Kopf durch die Wand", war sein Motto. "Mir wurde schlagartig klar, ich bin jetzt hier. Hier in einem Krisengebiet", erzählt Tim Breitkreuz, während er die Unterlagen seines Vortrags über die rund zweiwöchige Exkursion zusammenräumt, den er am Donnerstag in der Volkshochschule gehalten hat.

Mit seinen gerade einmal 21 Jahren ist er schon viel in der Weltgeschichte herumgekommen. Neben seinem Abitur in Hall und seinem Bachelorabschluss in Politikwissenschaft und öffentlichem Recht in Tübingen, hat er Zeit in Oslo, Bangkok und jetzt im Nordirak verbracht. "Ich habe schon gezweifelt und lange überlegt, ob ich es verantworten kann in ein Krisengebiet zu reisen. Aber so eine Chance bekommt man nicht oft", erklärt der angehende Masterstudent schmunzelnd. "Nur wenn man in den falschen Bus einsteigt, ist man tot", fügt er nüchtern hinzu.

Wenn er nicht gerade dabei ist, Konflikte hautnah zu erleben, lässt er es eher ruhig angehen. "Ich spiele Gitarre, lese leidenschaftlich gerne oder unternehme etwas mit meinen Freunden. Nicht gerade ausgefallen", meint er lachend. Aber auch politisch aktiv zu sein, sei sein Hobby, dass er später zu seinem Beruf machen möchte. "Ich kann mir vorstellen, für eine NGO aber auch für ein staatliches Unternehmen zu arbeiten", meint Tim Breitkreuz. Er weiß aber, dass er internationale Politik aktiv mitgestalten möchte.

Auf kommunaler Ebene tut er das schon heute. Seit 2012 ist er im CDU-Kreisverband Schwäbisch Hall tätig, zuerst als Beisitzender und danach als Pressereferent. "Für mich war in eine Partei einzutreten das Naheliegendste, obwohl ich nicht alle ihre Werte vertrete", sagt er mit Nachdruck. "Nächste Woche kann ich mich dann mit Entwicklungspolitik auf Bundesebene beschäftigen", freut er sich. Dann beginnt er seinen Studentenjob bei der KfW-Bank, die Förderprogramme für Unternehmen finanziert. Außerdem ist er dann Masterstudent der Friedens- und Konfliktforschung an der Universität Frankfurt. "Ich finde es einfach spannend, aktuelle Krisen besser verstehen zu lernen", meint Breitkreuz motiviert.

Heute sehe er Konflikte mit anderen Augen, als vor seiner Reise in das Kurdengebiet. "Mich hat ein Erlebnis auf dem Weg nach Kurdistan geprägt. Noch in der Osttürkei, bevor die Tour überhaupt angefangen hat, sind wir ohne Begleiter in ein Café gegangen. Der Besitzer hat uns gleich einmal erzählt, wie er für die PKK in Kobanê gegen den IS gekämpft hat. Davor kannte ich den Konflikt nur aus den Medien", meint der angehende Konfliktforscher nachdenklich.