Bühlertann Thomas Pfeffer übernimmt Ruder

Thomas Pfeffer (41) aus Gründelhardt ist neuer Rektor des Schulzentrums in Bühlertann. Gestern wurde er offiziell in sein Amt eingesetzt.
Thomas Pfeffer (41) aus Gründelhardt ist neuer Rektor des Schulzentrums in Bühlertann. Gestern wurde er offiziell in sein Amt eingesetzt. © Foto: Michaela Christ
Bühlertann / MICHAELA CHRIST 08.10.2015
Seit zwölf Jahren ist er Realschullehrer für Englisch, Mathematik und Technik, seit sieben Jahren am Schulzentrum in Bühlertann. Thomas Pfeffer wurde dort gestern offiziell als Rektor eingesetzt.

Er, 41, 1,77 Meter, Pädagoge, gute Englischkenntnisse, mathematischer Durchblick, mit zwei rechten Händen und dem Herz am rechten Fleck, sucht Sie. Nein, keine Frau. Die hat Thomas Pfeffer (41) aus Gründelhardt schon vor über zehn Jahren gefunden. Sie heißt Diana Stavrakakis, Lehrerin in Kirchberg und Mutter seiner zehn Monate alten Tochter Leandra.

Mit Sie war eine Schule gemeint, die eine Stelle in der Schulleitung zu vergeben hat. Denn davon träumte der Realschullehrer zusehends. "Ich mag Dinge bewegen und verändern und dafür auch Verantwortung übernehmen."

Als Rüdiger Vetter-Dannenmaier bekannt gab, zum Schuljahresende 2015 in den Ruhestand zu gehen, bewarb sich Pfeffer. Mit Erfolg. Sein vorrangiges Ziel: "Ich will das Schulzentrum Bühlertann als feste Größe im oberen Bühlertal etablieren und modernisieren, so dass Schüler, Eltern, Gemeinde, Vereine, Betriebe und Unternehmen in der Region die Schule als verlässlichen, starken Partner an ihrer Seite wissen."

Thomas Pfeffer wächst in Haigerloch im Zollernalbkreis auf. Er geht in Gruol in die Grundschule, wechselt 1984 aufs Progymnasium nach Haigerloch und 1990 aufs Technische Gymnasium nach Balingen. Nach dem Abitur zieht er mit einem Freund ein Vierteljahr durch die USA. "Ich bin ein Dorfkind, war immer in Gemeinden mit weniger als 1000 Einwohnern daheim und wollte etwas richtig Großes erleben. Und richtig groß kam mir damals Amerika vor", erinnert sich Pfeffer.

In der Heimat zurück absolvierte er seinen Zivildienst beim Arbeitersamariterbund. Sein Aufgabengebiet war der Rettungsdienst und der Krankentransport. Da Pfeffer mit dem Gedanken spielte, Medizin zu studieren, durfte er in einem der 18 Monate Zivildienst ein Praktikum im OP des Universitätsklinikums Tübingen machen. Danach war klar, dass Pfeffer eine neue berufliche Ausrichtung braucht. "Der Job war mir zu eintönig, zu handwerklich und zu wenig kommunikativ." Als nachhaltiger entpuppte sich die USA-Reise, kombiniert mit seinem Lieblingsfach Geschichte sowie Englisch. Pfeffer schreibt sich an der Uni Freiburg ein und beginnt sein Lehramtstudium für Gymnasium. Doch der Studiengang ist ihm zu wissenschaftlich.

Nach zwei Semestern wechselt er auf die Pädagogische Hochschule in Freiburg, ersetzt Geschichte durch Mathematik und Technik. Pädagogik wird studienbegleitendes Hauptfach. 2000 macht Pfeffer sein erstes Staatsexamen, geht nach Kandern ins Referendariat und tritt 2002 an der Realschule in Rottweil seine erste Stelle an. 2003 kommt die Crailsheimerin Stavrakakis an die Schule. "Es war Liebe auf den ersten Blick", verrät der neue Rektor. 2007 stellen sie gemeinsam einen Versetzungsantrag. So kommt Pfeffer 2008 nach Bühlertann, Stavrakakis an die August-Ludwig-Schlözer-Schule Kirchberg.

In Bühlertann wird Pfeffer vorrangig in der neunten und zehnten Klasse Lehrer für Englisch, Mathematik und Technik. Im Englischunterricht vermittelt er Globalität. Technik sieht er synonym zu Fortschritt, Mathematik unterrichtet er am liebsten. "In keinem anderen Fach hat man das Aha-Erlebnis bei Schülern so intensiv wie in Mathe, wenn sie hinter die Logik von Zahlen und Formeln gestiegen sind", so Pfeffer.

Warum angesichts soviel Enthusiasmus in der Lehre ein Wechsel in die Schulleitung? "Ich bin jung, ich will noch was reißen. Ich sehe bei vielen Schülern und deren Eltern eine Orientierungslosigkeit bezüglich ihrer Zukunft." Acht Unterrichtsstunden stehen ihm als Rektor aber weiterhin zu. Hinzu kämen viele neue Aufgabengebiete, denn als Schulleiter sei man auch Manager, Personalchef, Verwaltungsexperte, Mediator, Fundraiser, Seelsorger und Streitschlichter.

Apropos Streitschlichter. Ist auch eine, wie auch immer geartete Kooperation mit Obersontheim anvisiert? Zwischen beiden Kommunen gibt es einen Zwist, nachdem keine Schulkooperation zustande kam und die Obersontheimer Hauptschule ausläuft.

Pfeffer schweigt zunächst. Falsches Thema? "Nein. Es gibt kein falsches Thema. Wie es auch keine falschen Fragen gibt, nur falsche Antworten." Dann erzählt er, dass Günther Franke, kommissarischer Leiter der Obersontheimer Schule, zur Verabschiedung von Vetter-Dannenmaier gekommen sei. Und, dass sie sich die Hand gereicht hätten. "Ist ein Händedruck nicht immer ein gutes Zeichen?", fragt Pfeffer lächelnd.

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