Freilichtspiele Theater spielt 70 Prozent der Kosten ein

Schwäbisch Hall / Jürgen Stegmaier 11.06.2018
Bisher sind 34 000 Karten im Vorverkauf abgesetzt, nach 27 000 im Vergleich zum Vorjahr. Der Etat beträgt 2,8 Millionen Euro. Die 93. Saison wird am Samstag offiziell eröffnet.

Die Haller Freilichtspiele gehen derzeit davon aus, dass sie zur Finanzierung der Spielzeit, die am Samstag mit der Premiere zu „Wilhelm Tell“ auf der Großen Treppe offiziell begonnen hat, 2,8 Millionen Euro benötigen. Rund 530 000 Euro schießt die Stadt zu. Etwa 243 000 Euro gibt das Land Baden-Württemberg. Die restlichen rund 2 Millionen Euro bringen die Freilichtspiele selbst auf.

Dieser Eigenanteil der Freilichtspiele gliedert sich in zwei Posten: Mit 280 000 Euro werden die Festspiele von Spendern und Sponsoren unterstützt. Einen wesentlichen Teil davon trägt die Bausparkasse, außerdem werden im Programmblatt die Unternehmen Würth, Klafs, VR-Bank, Stadtwerke, Bäuerliche Erzeugergemeinschaft und Löwenbrauerei genannt.

Das Kernstück fordert heraus

Schließlich, und das ist mit Abstand der größte Posten, rechnen Stadt und Freilichtspiele derzeit damit, dass rund 1,7 Millionen Euro durch den Kartenverkauf eingespielt werden. „Die Vorverkaufssituation ist exzellent“, sagte der Haller Oberbürgermeister Hermann-Josef Pelgrim am Samstag bei einer Pressekonferenz vor der „Tell“-Premiere.

Freilichtspiele-Intendant Christian Doll wurde zwei Stunden vor der Premiere grundsätzlich, was die zukünftige Ausrichtung der Freilichtspiele anbetrifft. „Das Kernstück ist eine große Herausforderung. Es ist nicht selbstverständlich, dass wir damit ein großes Publikum ansprechen.“ Mit dem Schiller-Klassiker „Tell“ scheint dies gelungen zu sein. Im zurückliegenden Jahr spürten die Freilichtspiele mit dem Lokalstück „Brenz 1548“ zum Reformationsjubiläum mehr Zurückhaltung. Christian Doll sprach über die Notwendigkeit, den Geschmack des Publikums zu treffen. „Wir wollen das ja nicht nur für uns machen.“

Publikumsrenner in diesem Jahr könnte „Saturday Night Fever“ werden. Für das Musikspektakel sind derzeit schon rund 12 000 Karten verkauft, für „Wilhelm Tell“ 6000. „Die Räuber“ oder „Evita“? „Faust“ oder „Summer of Love“? „Tell“ oder „Saturday Night Fever“ – kann es sein, dass um des Erfolges und der Wirtschaftlichkeit Willen eines Tages Tanzmusicals die Kernstücke der Freilichtspiele Hall sind, und nicht mehr die Klassiker? „Wir haben einen klassischen Auftrag“, entgegnet der Haller OB. „Das wird so bleiben, solange ich da bin“, ergänzt Pelgrim. Auch im Kuratorium der Freilichtspiele sei keine Tendenz zu erkennen, diesen Grundsatz aufzugeben.

Info 180 Stellen sind bei den Freilichtspielen Schwäbisch Hall besetzt – vom gelegentlichen Helfer beim Aufstuhlen bis zum hauptamtlichen Mitarbeiter in der Verwaltung. Rund 55 Plätze davon entfallen auf die künstlerische Leitung und das Ensemble. Geschäftsführerin ist Ute Parpart.

Das Neue Globe: Ein wahrhaftiger Treffpunkt

Mehr als 9 Millionen Euro wird das Neue Globe-Theater auf dem Unterwöhrd kosten. Die Finanzierung steht noch nicht komplett. 4,5 Millionen Euro will die Stadt zuschießen, 1 Million hat das Land zugesagt. Die Summe der Spenden belaufe sich aktuell auf 1,5 Millionen Euro.  Es fehlen also noch 2 bis 2,5 Millionen Euro. Halls OB Pelgrim hofft auf weitere Spenden.

Thomas Klenk, der bei „Wilhelm Tell“ die Rolle des Hermann Geßlers spielt, ist ein glühender Verfechter des Haller Theater-Neubaus. „Was in Hall passiert, geht in die richtige Richtung“, sagte er am Rand der Premierenfeier. Das Globe sei eine unglaubliche Gelegenheit, sich als Stadt weiterzuentwickeln. Mit dem Theater auf dem Unterwöhrd werde ein wahrhaftiger Treffpunkt geschaffen, der nicht nur als Spielstätte zu sehen sei.

Der zunächst geplante Eröffnungstermin im August dieses Jahres kann bekanntermaßen nicht gehalten werden. Das Theaterrund wird wohl Ende des Jahres fertiggestellt werden können, so der aktuelle Stand der Dinge. Die Einweihung ist für das nächste Frühjahr mit einer Gala geplant. just

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