Schwäbisch Hall Theater-Neubau: Gemeinderat stimmt Planung zu und gibt Geld frei

Schwäbisch Hall / MARCUS HAAS 24.06.2016
Ab Herbst wird ein neues Theater auf dem Unterwöhrd gebaut. Hochbauamtsleiter Dieter Koch gibt den aktuellen Stand wieder. Kritik kommt vor allem von den Grünen.

„Wir werden nicht nachtreten und stehen grundsätzlich zum Neubau auf dem Unterwöhrd, werden die weitere Entwicklung konstruktiv begleiten“, macht Joachim Härtig (Bündnis 90/Die Grünen) deutlich und schickt  direkt ein großes „Aber“ hinterher. Der ganze Prozess sei schlecht gelaufen. Am Anfang hätte eine fachliche Entscheidung stehen sollen, ob das Globe-Theater erhalten werden könne oder ob es einen Neubau wirklich braucht. Dann hätte ein richtiger Wettbewerb laufen sollen und „nicht zwei halbe“. Hauptgrund der Ablehnung: die Finanzierung, vor allem mit Blick auf die „Black Box“ der Betriebskosten. Zudem hätte die Fraktion ein Problem mit dem Freilichtspielcharakter des neuen Theaters. Die Grünen stimmen dagegen.

„Es hat sich seit Januar in die richtige Richtung entwickelt. Die Fassade erscheint nun wesentlich angenehmer“, sagt Hansjörg Stein (SPD) und fragt zum Aufbau der Fassade an der Parkseite, die zu 50 Prozent zu öffnen und schließbar ist, sowie zum energetischen Konzept nach. Koch erläutert, dass die Parkseite mit einer zweiten Haut geplant sei, mit gläsernen Schiebeelementen, mit einem flexiblem Netz aus Metallgewebe – transparent und als Sonnenschutz konzipiert. Im Winter sei es dadurch möglich, den Laubengang zu schließen, damit die Besucher aus dem Innenraum nicht raus ins Kalte müssen. Das sei aber noch nicht entschieden, nicht mit Kosten hinterlegt. Die Fassade ist grundsätzlich leichter und feingliedriger, das Bühnenhaus kleiner geworden. Die Steine wurden kleinformatiger, erfüllen auch eine Schallschutzfunktion in Richtung Biergarten. Das Gebäude besteht zu 80 Prozent aus Holz.

„Ich bin etwas enttäuscht. Mir gefällt das einfach nicht. Ich sehe keine wirkliche Alternative, sondern lediglich eine Weiterentwicklung der Fassade“, sagt Friedrich Waller (FWV), der sich enthält. „Wir freuen uns auf die Umsetzung, nach längerer demokratischer Diskussion“, so Ludger Graf von Westerholt. Der CDU-Fraktionsvorsitzende erinnert an die Entstehung des Kocherquartiers, eine andere „schwierige Geburt, die heute große Akzeptanz hat“.

Thomas Preisendanz macht auf das Thema Inklusion aufmerksam und regt an, eine Toilette für Schwerstbehinderte ins neue Theater zu bauen. Der FDP-Fraktionsvorsitzende betont, dass es so etwas bislang in ganz Hall noch nicht gebe. Barrierefreie Toiletten sind im Erdgeschoss des Neubaus eingeplant, antwortet der Hochbauamtsleiter. Oberbürgermeister Hermann-Josef Pelgrim ergänzt, dass es Möglichkeiten gebe, diese WCs auch bei der Neugestaltung beispielsweise des Biergartens auf dem Unterwöhrd leichter zu integrieren als nun noch im Theater-Neubau. Zur Anregung von Preisendanz erläutert Koch weiter, dass in der öffentlichen Toilettenanlage am Marktplatz das WC für Menschen mit Behinderungen vergrößert werden soll. Es soll dort eine Toilette auch für Schwerstbehinderte, die gewindelt werden müssen, integriert werden. Kosten: 15.000 Euro. Das Land fördert mit 90 Prozent, aber maximal mit 12.000 Euro. Die Stadt hat einen Antrag gestellt.

Koch nennt weitere wesentliche Veränderungen im Plan zum neuen Theater: Die Treppen wurden an den Rand verlagert, um noch bessere Sicht für Zuschauer zu gewinnen; Nebenflächen bekamen mehr Platz für Maske, Aufenthaltsräume. Das öffenbare Dach samt Folienkissen hat einen ähnlichen großen Ausschnitt wie das des bestehenden Globes. Der Hochbauamtsleiter wird den Neubau nun weiterentwickeln, damit möglichst ab Oktober gebaut werden kann. Zum Saisonbeginn im Frühjahr sollen die Freilichtspiele wieder eine zweite Spielstätte haben.

Zudem wird der Sperrvermerk für den Zuschuss an die Freilichtspiele von vier Millionen Euro im Haushalt 2016/2017 aufgehoben. Die Gesamtkosten für den Theater-Neubau werden mit rund 5,2 Millionen Euro angegeben.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel