Seit Ende Mai läuft die Saison der Freilichtspiele, Ende März wurde das neue Globe-Theater auf dem Unterwöhrd feierlich eröffnet. Am selben Ort stand zuvor 16 Jahre das hölzerne Globe. Es wurde von der Berliner Globe Works GmbH für einen symbolischen Euro gekauft, im Oktober 2016 abgebaut und in die Bundeshauptstadt transportiert. Das Globe-Puzzle liegt bis heute in Einzelteilen in Berlin-Marienfelde – bis auf die großen Leimbinder, die noch bei der Spedition Kübler in Michelfeld-Erlin lagern. In Berlin gibt es fürs Haller Globe mittlerweile einen Standort nahe der Spree in Charlottenburg. Der politische Wille zum Wiederaufbau ist da und mittlerweile spielt dort sogar das neu gegründete Berliner Globe-­Ensemble auf einer improvisierten Bühne Theater. Aber es gibt noch einige Hürden bis zum möglichen Wiederaufbau.

Theater in Schwäbisch Hall Eröffnungsgala für das Neue Globe

Anwohner machen bislang keine Stimmung gegen das Theater am vorgesehenen Standort des Globes

„Es war ein strahlender Sommerabend, die Premiere ausverkauft“, erinnert sich Regisseur, Schauspieler und Shakespeare-­Übersetzer Christian Leonard an die Premiere auf der Mierendorff-Insel Anfang Juni. Auf dem fürs Haller Globe vorgesehenen Grundstück in Berlin spielte das 25-köpfige neue Globe-Ensemble „Romeo und Julia“. Die Schauspieler geben auf einer temporären Bühne mit 80 Veranstaltungen in drei Monaten einen Vorgeschmack auf das, was das Publikum im Globe ab Sommer 2020 erwarten soll. „Es ist ein weiter Weg. Es kann noch viel passieren“, sagt Leonard. Der Gründer und langjährige Leiter der Shakespeare Company gibt sich zuversichtlich und realistisch, will mit seinem Team Schritt für Schritt weitergehen, damit sein Lebenstraum Wirklichkeit wird – Shakespeare in einem Globe-Theater in Berlin zu spielen. Dafür hat der Geschäftsführer der Globe Works GmbH mit Mitstreitern das Haller Globe nach Berlin geholt.

Dass das neue Berliner Globe-Ensemble am vorgesehenen Globe-Standort bereits Theater spielt, ist auch ein Versuch, kritische Anwohner zu überzeugen. „Seit gespielt wird, habe ich noch keine Beschwerde erhalten“, sagt Heike Schmitt-Schmelz (SPD). Die Bezirksstadträtin für Jugend, Familie, Bildung, Sport und Kultur im Berliner Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf erläutert, dass Anwohner zuvor mehr Lärm in den Abendstunden, mehr Verkehr durch die Parkplatzsuche fürchteten und den Wert ihrer Eigentumswohnungen schwinden sahen, wenn Theater gespielt würde. Durch Anwohnerklagen könnte das Globe-Projekt scheitern. Der Bebauungsplan wird so verändert, dass eine kulturelle Nutzung möglich ist.

Schwäbisch Hall

Globe findet neben dem Österreichpark in Charlottenburg sein neues Heim

Politische Entscheider wie Schmitt-Schmelz hat Leonard bereits auf seiner Seite, einen Standort gefunden und mit der Lottostiftung einen zentralen Finanzierer gewonnen. „Die sechs Fraktionen im Parlament stehen hinter dem Projekt“, sagt Schmitt-Schmelz, die sich freut, dass vor allem „dieser kulturell eher unterentwickelte Standort mit dem absoluten Alleinstellungsmerkmal Globe-Theater bereichert und aufgewertet“ werden soll.

Die Fläche neben dem Österreichpark in Charlottenburg nahe der Spree hat rund 2000 Quadratmeter, ist rund 27 Meter breit und 65 Meter lang und bietet genug Platz fürs Globe mit einem Durchmesser von rund 25 Metern. Das Bezirksamt nutzte das Grundstück zuvor als Abstellplatz fürs Grünflächenamt. Nun ist es frei fürs Globe-Theater.

Es soll weiter Zug um Zug in Richtung Wiederaufbau gehen. Wenn der Bebauungsplan fertig ist, ein Erbpachtvertrag und die Baugenehmigung vorliegen, dann fließt auch eine Million Euro von der Berliner Lottostiftung ins Globe-Projekt. Mit diesen Kosten rechnet Leonard für den Wiederaufbau, ihm machen aber um 30 Prozent gestiegene Baukosten Bauchschmerzen. Zudem soll es bessere Sichtverhältnisse und optimierte Akustik, ein verschließbares Dach und einen Anbau für Foyer und Garderobe erhalten, auch um es ganzjährig bespielbar zu machen. Leonard steckt privates Geld ins Globe-Projekt. Der Theatermacher nennt eine Viertelmillion Euro, die er mit Freunden und Förderern bereits investiert habe.

Das hölzerne Rund soll dauerhaft am Standort stehen bleiben. Viele Gutachten müssen erstellt werden. Es geht um Lärm- und Brandschutz, um Boden-, Verkehrs-, und sogar um ein Erschütterungsgutachten, weil eine Brücke in der Nähe ist. Zudem braucht es einen Erbpachtvertrag. Eigentlich sollte der symbolisch werden, aber die Finanzverwaltung sehe das anders. „Wir dürfen das Grundstück nicht unter Wert abgeben“, sagt Schmitt-Schmelz. Ein Entwurf liege vor. Das Verhandlungsgeschick von Leonard sei nun gefragt, damit die Pachtkosten nicht zu hoch werden. Das alles seien Bedingungen dafür, damit die „bestätigten finanziellen Mittel“ von der Berliner Lottostiftung fließen, die das „innovative und zukunftsweisende Projekt“ fördern will.

Das könnte dich auch interessieren:

Schwäbisch Hall