„Das sind 200.000 Euro allein für die Planer“, ruft Martin Linder in den Sitzungssaal der Blendstatthalle. „Glauben Sie, dass die Zahl stimmt?“ Der CDU-Stadtrat ist in der jüngsten Sitzung des Bau- und Planungsausschusses kaum zu bremsen. Ganz am Ende bei „Verschiedenes“ war ihm aufgefallen, wie viel Geld die Stadt Hall zwei Tagesordnungspunkte zuvor in die Promenade an der Weilerwiese investiert.

Ursprünglich sollte dort das komplette Ufer zwischen Henkersbrücke und Friedensbrücke umgestaltet werden.

Das Land sollte dazu Fördergelder geben, um eine Fischtreppe für knapp zwei Millionen Euro anzulegen. Die wasserrechtliche Plangenehmigung wurde dazu Anfang 2017 erteilt, schreibt das Regierungspräsidium auf Nachfrage. Es sei an der Stadt Hall, die Fischtreppe zu bauen. Ein Förderantrag dazu sei eingegangen. Über ihn wird noch entschieden.

Kein Zugang zum Ufer des Kochers

Vier Jahre nach den ersten Planungen erfolgt jetzt ein Kurswechsel. Es soll zunächst die abgespeckte Version kommen. Die besteht aus einer neuen Promenade zwischen Henkersbrücke und Ärztehaus samt Aussichtsplattform am Wehr. Was nun zunächst rausfällt, sind Zugänge zum Ufer zwischen Lappeenrantasteg und Friedensbrücke.

Allein die kleine Version soll nun aktuell 1,07 Millionen Euro kosten. Darin enthalten sind 207.000 Euro für Planungs- und Ingenieurleistungen.

„Es ist eine schwierige Zeit“, berichtet Baubürgermeister Peter Klink über die Kostensteigerung. Bei der ersten Ausschreibung der Arbeiten wollte keine Firma den Zuschlag haben. „Auf Rücksicht auf die Anwohner müssen wir es machen“, sagt Klink. Der Zugang zu Hotel und Ärztehaus erfolgt immer noch über eine Baustelle. Auch der Kocher-Jagst-Radweg verläuft an dieser Stelle. Der Kostenanteil für die Planung liege im Rahmen, meint Klink.

Warum wird der Bau teurer?

„Die Preise sind uns nicht willkommen“, sagt Oberbürgermeister Hermann-Josef Pelgrim über die Kostensteigerung. „Das ist die längste nicht bewältigte Baustelle eines Fahrrad- und Gehwegs in der Stadt, die mir bekannt ist.“

Als Gründe für die Verzögerung gibt die Verwaltung an, dass ein beauftragtes Ingenieurbüro einen Engpass hatte. Die Gründe für die Mehrkosten resultierten aus zusätzlichen Kanalarbeiten sowie der Ufermauer, die aufwendiger als ursprünglich geplant sei. Die Arbeiten sollen am heutigen Mittwoch im Gemeinderat an die Firma Eichele aus Untergröningen vergeben werden, die ab 25. März loslegen will. Danach sollen für die Freizeitanlage der Weilerwiese eine Boulderwand errichtet und Fitnessgeräte installiert werden.

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1. Juli 2015: Die Verwaltung stellt dem Gemeinderat ein Konzept zur „Aufwertung und Revitalisierung des Kocherufers zwischen dem Wehr an der Salinenstraße und der Friedensbrücke“ vor.

15. März 2017: Die Verwaltung rechnet damit, dass es teurer wird. Die Fischtreppe kostet nun 1,97 statt ursprünglich 1,62 Millionen Euro und soll vom Land bezahlt werden. Die „Gewässerumgestaltung Kocher inklusive der  Maßnahmen für Gewässererlebnis“ verteuert sich auf 1,63 Millionen Euro. Sie sollte erst 1,34 Millionen Euro kosten. Das Land lässt sich Zeit mit der Durchführung des Projekts der Fischtreppe.

11. Juli 2017: Die Verzögerung bei der Umsetzung der Pläne hat Folgen für die Weilerwiese. Die Freizeitanlage kann nicht vervollständigt werden, da dort Lagerflächen für die Baustelle der Kocheruferumgestaltung vorsorglich freigehalten werden.

7. Februar 2018: „Aufgrund vielfacher Nachfragen und Wünsche aus dem Gemeinderat und der Bevölkerung beabsichtigt die Verwaltung jetzt zeitnah den Kocher-Jagst-Radweg im Bereich der noch vorhandenen Lücke zwischen der neu erstellten Promenade an der Weilerwiese und dem Loughborough-­Weg im Bereich der Grün­anlage im Weiler fertigzustellen“, heißt es gegenüber den Stadträten. Die Gesamtkosten der abge­speckten Version werden auf 650 000 Euro geschätzt.

26. September 2018: Keine Firma will bei einer Ausschreibung ein Angebot abgeben. Nun werden Bauunternehmer direkt angefragt.

30. Januar 2019: Der Bau- und Planungsausschuss empfiehlt die Vergabe der Bauarbeiten für die Promenade mit Aussichtsdeck an die Firma Eichele aus Untergröningen zu vergeben. Die Kosten steigen auf 1,07 Millionen Euro. tob