Belastung Tempo 30 soll den Lärm reduzieren

In der Bühlertanner Ortsdurchfahrt ist es lauter, als es die Grenzwerte erlauben. Verantwortlich dafür sind Lastwagen und der Autoverkehr.
In der Bühlertanner Ortsdurchfahrt ist es lauter, als es die Grenzwerte erlauben. Verantwortlich dafür sind Lastwagen und der Autoverkehr. © Foto: In der Bühlertanner Ortsdurchfahrt ist es lauter, als die Grenzwerte erlauben. Verantwortlich dafür sich Lastwagen und der Autoverkehr. Foto: Ufuk Arslan
Bühlertann / Sigrid Bauer 14.12.2018
An der Ortsdurchfahrt von Bühlertann und dem Teilort Fronrot ist der Verkehrslärm besonders im Berufsverkehr immens. Eine Untersuchung hat die Belastung in Zahlen gefasst und empfiehlt Tempo 30.

Die EU fordert von allen Städten und Gemeinden ab einem bestimmten Verkehrsaufkommen Berechnungen zur Lärmbelastung der Anwohner und Vorschläge zur Lärmminderung. „Wir haben schon 2015 ein Ingenieurbüro damit beauftragt, aber weil wir nicht die einzige Gemeinde waren, kam das Ergebnis erst 2018“, berichtet der Bühlertanner Bürgermeister Michael Dambacher.

Das Gutachten sagt konkret, was die direkten Anwohner täglich spüren: dass der Straßenlärm ihrer Gesundheit nicht gerade zuträglich ist. „Ab 4 Uhr früh bis spät in die Nacht hören wir hier die Lkw“, erklärt Beate Engel, Gastwirtin des Bären in der Ortsmitte, wo die Straße eine starke Kurve macht. „Laut ist vor allem das Abbremsen und danach das Beschleunigen und Hochschalten, auch wegen der Bushaltestelle direkt vor unserem Haus. Dazu kommt, dass die Straße sehr uneben ist“, schildert sie.

Übernachtungsgäste, die Ruhe gewohnt sind, würden es kaum in einem Zimmer nach vorne oder zur Seitengasse aushalten, vor allem im Sommer, wenn die Schallschutzfenster geöffnet werden. „In den Geschirrschränken unten im Erdgeschoss vibrieren die Gläser von den vorbeifahrenden Lkw“, verdeutlicht sie.

„Eine Katastrophe“ nennt Luit­gart Schneider die Belastung durch den Verkehr. Sie wohnt mit ihrem Mann an der Ecke Haller Straße/Hohenbergweg. „Unser Schlafzimmer liegt genau in dieser Ecke. Schlafen können wir nur bei geschlossenem Fenster“, sagt sie. Besonders schlimm ist es morgens ab halb sieben und abends zwischen 16 und 18 Uhr. „Ich habe inzwischen resigniert“, meint sie.

Tatsächlich liegen die Lärmwerte laut der Berechnungen des Büros BIT Ingenieure vor allem nachts deutlich über 60 Dezibel: Bei Werten darüber ist Handeln zum Schutz der Anwohner angesagt. Allerdings ist die Liste der Maßnahmen begrenzt: Herausstehende oder abgesenkte Abwasserschächte, die vor allem durch darüberfahrende Lastwagen für Lärm sorgen, bringt die Gemeinde bereits regelmäßig auf das Straßenniveau. Für die Beseitigung von Fahrbahnschäden ist das Land zuständig. „Aber bis hier eine neue Fahrbahndecke drauf kommt, dürfte es noch eine Weile dauern“, vermutet Dambacher. Dann wäre ein sogenannter Flüsterasphalt sinnvoll. Er kann den Lärmpegel um einige Dezibel herabsetzen, auch bei niedrigeren Fahrgeschwindigkeiten.

Am effektivsten gegen den Lärm wäre ein Tempolimit von 30 Stundenkilometern. Wenn es nach dem Willen des Gemeinderats geht, sollte Tempo 30 in beiden Richtungen zwischen der Einmündung des Galgenbergwegs bis zur Einmündung des Kellerbergwegs gelten, und genauso in Fronrot, das ebenfalls von der Landesstraße 1060 durchschnitten wird. „Wir würden uns das für Tag und Nacht wünschen, denn auch tagsüber erreichen wir Werte im Grenzbereich. Es ist die Frage, wie die Straßenverkehrsbehörde und das Regierungspräsidium die Bedenken des ÖPNV gewichten. Der Kreisverkehr (Haller ÖPNV) argumentiert nämlich, dass Tempo 30 den Ablauf verzögern würde. Laut BIT wären es aber nur rund 20 bis 22 Sekunden Unterschied“, erklärt Dambacher. Man müsse aber froh sein, wenn Tempo 30 wenigstens nachts zwischen 22 und 6 Uhr genehmigt werde, so wie in Rosenberg. „Das eigentlich Entscheidende ist aber die Tempoüberwachung“, betont er. Im Januar will die Gemeinde ihren Antrag auf das Tempolimit stellen.

Der Bühlertanner Bürgermeister kritisiert das Verfahren zur Erstellung des Lärmaktionsplans (LAP), vor allem deshalb, weil er auf berechneten Daten, nicht auf Messungen basiert. Gemeinden mit Hauptverkehrsstraßen, auf denen täglich mehr als 8200 oder im Jahr mehr als drei Millionen Fahrzeuge fahren, müssen einen LAP aufstellen.

Dambacher bezweifelt, dass Bühlertann oberhalb dieser Schwelle liegt. „Dann hätten wir gar keinen  Lärmaktionsplan aufstellen müssen. Er hat immerhin fast 12 000 Euro gekostet“, sagt er gegenüber dieser Zeitung. Ihn würde interessieren, zu welchen Zeiten die Verkehrsbelastung besonders hoch ist, und wie viele Laster tatsächlich durch den Ort fahren.

„Wir überlegen, ob wir ein Seitenradarmessgerät anschaffen, um über einen längeren Zeitraum die Fahrzeuge zu erfassen. Außerdem kann das Gerät zwischen Autos, Lastwagen und Motorrädern unterscheiden“, erklärt er. Und betont, dass Lärmschutzmaßnahmen auf alle Fälle notwendig seien, ob ohne oder mit Lärmaktionsplan.

Räte beschließen den Lärmaktionsplan einstimmig

Der Gemeinderat hat bei der Sitzung im November einstimmig den Lärmaktionsplan beschlossen. Hauptansatz zur Reduzierung des Lärms ist, das innerörtliche Tempo auf 30 Kilometer in der Stunde zu reduzieren. „Tempo 30 bringt’s. – Wir werden das weitergeben und im Plan hinterlegen“ sagte Bürgermeister Michael Dambacher. „Die Leute sind den ganzen Tag und auch nachts belastet.“

Die Verkehrszahlen, auf denen der Lärmaktionsplan beruht, basieren auf Berechnungen aus dem Jahr 2012. Er wisse nicht, ob die zugrunde gelegten Verkehrszahlen stimmen. Das Landratsamt habe aktuelle Zahlen von Verkehrsmessungen vorliegen, dürfe diese Daten wegen des Datenschutzes aber nicht weitergeben. Dambacher überlegt, ob die Gemeinde ein Zählgerät für zirka 1500 Euro kaufen soll.

Lärmabsorbierende Beläge auf der Landesstraße brächten wenig, erklärte der Bürgermeister, „die kommen erst ab höheren Geschwindigkeiten zum Tragen“. Gemeinderat Hansjörg Schneider sagte: „Wir sollten auf die 30 Stundenkilometer drängen. Es fahren sowieso viele zu schnell. Dambacher stimmte ihm zu, und wies darauf hin, dass die Busunternehmen befürchten, dass dies zu Verzögerungen beim ÖPNV führen könne. Nach Einschätzung von Dambacher müssten die Verzögerungen minimal sein, denn die Strecke, auf der die Geschwindigkeit begrenzt sein soll, sei kurz. sel

Das Ergebnis des Lärmaktionsplans

Insgesamt werden an 39 Gebäuden mit Wohnnutzung Grenzwerte von 70 Dezibel tagsüber und 60 Dezibel nachts erreicht oder überschritten. Damit sind die insgesamt 99 Bewohner dieser Gebäude von Lärmpegeln betroffen, die im Allgemeinen als gesundheitsgefährdend eingestuft werden, in Bühlertann 74 Einwohner und in Fronrot 25 Einwohner. An fünf Gebäuden mit 14 Einwohnern erreichen oder überschreiten die Lärmpegel tagsüber sogar 73 Dezibel und nachts 63 Dezibel.

Damit sind laut des beauftragten Ingenieurbüros BIT die Rahmenbedingungen dafür erfüllt, ein Tempolimit mit 30 Kilometern pro Stunde einzuführen und die Fahrbahn mit Flüsterasphalt zu beschichten.

Weiter heißt es: „Das Tempolimit kann die Emissionspegel um rund 2,5 Dezibel absenken. Dies entspricht nahezu einer Lärmentlastung, die sich bei der Halbierung des Verkehrsaufkommens einstellen würde. Die Zahl der Einwohner, die weiterhin sehr hohen Lärmpegeln im Bereich der Gesundheitsgefährdung ausgesetzt sind, reduziert sich in hohem Maße. Der Einbau eines lärmoptimierten Fahrbahnbelags bei einer künftigen Deckenerneuerung hat je nach verwendetem Asphaltbelag ebenfalls ein Lärmminderungspotenzial von 2 bis 3 Dezibel.“ Weil der Dezibel-Skala der Logarithmus zugrunde liegt, halbiert sich der Schallpegel bei einer Verminderung um rund drei Dezibel. siba

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