Bühlerzell Telekom kappt analoge Festnetzanschlüsse

Bühlerzell / Sigrid Bauer 02.08.2018
Die Telekom kappt derzeit die analogen Festnetzanschlüsse. Telefoniert wird in Bühlerzell künftig nur übers Internet. Im Rathaus war die Umstellung problematisch. Noch schwieriger ist für entlegene Höfe.

Bühlerzells Bürgermeister ist auf die Telekom nicht gut zu sprechen. Am Montag vor dem Faschingswochenende fiel im Rathaus ohne Vorwarnung das Internet aus, wegen der IP-Umstellung, wie der neue Standard in der Fachsprache heißt.

IP steht für Internetprotokoll. „Das war genau, als wir in der heißen Planungsphase für den Faschingsumzug waren“, so Thomas Botschek. In privaten Haushalten sei die Umstellung auf den Digitaltelefonanschluss schnell erledigt, aber in kommunalen Behörden, die über besonders sichere Leitungen etwa mit dem kommunalen Rechenzentrum verbunden sind, dauert es länger. „Ein Tag würde reichen, hat man uns gesagt“, so Botschek gegenüber unserer Zeitung.

Eine Woche ohne Internet

Aus dem Tag wurde schließlich eine Woche ohne Internet und somit ohne Verbindung zum Rechenzentrum. „Die Telekom hat eine Firma mit der Umstellung bei uns beauftragt. Das wurde uns aber nicht angekündigt, und dem Techniker ist die Umstellung leider nicht gelungen. Das hat er der Telekom aber verschwiegen. Deshalb hat die Telekom, im Glauben, der digitale Anschluss funktioniere, die alte Internetleitung stillgelegt“, schildert der Rathauschef. Es sei ein Unding, was sich die Telekom da erlaubt habe. „Für uns war das in dieser Woche ein Desaster. Es geht doch nicht, dass die Telekom einfach das Internet abschaltet, ohne vorher zu überprüfen, ob der IP-Anschluss funktioniert“, schimpft Thomas Botschek.

Nach einer Woche sei es dann einem Telekommitarbeiter und einem von der Gemeinde beauftragten Fachmann gelungen, das Internet wieder in Gang zu setzen. Die Telekom äußert sich auf Nachfrage dieser Zeitung dazu so: „Aus technischen Gründen musste die für das Rathaus vorgesehene Umstellung auf IP kurzfristig verschoben werden. Leider lief im Hintergrund schon die Abschaltung des bisherigen Anschlusses und konnte technisch auch nicht mehr gestoppt werden. Aus diesem Grund war das Internet vorübergehend nicht funktionsfähig, da keine aktiven Zugangsdaten vorhanden waren.“

Zweiten Anschluss schalten

Für Bürgermeister Thomas Botschek ist klar: „Wir wollen uns jetzt einen zweiten Internetanschluss bei Unitymedia schalten lassen, damit wir nicht mehr komplett auf die Telekom angewiesen sind“, kündigt er an.

Große  Probleme bei der Systemumstellung gab es indes in der abgelegenen Teuerzer Sägmühle. Dort  hatten die Bewohner seit März 2018 bis Ende Juni keine Telefonverbindung. „Am Anfang konnten sie nur nach draußen telefonieren, selber jedoch keine Anrufe annehmen, dann ging gar nichts mehr“, berichtet Botschek.

Sorge um Biogasanlage

Auch Mangoldshausen gehört zu den schlechter versorgten Bereichen der Gemeinde. Der Familie Schmid, mit bisher zwei DSL 1000-Anschlüssen, ist bereits für einen Anschluss eine Kündigung der Telekom ins Haus geflattert. Denn auch bei ihnen soll auf IP umgestellt werden. „Mit der DSL-Leitung funktioniert es einigermaßen, manchmal zwar langsam, aber wir können alles machen. Unsere Biogasanlage wird übers Internet gesteuert und das ist ziemlich kompliziert. Bisher haben wir immer alle Fehlermeldungen erhalten, aber wenn das auf IP umgestellt wird, bin ich mir nicht sicher, ob das reibungslos läuft“, sagt Ulrike Schmid, die mit ihrem Mann einen landwirtschaftlichen Hof betreibt. Ihr wäre es am liebsten, alles bliebe beim Alten, aber die Telekom möchte das nicht. Das äußerste, was sie angeboten habe: die IP-Umstellung des Anschlusses auf Ende September zu verschieben. „Ich muss mich unbedingt mit unserem Telefontechniker besprechen. Mit der Biogasanlage und allen betrieblichen Abläufen sind wir auf ein funktionierendes Internet angewiesen“, betont Ulrike Schmid.

Probleme am Spatzenhof

Kompliziert ist auch die Situation am Spatzenhof. Die jetzigen Kupferkabel haben nicht genug Kapazität für das Internet-Telefon. Die Internetverbindung ist sehr langsam. Glasfaserkabel werden frühestens verlegt, wenn der Wasserversorger NOW und die Gemeinde Bühlerzell die Siedlung Grafenhof ans öffentliche Wassernetz anschließen. „Aber dann fehlt noch der Betreiber“, stellt Thomas Botschek klar. Er baut auf die Planung des Landkreises für den Backbone-Ausbau. „Dann können Gemeinden leichter die bisher unterversorgten Gebiete kostengünstig an das Breitbandnetz anschließen und es lässt sich einfacher ein Betreiber für die Netze finden“, sagt er.

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Frage an Thomas Botschek: In welchen weiteren Höfen und Teilorten rechnen Sie mit  Schwierigkeiten bei der Umstellung auf das Internet-Telefon?

Botschek: Nach meinem Kenntnisstand betrifft das alle Höfe, die keinen DSL Anschluss haben. Bekannt sind mir Spatzenhof, Mangoldshausen, Teuerzer Sägmühle, ich denke auch Schönbronn, Hochbronn, usw. siba

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