Schwäbisch Hall Teils besinnlich, teils spektakulär

Gänsehaut garantiert: Die Tänzer des Großen Siedershofes führten am Samstagabend ihren Fackeltanz auf dem Marktplatz auf. Wie gebannt beobachteten die Zuschauer das Geschehen unter dem malerischen Halbmond. Foto: Ufuk Arslan
Gänsehaut garantiert: Die Tänzer des Großen Siedershofes führten am Samstagabend ihren Fackeltanz auf dem Marktplatz auf. Wie gebannt beobachteten die Zuschauer das Geschehen unter dem malerischen Halbmond. Foto: Ufuk Arslan
OLGA POSSEWNIN 11.06.2014
Es ist, als würde sich eine Kuppel über Hall legen, wenn die Sieder ihr alljährliches Kuchen- und Brunnenfest feiern - Ausnahmezustand pur. Wieder gab es einiges zu staunen, zu lachen und zu honorieren.

Nachdem beim vergangenen Kuchen- und Brunnenfest nicht nur Asche und Zeitungspapier vom Himmel runtergekommen waren, sondern vor allem viel Regen, meinte es Petrus dieses Mal gut mit den Siedern. Zu gut. Denn das ganze Pfingstwochenende lang schwitzten diese unter ihren historischen Trachten bei Temperaturen wie in der Sahara. Ein Umstand, der auch für weniger Besucher sorgte als noch 2013. "Es sind schätzungsweise 17000 bis 18000 Menschen da gewesen", informierte Robert Spoden, der für die Organisation des Festes verantwortlich war.

Viele entschieden sich bei der Hitze eher fürs Freibad. Nichtsdestotrotz boten der Kleine und Große Siedershof, die Musikgruppe Haalgschrey, die Schauspieler von Haalunkel und alle Helfer ein kurzweiliges und abwechslungsreiches Programm.

Den Auftakt feierten die Sieder dieses Mal - nach einer Pause von 13 Jahren - in Weckrieden. Jedes Jahr wird das Fest in einem anderen Teilort Halls eröffnet. Die Sieder wurden von den Einwohnern und vor allem den Landfrauen, die für sie ein Plakat angefertigt hatten, freudig empfangen. Sie standen oben auf einem Balkon und klatschten zur Musik.

Am Samstag wurden die Mühlenschiffchen, ein süßes Gebäck, in den Altenheimen und Pflegestiften Halls verteilt. Auf der Busfahrt dorthin herrschte ausgelassene Stimmung. Es wurde musiziert, gelacht und herumgealbert. Die Einkerkerungsszene von Delinquenten in den Sulferturm am Haalplatz sorgte für "Ohs", "Ahs" und auch das ein oder andere Schmunzeln.

Gänsehaut verschaffte am lauen Samstagabend der Fackeltanz auf dem Marktplatz. Als dann der Hoolgaascht auftrat - in eher lustiger als gruseliger Verkleidung - schwang die Stimmung der Zuschauer von besinnlich in heiter um. Bis kurz vor Beginn des Kuchen- und Brunnenfestes blieb ungewiss, ob die Kanone, der sogenannte Hoolgaaschtschreck, zum Einsatz kommt, weil es Probleme mit dem Rohr gab. Der TÜV hatte zunächst die Genehmigung verweigert. Doch es ging alles gut, und die Kanone konnte mit ohrenbetäubendem Lärm abgefeuert werden.

Die mittelalterlichen Gerichtsszenen am Sonntagmorgen ermüdeten bei der Hitze eher, als dass sie unterhielten. Wenigstens bekamen die Jungsieder eine kleine Abkühlung, als sie durch die Taufe in den Großen Siedershof aufgenommen wurden. Spektakulär war der nachgestellte Mühlenbrand auf dem Grasbödele, der dank mit Spezialeffekten erzeugtem Rauch wie echt wirkte. Viele Besucher staunten darüber.

Doch wer dachte, dass die Sieder nur mittelalterliche Programmpunkte zu bieten haben, der täuschte sich. Das bewiesen sie am Sonntagabend beim musikalischen Abschluss des Kuchen- und Brunnenfestes auf dem Marktplatz. Besonders die modernen Stücke wie "Ich war noch niemals in New York" ernteten frenetischen Applaus.

Nachdem alles überstanden war, konnte man viele Sieder in den Armen ihrer Liebsten beobachten, denen die Freude darüber anzusehen war, ihre Partner oder Kinder wiederzuhaben. Nun kehren alle in die Normalität zurück - zumindest für ein Jahr.

Fest der Superlative - Polizei meldet Positives

60 Kisten à zwölf Flaschen Wasser wurden im Laufe des Wochenendes von den durstigen Siedern, Spielleuten und Helfern getrunken.

Stolze 110 Kilogramm brachte der Siederskuchen auf die Waage. Der untere Stock hatte einen Umfang von vier, der mittlere von zwei und der obere von einem Meter. Fünf Tage haben Bäckermeister Stefan Renner und seine beiden Mitarbeiter Stefan Ebert und Anke Klemmer an der Herstellung des aus insgesamt 958 einzelnen Schnecken bestehenden Kuchens gearbeitet.

Laut Polizeiführer vom Dienst der Polizeidirektion Aalen, Thomas Bort, gab es bis auf kleinere Auseinandersetzungen keine Vorfälle beim Kuchen- und Brunnenfest in Hall. pos

SWP