Freilichtspiele Techno und Theater im Club Alpha

Josepha Grünberg spielt im Solostück „blutrot.“ das Mädchen mit der Taucherbrille.
Josepha Grünberg spielt im Solostück „blutrot.“ das Mädchen mit der Taucherbrille. © Foto: Andreas Dehne
Schwäbisch Hall / Andreas Dehne 01.08.2018
Das Techno-Märchen „blutrot.“ platziert ein ungewöhnliches Theaterformat im Club Alpha.

„Drücken musst du. Pressen musst du. Bieg ihn rein und winde ihn. Einer wird schon passen. Los, kleines Mädchen.“ Mit diesen doppeldeutigen Bemerkungen geht das Freilichtspiele-Ensemblemitglied Josepha Grünberg auf die Zuschauer im Haller Club Alpha im Nebel zu.

Sie trägt eine Taucherbrille auf der Nase und hat ein zweites Gesicht am Hinterkopf. Im blauen Schummerlicht quält sie ihre Inspirationen zum Märchen von den roten Schuhen (Hans Christian Andersen – 1845) förmlich aus sich heraus. In der schärfsten Berliner Schnauze. „Und sie bog und wand sich, sie drückte und presste, sie schmierte und schnürte, sie zerrte und quetschte. Doch keiner wollte passen.“ Immer wieder wird Technomusik eingespielt, dazu eine aufwendige Lightshow. Eine verloren gegangene Seele frönt auf der Tanzfläche ihrem Hedonismus. So ungewöhnlich die Location, so ungewöhnlich die Aufführung. Unter der Regie von Jessica Weisskirchen mutiert Josepha Grünberg in diesem Ein-Personen-Stück gekonnt zur Wanderin zwischen den Welten des Märchens und der Nacht. „Was kann es Schöneres im Leben geben als rote Schuhe?“ fragt sie frei nach Andersen.

Laute Techno-Beats erklingen. Werden lauter. Und verstummen wieder. „Das ist das Mädchen, das in keinen Schuh passen will.“ Grünberg zerreißt auf der Bühne ihre Strümpfe. „So beschloss sie, ihre Traurigkeit zu zertanzen.“ Sie geht ins Publikum. „Was starrst du mich so an? Tanzen sollste!“ Die Zuschauer scheinen etwas überfordert mit diesem Theaterformat. „Die Musik ist aus“, so die Antwort. „Wenn ich muss, dann muss ich. Pinkeln, scheißen, fressen, kotzen.“ Was noch fehlt, lässt sie wie ein Damoklesschwert wortlos über sich hängen. „Nur schlafen mache ich nicht mehr. Habe ich mir abgewöhnt. Bringt ja nichts. Wenn man nicht mal mehr träumen kann. Alleine sowieso nicht. Zu zweit wäre es eine feine Sache. Aber das gibt es nicht. Jeder tanzt für sich alleine.“

Eine spannende Vorstellung. Voller Nähe und Intensität. Sehr intim und sehr berührend. Und dank der grandios spielenden Josepha Grünberg genial. „Ringelpiez – nur ohne Anfassen.“ Aber man hätte es doch sehr gerne getan.

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