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Das Internetangebot endet nicht am Bildschirm. Derzeit stehen elf speziell geschulte Würth-Elektronik-Mitarbeiter im Bereich „Customer Service“ den Kunden rund um Bestellung, Lieferung und Produkt zur Seite. Eine davon ist Sabrina Hosch, die im Unternehmen auch ihre Ausbildung absolviert hat.
Das Internetangebot endet nicht am Bildschirm. Derzeit stehen elf speziell geschulte Würth-Elektronik-Mitarbeiter im Bereich „Customer Service“ den Kunden rund um Bestellung, Lieferung und Produkt zur Seite. Eine davon ist Sabrina Hosch, die im Unternehmen auch ihre Ausbildung absolviert hat. © Foto: Melanie Boujenoui
Rot am See / Melanie Boujenoui 19.06.2018
Seit zehn Jahren vertreibt Würth Elektronik Leiterplatten über den Online-Shop „WEdirekt“. Der Internethandel wird von Rot am See aus abgewickelt und soll hier auch künftig weiter wachsen.

Seit 2008 treibt Würth-Elektronik am Standort Rot am See den Onlinevertrieb von Leiterplatten kräftig voran. „Das Geschäft machte bereits im vergangenen Jahr 25 Prozent vom Umsatz aus“, sagt Geschäftsführer Klaus Weingärtner, der aber „auch und gerade im Jubiläumsjahr“ weiter auf Tempo setzt: „Wir wollen den Umsatzanteil innerhalb der nächsten fünf Jahre um nahezu 100 Prozent steigern.“ Der Umsatz würde dann bei rund 50 Millionen Euro liegen. Ein Großteil der Produkte, die über das Internet vertrieben werden, wird auch in Rot am See produziert. Das Wachstum soll einerseits durch verstärkte Marketingaktivitäten und andererseits durch zusätzliche Kunden im Ausland erreicht werden. Der Internetverkauf soll also zum Herzstück des Werks in Hohenlohe-Franken werden, wo bislang auch die Unternehmensbereiche Forschung und Entwicklung angesiedelt sind.

Mit der straffen Zeitvorgabe hält sich Weingärtner an das, was den Standort seit den Anfängen im Jahr 1994 auszeichnet: Bereits zu Beginn war die Produktionsstätte in Rot am See dazu vorgesehen, unter dem Dach des Würth-Konzerns Eildienste und Prototypen komplexer Leiterplatten für sämtliche Branchen umzusetzen. Für den Onlinehandel wird diese Grundlage zum zentralen Vorteil: Kurze Wege und die Beschränkung auf Kleinmengen, ermöglichen „WEdirekt“ eine Lieferzeit bereits ab zwei Arbeitstagen. In fast allen elektronischen Geräten sind Leiterplatten zu finden, da sie als Schaltungsträger für elektronische Bauteile dienen. Das Angebot genau nach dem persönlichen Bedarf bestellen zu können, macht den Shop besonders für Privattüftler und Entwickler interessant: Rund 3000 Kunden nutzen inzwischen regelmäßig den digitalen Shop, wie Vertriebsleiter Thomas Beck erklärt. Europa- und nordamerikaweit bestellen Einzelpersonen bis hin zu Großkunden, etwa aus der Autoindustrie, Prototypen und Kleinserien bequem per Kurier.

Pro Tag werden im Werk Rot am See etwa 215 Aufträge erledigt, davon ist etwa die Hälfte im Webshop bestellt. Seitdem die Onlineplattform im letzten Jahr einem Facelift unterzogen wurde, sei Bestellen jetzt noch ein­facher. Da es von der einfachen Leiterplatte über Multilayer bis hin zu Sondertechniken unterschiedliche Varianten gibt,  kann der Kunde seine Wunschplatte per Entwurfmaske im Onlineshop genau bestimmen.

„Wie bei einem Autokauf fragen wir die wichtigsten Merkmale für den Aufbau und die Struktur der Leiterplatten ab“, sagt Beck, „am Ende erhält der Kunde ein maßgeschneidertes Produkt. Wir liefern schon ab einer Leiterplatte.“  Das ermöglicht das sogenannte Pooling-Verfahren, bei dem mehrere Bestellungen gesammelt und auf einer Leiterplatte produziert werden – eine Art Sammelproduktion. „Das ist zeit- und materialsparend“, erklärt Beck, „der Preisvorteil geht direkt an die Kunden weiter.“ Die Herausforderung sei später der Versand. „Da müssen die Mitarbeiter die unterschiedlichen Aufträge wieder auseinanderklamüsern“. 171 Mitarbeiter sind derzeit im Werk Rot am See beschäftigt – davon kümmern sich elf um die Betreuung der Internetplattform und stehen den Kunden per Telefon, E-Mail oder Chatline beratend zur Seite. Schließlich steht das Unternehmen für Service, Benutzerfreundlichkeit und Qualität.

Ob starre, flexible oder HDI-Leiterplatten, sie alle durchlaufen zwischen 60 und 100 verschiedene Stationen im Produktionsverlauf – von chemischen über mechanischen bis zu Arbeitsprozessen mit Fotodruck. Bevor die Platten die Produktion verlassen, werden sie auf Funktion überprüft. Über dieser letzten E-Test-Station hängt ein Monitor, der anzeigt, ob auch alle Aufträge im Zeitplan liegen. Die Zeit ist stets im Blick, immerhin ist das der Wettbewerbsvorteil, auf den man baut. Doch er ist stolz auf sein Werk. „Nicht nur unser ganzes Gefüge hier in Rot am See macht den Unterschied, sondern unsere Mitarbeiter.“

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Millionen Euro Umsatz machte die Würth-Elektronik-CBT-Gruppe im vergangenen Jahr. Dabei erwirtschaftete das Werk in Rot am See 26,4 Millionen Euro.

Forschungstransferpreis für TWINflex-Strech

Für die Entwicklung und Serienfertigung elastischer Leiterplatten, die im Bereich Medizin, Textilien oder Sensorik verwendet werden können, wurde Würth Elektronik mit einem Forschungstransferpreis der IHK Heilbronn-Franken ausgezeichnet. Derzeit ist die Leiterplatte in einem Messinstrument der Schweizer Firma Swisstom zur Überwachung der Herz- und Lungenfunktion im Einsatz. Durch das dehnbare Material ist die Messung direkt auf der Säuglingshaut möglich und keine Strahlung nötig. „Die Elektroimpedanztomographie ist eine strahlungsfreie Überwachungsmethode und macht Röntgenaufnahmen überflüssig“, betont Dr. Jan Kostelnik von Würth Elektronik.

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